Dürre macht Sprit teurer - lokale Engpässe möglich | FLZ.de

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 11.08.2026 12:01, aktualisiert am 11.08.2026 12:55

Dürre macht Sprit teurer - lokale Engpässe möglich

Das Niedrigwasser am Rhein macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar. (Foto: Thomas Frey/dpa)
Das Niedrigwasser am Rhein macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar. (Foto: Thomas Frey/dpa)
Das Niedrigwasser am Rhein macht sich auch an den Tankstellen bemerkbar. (Foto: Thomas Frey/dpa)

Inzwischen bekommen auch Autofahrer zu spüren, dass im Rhein zu wenig Wasser ist: Es macht den Sprit teurer. „Das derzeitige Niedrigwasser am Rhein wirkt preistreibend“, sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Es sei aber nur einer von mehreren Einflussfaktoren auf die aktuellen Spritpreise.

Hintergrund ist, dass der Rhein auch für Öl, Benzin und Diesel als Transportweg genutzt wird. In großen Tankschiffen ist dies in der Regel deutlich günstiger als mit vergleichsweise kleinen Lkw. Nach Angaben des Experten steigen durch das aktuelle Niedrigwasser „die Logistikkosten für den Transport von Kraftstoffen und einzelnen Vorprodukten teilweise deutlich an.“

Zudem werde der deutsche Markt nicht ausschließlich über den Rhein, sondern über ein „Netzwerk aus Seehäfen, Raffinerien, Pipelines sowie den Schienen- und Straßenverkehr“ versorgt, sagt Laberer. „Daher dürfte das Niedrigwasser derzeit vor allem regional zu höheren Kraftstoffpreisen beitragen.“

Vorübergehend regional beschränkte Engpässe möglich

Grund zur Entwarnung gibt es allerdings nicht: Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) erklärte auf Anfrage: „Nach derzeitigen Prognosen sinken die Pegelstände in nächster Zeit jedoch weiter, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von vorübergehenden und regional beschränkten Versorgungsengpässen erhöht. Das gilt insbesondere, wenn es zusätzlich zu Verspätungen auf der Schiene, zu technischen Störungen oder anderen Einschränkungen in der Transportlogistik kommen sollte.“ Zuvor hatte die „Westdeutschen Allgemeine Zeitung (WAZ)“ berichtet.

Grundsätzlich sei der Umgang mit Niedrigwasser, gerade am Rhein, für die Unternehmen im Verband en2x nicht neu. „Dennoch stehen wir vor einer großen Herausforderung. Binnenschiffe müssen mit geringerem Frachtvolumen beladen werden - teils zu einem Viertel der Normalkapazität, oder sie mussten den Betrieb vorübergehend ganz einstellen“, heißt es vom Verband. 

Der Transport werde - wo möglich - auf Züge oder Lastwagen verlagert. Allerdings seien auch deren Kapazitäten begrenzt. „Dadurch verzeichnen wir steigende Transportkosten. Dank laufender Anpassung der Logistik läuft der Tankstellenbetrieb bisher auf normalem Niveau - auch im gesamten Rheingebiet.“

Die Mitgliedsunternehmen arbeiteten „permanent daran, die Belieferung von den Raffinerien nicht nur zu den Tankstellen, sondern mit den entsprechenden Produkten unter anderem auch zu Heizölkunden, Flughäfen und Industrie aufrechtzuerhalten“, betont Hauptgeschäftsführer Christian Küchen.

Benzin in NRW und Hessen am teuersten 

Die höheren Kosten machen sich auch in der regionalen Spritpreisverteilung bemerkbar, wir auf dem Spritpreisportal „Tankerkönig“ zu sehen ist. Die teuersten Bundesländer bei Benzin sind - zum Stand Dienstagmorgen - Nordrhein-Westfalen und Hessen vor Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Bei Diesel liegen NRW und Hessen auf Platz zwei. Und auch auf Landkreisebene fällt auf, dass sich - insbesondere bei Benzin - die teuren Gegenden in der westlichen Hälfte Deutschlands ballen, während es in Bayern - vor allem in seiner südlichen Hälfte - am günstigsten ist. Die Unterschiede betragen dabei einige Cent - bei Benzin sind es zwischen Bayern und NRW beziehungsweise Hessen rund 7 Cent, bei Diesel rund 8.

Europas wichtigste Wasserstraße

Das Niedrigwasser, gerade am Rhein, setzt der deutschen Wirtschaft zunehmend zu. Der Rhein ist Europas wichtigste Wasserstraße. Bei niedrigen Pegelständen können Schiffer weniger Ladung aufnehmen, wodurch Transportkosten steigen, die Belieferung der Industrie mit Vorprodukten erschwert wird und Lieferketten unter Druck geraten.

Derzeit erschwert zudem die Generalsanierung der Bahnstrecke auf der rechten Rheinseite das Verlagern von Transporten auf die Schiene. Dadurch stehen zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet nur die zwei Gleise der linksrheinischen Strecke zur Verfügung, sonst sind es vier Gleise - das verschärft die Lage. Die Bauarbeiten sollen noch bis Dezember laufen. 

Lockerung des Sonntagsfahrverbots

Die Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen in mehreren Bundesländern schafft nach Einschätzung des Logistikverbands BGL zwar mehr Flexibilität für wichtige Lieferungen, aber keine zusätzlichen Fahrerkapazitäten.

Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland hatten das Fahrverbot bereits ab dem vergangenen Wochenende vorübergehend gelockert. Baden-Württemberg und Bayern handeln wie Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zum kommenden Wochenende. Sachsen hingegen lehnt eine generelle Lockerung ab und verweist auf mögliche Ausnahmegenehmigungen.

Am Mittwoch will Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) mit seinen Amtskollegen in den Ländern über weitere Maßnahmen gegen die Folgen des Niedrigwassers beraten. Am Montag hatte er dazu gesagt: „Wir versuchen, so viel wie möglich umzusetzen, um jetzt für Entlastung zu sorgen.“ Man habe kurzfristig „doch einige Möglichkeiten, um hoffentlich gut über diese schwierigen Wochen im August zu kommen“, so der Minister weiter.

© dpa-infocom, dpa:260811-930-513351/3


Von dpa
north