Tägliche Herausforderungen für Hebammen im Ansbacher Klinikum | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.07.2024 20:00

Tägliche Herausforderungen für Hebammen im Ansbacher Klinikum

Die drei Hebammen Maike Loy, Melina Brandscher und Romy Reindler kommen in ihrem Job oft an ihre Grenzen. Ein anderer Beruf wäre für das Trio allerdings keine Option. (Foto: Tizian Gerbing)
Die drei Hebammen Maike Loy, Melina Brandscher und Romy Reindler kommen in ihrem Job oft an ihre Grenzen. Ein anderer Beruf wäre für das Trio allerdings keine Option. (Foto: Tizian Gerbing)
Die drei Hebammen Maike Loy, Melina Brandscher und Romy Reindler kommen in ihrem Job oft an ihre Grenzen. Ein anderer Beruf wäre für das Trio allerdings keine Option. (Foto: Tizian Gerbing)

Maike Loy (23), Melina Brandscher (22) und Romy Reindler (21) bilden ein festes Team. Der Beruf verbindet sie: Hebammen mit gleichen Interessen, Ansichten und Motivationen. Diese Gemeinsamkeiten schweißen sie beruflich zusammen.

Die drei jungen Frauen gehören zu den letzten, die noch die klassische Ausbildung absolviert haben. Zukünftige Hebammen müssen jetzt studieren. Alle drei arbeiten im Kreißsaal des Klinikums Ansbach. Maike Loy begann dort als freiberufliche Hebamme und wurde später fest angestellt. Später kamen Melina Brandscher und Romy Reindler dazu.

Geschehen im Kreißsaal ist unberechenbar

„Von Alltag ist da keine Rede“, erzählt Maike Loy, denn das Geschehen im Kreißsaal ist unberechenbar: An manchen Tagen ist nichts los, an anderen Tagen kommen viele Frauen, sei es für Kontrolltermine oder Entbindungen. „Wie eine Notaufnahme für Schwangere“, fasst Loy zusammen. Melina Brandscher beschreibt ihren Beruf als „abwechslungsreich“ und „adrenalinreich“.

Die Geburtserfahrung prägt schon in der Ausbildung tief: „In dem Moment steht die Welt kurz still“, schildert Maike Loy. „Wir haben für einen Moment den jüngsten Menschen der Welt im Arm“, fügt sie hinzu. Das berührte die jungen Frauen schon früh und bindet sie an den Beruf.

Frauen haben Recht auf Hebammen

Maike Loy betont den feministischen Aspekt ihres Berufs: „Ich will Frauen in diesen intimen Momenten helfen“. Romy Reindler ergänzt: „Eine gute Hebamme ist das Recht der Frauen“. Melina Brandscher und Romy Reindler haben zusätzlich die Schwangerschaftsbetreuung „Kugelzeit“ gegründet, präsent in den Sozialen Medien und mit einer eigenen Webseite. Sie bieten Vorsorge in Zusammenarbeit mit einem Arzt an, was sie sinnvoll finden. Ihre Wochenbettambulanz ermöglicht eine spontane Betreuung für Frauen ohne Hebamme, kostenfrei. Damit sind sie hier in der Region Vorreiter. Außerdem bieten die beiden auch Geburtsvorbereitungskurse an.

Auch auf Instagram sind sie mit „Kugelzeit“ aktiv: „Den Frauen ist es wichtig uns auf Instagram zu finden“, sagt Melina Brandscher. Das Durchschnittsalter der Schwangeren schätzen die Hebammen auf Mitte 20. Über die sozialen Medien erreichen sie deshalb oft die passende Zielgruppe. Dort erreichen sie viele Nachrichten und Fragen. Gezielt können sie auf die Ängste und Sorgen eingehen. Mit der Präsenz schaffen die drei eine gewisse Nähe, was sich auch bei der Resonanz der Schwangeren bemerkbar macht.

Grenzerfahrungen in der Ausbildung

Bereits in der Ausbildung haben die drei einige Grenzerfahrungen gemacht. Fehlgeburten gehören zum Beispiel dazu. Viele Frauen wissen nicht, dass Hebammen auch für Fehlgeburten zuständig sind. Hier haben Frauen ebenfalls ein Recht auf eine Hebamme, die regelmäßig Wochenbett-Besuche macht und sich um die Nachsorge kümmert.

Diese Erfahrungen sind lehrreich: „Das lernt man nicht in der Ausbildung“, meint Loy. „Erfahrung ist das Wichtigste bei uns“, erzählt Melina Brandscher. Die drei Hebammen tragen viel Verantwortung. Ihre Arbeitsbedingungen finden sie jedoch fragwürdig. „Man muss den Beruf schon lieben“, schildert Brandscher.

Die psychischen Belastungen im Beruf geben dem Trio zu denken. Sie selbst konnten bisher immer das Gespräch miteinander suchen, um schwierige Situationen zu meistern. Eine psychologisches Angebot in Form einer Seelsorge gibt es für Hebammen nach ihren Worten nicht.

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