In Herrieden (Landkreis Ansbach) haben unbekannte Täter in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zwei Geldautomaten in der Sparkasse am Marktplatz gesprengt. Die Explosion erfolgte mit solcher Wucht, dass das Gebäude in Brand geriet. Das bestätigt die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Mittelfranken auf FLZ-Anfrage.
Wie die Beamten berichten, ereignete sich der Vorfall mitten in der Nacht: Um 2.30 Uhr riss eine Detonation die Anwohner aus dem Schlaf. Diese verständigten die Polizei. Vor Ort mussten die Einsatzkräfte feststellen, dass der Vorraum der Bank völlig verwüstet wurde und ein kleines Feuer ausgebrochen war. Das Ziel: zwei dort befindliche Geldautomaten.
Laut Polizei wurde das Gebäude, in dem sich auch zwei Wohnungen befinden, geräumt. Eine Bewohnerin erlitt eine leichte Rauchgasvergiftung und wurde vom Rettungsdienst behandelt. Wann die Personen wieder zurück in ihre Wohnungen können, sei noch unklar, so die Polizei.
Die Feuerwehr konnte die Flammen rasch unter Kontrolle bringen. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf mindestens 200.000 Euro. Die unbekannten Täter sind derweil flüchtig. Nach Angaben der Polizei läuft derzeit die Fahndung. Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) untersuchen den Tatort derzeit nach Spuren.
Nach Angaben des LKA flüchteten die Täter mit einem dunklen Auto in unbekannte Richtung. Die Ermittler rufen die Bevölkerung auf, Hinweise zu melden. Vor allem interessiert laut einer Pressemitteilung die Beamten, wem im Bereich des Tatorts verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen sein könnten. Haben Anwohner ungewöhnliche Dinge wahrgenommen, die im Zusammenhang mit der Tat stehen könnten? Melden können sich Zeugen unter der Telefonnummer 089/12120.
Thomas Fritsch, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Herrieden, berichte der FLZ vor Ort, dass auch er in der Nacht von dem „lauten Schlag” aus dem Bett gerissen worden ist. Er wohnt rund zwei Kilometer entfernt vom Tatort. Nur wenige Minuten später kam die Alarmierung. „Da haben die ordentlich was reingesteckt”, mutmaßt er mit Blick auf die Verwüstung. Nach seinen ersten Einschätzungen ist das Haus womöglich so stark beschädigt, dass es mehrere Monate nicht benutzt werden kann. Wie groß der Schaden, auch an der Statik des alten Gebäudes, tatsächlich ist, wird jedoch derzeit noch ermittelt.
Vor Ort laufen aktuell noch die Aufräumarbeiten der Stadt und der Feuerwehr. Splitter und Glasscherben waren über den gesamten Marktplatz verteilt. Streifenbeamte gehen außerdem gerade von Tür zu Tür, vermutlich um Anwohner nach Beobachtungen zu befragen. Durch die zentrale Lage im Ort sorgt das Geschehen für große Aufregung. Einige Bürgerinnen und Bürger versammelten sich am Vormittag rund um den Marktplatz, kurz vor dem bekannten Storchenturm. Auch Herriedens Bürgermeisterin Dorina Jechnerer und Vertreter der Sparkasse machten sich am Vormittag vor Ort ein Bild der Lage.
Am Freitagvormittag thematisierte der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig die Geldautomatensprengung bei einer aktuellen Sitzung im Kreistag. Er berichtete, dass in dem betroffenen Haus auch eine Zahnarztpraxis ist. Diese soll durch die Detonation ebenfalls beschädigt worden sein.
Außerdem gab er eine Information für Kunden der Sparkasse bekannt: Diese können ab Montag auch Geld bei der örtlichen VR-Bank abheben. Es gebe dazu eine Absprache zwischen den beiden Kreditinstituten, so Dr. Jürgen Ludwig.
„Unsere Geschäftsstelle ist völlig zerstört”, meldet sich Werner Frieß, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Ansbach zu Wort. Er sei aber froh, dass es der verletzten Frau wieder gut gehe. Die Automaten auf dem neuesten Stand der Technik seien mit Farbpatronen ausgerüstet gewesen. Damit dürfte die Beute unbrauchbar geworden sein.
Wer in Herrieden Geld abheben möchte, kann dies laut Sparkasse ab Montag auch bei der VR-Bank nebenan tun. Dafür bestehe eine Absprache zwischen beiden Häusern. Als Ausweichgeschäftsstellen stünden ab kommender Woche Burgoberbach und Aurach sowie das
Beratungs-Center Leutershausen zur Verfügung.
Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art im Landkreis Ansbach. Immer wieder sprengen Kriminelle Geldautomaten im Vorraum von Banken – oft in Autobahn-Nähe. 2023 traf es zuletzt das benachbarte Aurach, außerdem gleich drei Automaten in Rothenburg. Dabei wurde das komplette Erdgeschoss der VR-Bank verwüstet.