In der Gemeinde Adelshofen gibt es einen zweiten Bürgermeisterkandidaten. So wurde am Montag bekannt, dass sich neben dem von fünf Wählergruppen nominierten Neustetter Kristof Matthes auch Stefan Bininda um die Nachfolge von Johannes Schneider bewerben will. Der 56-Jährige wohnt ebenfalls in Neustett und geht als AfD-Kandidat ins Rennen.
Es ist eine überraschende Entwicklung, denn bisher hatte es keine größeren örtlichen Aktivitäten der Partei in Adelshofen (Landkreis Ansbach) gegeben. Von konkreten Plänen zur Aufstellung eines AfD-Bewerbers für die Bürgermeisterwahl in Adelshofen wurde in den vergangenen Wochen auch nichts bekannt. Die Ansetzung einer Nominierungsveranstaltung erfolgte nichtöffentlich.
Einige wollten sich noch nicht gleich outen
Stefan Bininda nahm dazu auf Anfrage der Redaktion Stellung. Es sei der mehrheitliche Wunsch des Unterstützerumfelds gewesen, zunächst noch Zurückhaltung zu üben. Mit Blick auf zu befürchtende negative Reaktionen in der Bevölkerung hätten sich einige „noch nicht gleich outen” wollen, meinte er. Deshalb sei die Nominierungsveranstaltung nichtöffentlich abgehalten worden.
Entschieden worden war bei diesem Termin nicht nur über die Bürgermeisterkandidatur Binindas, sondern auch über eine Liste von Personen, die sich für die AfD um Sitze im achtköpfigen Gemeinderat bewerben. Auf der AfD-Liste stehen neben Stefan Bininda (Platz 1) noch Camilla Löw, Jan Geissendörfer und Paul Wittmann. Die vier Namen sollen auf dem Stimmzettel jeweils doppelt gelistet werden.
Der 56-Jährige, der als Elektrofachkraft im Gebäudemanagement tätig ist, lebt seit fünf Jahren in der Gemeinde. Er war damals aus dem Landkreis Fürth zugezogen und hatte sich dort zuvor auch schon kommunalpolitisch für die AfD betätigt. Sein Name stand auf der Liste der Partei für die Kreistagswahl 2020 im Landkreis Fürth. In der Gemeinde Adelshofen war Bininda kommunalpolitisch bislang nicht aktiv gewesen. Er trat allerdings 2025 als Sprecher einer Bürgerinitiative in Erscheinung, die Widerstand gegen das Kanalsanierungskonzept der Gemeinde organisierte.
Politisch einsetzen wolle er sich vor allem für Kostensenkungen in der „stark verschuldeten Gemeinde”, so der 56-Jährige zu seinem Programm. Es müsse Klarheit über die Verschuldung und weitere Baumaßnahmen geschaffen werden. Weitere Ziele seien die Stärkung regionaler Erzeugnisse und der ortsansässigen Landwirtschaft sowie die Beibehaltung der kommunalen Unterstützung für Vereine. Neu zu überdenken sei das Thema Kindergarten-Planung für Adelshofen, erklärte er weiter.
Dass die Abhaltung einer AfD-Nominierungsveranstaltung in der Gemeinde Adelshofen nicht öffentlich bekannt gemacht wurde, ist laut Auskunft der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Rothenburg formal grundsätzlich nicht zu beanstanden. Die organisatorischen Hürden sind für bestehende Parteien auch weniger hoch als für Wählergruppen ohne Parteistatus, die für die Gültigkeit ihrer Wahlvorschläge eine vorgegebene Anzahl von Unterstützungsunterschriften beibringen müssen.
Die VG Rothenburg bestätigte auf Anfrage der Redaktion, dass der AfD-Wahlvorschlag aus Adelshofen fristgerecht eingereicht wurde und dass die Information dementsprechend inzwischen auch öffentlich aushängt. Endgültig entschieden wird über die für die Bürgermeister- und Gemeinderatswahl in Adelshofen eingegangenen Vorschläge in der Sitzung des Gemeindewahlausschusses am kommenden Dienstag, 20. Januar, ab 19.30 Uhr im Rathaus.
Adelshofen steht politisch vor einer Zäsur, denn Bürgermeister Johannes Schneider, der die Geschicke der Gemeinde seit 2002 leitet, tritt nach vier Amtsperioden nicht mehr an. Das amtierende Ratsmitglied Kristof Matthes war im Dezember bei Versammlungen in allen fünf Gemeindeteilen als Bewerber um die Nachfolge Schneiders nominiert worden.
In diesen Veranstaltungen waren jeweils auch achtköpfige Personenlisten für die Gemeinderatswahl festgelegt worden. Das bedeutet, dass es für diese durch die zusätzliche AfD-Liste nun sechs Wahlvorschläge mit insgesamt mehr als 40 Bewerberinnen und Bewerbern um die acht Sitze im Gremium geben wird.
Stefan Bininda hat im Übrigen auch kreispolitische Ambitionen. So wurde er als Landratskandidat und damit als AfD-Herausforderer von Amtsinhaber Dr. Jürgen Ludwig (CSU) nominiert.