Wenn man von der „Gmaa“ spricht, dann meint man in den meisten Kommunen im Kreis den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin, eine Verwaltung – manchmal ortsübergreifend in Verwaltungsgemeinschaften (VGs) organisiert – und einen Bauhof. Aber Letzteren gibt es nicht überall.
Markt Nordheim, Ergersheim, Hemmersheim und Gallmersgarten verbindet alle eins: Sie haben keinen. Die Größe allein ist für diese Entscheidung nicht ausschlaggebend. Zwar finden sich mit Hemmersheim und Gallmersgarten die Gemeinden mit der kleinsten und der drittkleinsten Einwohnerzahl im Landkreis unter dieser Aufzählung. Dafür gehören mit Ergersheim, wo 1026 Menschen wohnen, und Markt Nordheim (1143) auch zwei der etwas größeren zu den Dörfern, die sich für Grünpflege, Wasser- und Abwasserfragen oder den Winterdienst keine eigenen Mitarbeiter leisten.
Da wird man dann um 4 Uhr früh vom Kreisbauhof angerufen und muss los.
Wie organisieren die Gemeinden dann die Erledigung ihrer Aufgaben? Das erläutert Bürgermeister Michael Schlehlein für Gallmersgarten. Die Grünpflege wird in Hand- und Spanndiensten erledigt. Der Winterdienst wurde in der vergangenen Sitzung gerade neu an ein Unternehmen aus einer Nachbargemeinde vergeben. Für den Bereich Abwasser gibt es eine Zweckvereinbarung mit der Kläranlage Burgbernheim, deren Klärmeister und Mitarbeiter das Kanalnetz betreuen. Drei Wasserwarte kümmern sich um Schieber oder suchen die Ursachen für Wasserrohrbrüche. Das Aufstellen von Schildern gehört dagegen noch zu den zusätzlichen Aufgaben des Bürgermeisters selbst.
Diese Mischung von Hand- und Spanndiensten sowie Vergaben ist auch in den anderen Gemeinden üblich, wobei Hemmersheim einen eigenen Klärwärter beschäftigt. Dort spielen auch die örtlichen Obst- und Gartenbauvereine eine wesentliche Rolle. Gerade erst haben sich Landwirte aus dieser und der angrenzenden Gemeinde zusammengetan und übernehmen künftig das Mulchen neben den Gemeindestraßen.
Wenn ein Passender kommt, wären wir gerüstet.
Eine Besonderheit: Der Bürgermeister erledigt hier seit 15 Jahren auch den Winterdienst. „Da wird man dann um 4 Uhr früh vom Kreisbauhof angerufen und muss los“, erzählt Karl Ballmann. Räumschild und Salzstreuer gehören der Gemeinde, der Schlepper ihm selbst. Mit bald 70 Jahren will er diese Aufgabe gerne abgeben – wenn sich denn ein Nachfolger findet.
In Markt Nordheim diskutierte der Gemeinderat erst neulich über die Fortführung des bauhoflosen Daseins, nachdem ein Bewohner bei der Bürgerversammlung einen Antrag auf die Einstellung von Gemeindearbeitern gestellt hatte. Zwar äußerte sich Bürgermeister Harald Endreß aufgeschlossen gegenüber der Idee: „Wenn ein Passender kommt, wären wir gerüstet.“ In der weiteren Diskussion überwog allerdings die Skepsis: Einen Mitarbeiter einzustellen, sei schwierig. Habe der Urlaub oder sei krank, so stehe man schließlich wieder blank da. Außerdem gebe es immer wieder Aufgaben, die mindestens vier Hände erfordern.
Das heißt, dass zumindest zwei Beschäftigte nötig wären – und für die müsste es dann gerade in den kleinen Gemeinden auch genügend Aufgaben übers ganze Jahr hinweg geben. Aber das ist beileibe nicht alles: Man braucht dann auch den entsprechenden Raum und Geräte oder Maschinen. „Da ist man gleich eine halbe Million Euro los“, meinte Gemeinderat Karlheinz Liebberger.
Als Bürgermeister habe man ohne Bauhof mehr zu tun, meint nicht nur Dieter Springmann aus Ergersheim. Springmann sieht trotzdem vor allem die Vorteile des jetzigen Zustands: Immerhin müsse er sich so auch nicht um Schulungen, Krankheits- oder Urlaubsvertretungen sowie Neubesetzungen kümmern. Andere halten dem entgegen: Ein langjähriger Gemeindearbeiter könnte einiges selbstständig erledigen, wofür den Fremdfirmen die Ortskenntnisse fehlen.
Der Ergersheimer Bürgermeister glaubt nicht, dass durch das Zubrot der Hand- und Spanndienste Neid oder der Verdacht auf Geklüngel entsteht: „Wir versuchen immer, dass die Wirtschaftskraft bei uns in der Gemeinde bleibt. Probleme hatten wir eher schon mit Unternehmen, die selbst gerne die Aufträge hätten.“
Schön wäre ein interkommunaler Verbund.
Die Gemeinden sehen aber das Problem, dass mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft das Interesse an den Hand- und Spanndiensten, die in Hemmersheim noch Frondienste heißen, zurückgeht. Auch in Markt Nordheim, so die zweite Bürgermeisterin Christine Rudolph-Weiß, gebe es durchaus noch Aufgaben, wie das Streichen der Holzfenster im alten Schulhaus in Herbolzheim, um die sich die Leute nicht unbedingt reißen.
„Das wird mittelfristig schwieriger“, ist auch Schlehlein überzeugt. In ungefähr fünf Jahren schon, so rechnet er, wird es selbst im kleinen Gallmersgarten nicht mehr ohne Bauhof gehen. Gleichzeitig stellt er klar: „Einen eigenen Bauhof können wir uns nicht leisten.“
Er hat die gleiche Idee, die auch sein Kollege Springmann in Ergersheim favorisiert: „Schön wäre ein interkommunaler Verbund“, sagt der. Schlehlein fände es toll, wenn es auf VG-Ebene in Burgbernheim einen gemeinsamen Mitarbeiter-Pool gebe. „Dann könnten auch mal acht Mann zusammen losziehen und zum Beispiel zügig ein Spielgerät aufbauen.“