Seit sieben Spielen hat die SpVgg Ansbach in der Fußball-Regionalliga nicht mehr verloren, aber nach dem 2:2 beim FC Memmingen, eine gefühlte Niederlage, herrschte Tristesse in der Ansbacher Kabine.
„Wenn man in der Regionalliga Bayern ein Spiel gewinnen will, dann muss man 90 Minuten Gas geben und performen. Und man darf nicht nach 85 Minuten aufhören zu performen,“ sagte ein sichtlich enttäuschter Trainer Niklas Reutelhuber nach dem Spiel BFV-TV.
Reutelhuber war längere Zeit nicht ansprechbar und hatte schwer zu knabbern an den beiden Gegentoren in den letzten vier Minuten. Unterstützung bei seiner steilen These des abgebrochenen Performing erhielt Reutelhuber vom Memminger Trainerkollegen Matthias Günes. Dieser lobte seine Mannschaft, „die nie aufgegeben hat.“ Auch meinte er, „dass die Ansbacher ihrem großen Aufwand, den sie betrieben hatten, Tribut zollen mussten.“ Zum Schluss seiner Ausführungen räumte Günes aber ein, „glücklich einen Punkt erreicht zu haben.“
Über weite Strecken hatte die SpVgg Ansbach im fast schon pompösen Arena-Park, der über sechs Millionen Euro Baukosten verschlungen haben soll, die schnelle und abwechslungsreiche Begegnung dominiert. Nach dem Seitenwechsel kamen die beiden Torerfolge und beide Male war Riko Manz der Vorlagengeber.
Beim Führungstreffer düpierte er auf der linken Strafraumseite zwei Memminger Abwehrspieler, um dann maßgerecht das Leder dem sechs Meter zentral vor dem Tor stehenden Seefried zu servieren. Der zweite Ansbacher Treffer von Patrick Kroiß könnte man als Kunstwerk bezeichnen: weiter hoher Ball von Manz in den Memminger Strafraum, Kroiß pflückt das Spielgerät aus der Luft, lässt es an seinem rechten Fuß kleben, dreht sich mit ein zwei schnellen Schritten um den Gegenspieler, um dann aus zehn Metern abzuziehen ins lange Eck. Ein außergewöhnlich schöner Treffer.
Einige Möglichkeiten zum dritten Tor ließen die SpVgg-Akteure liegen. Beim 1:2 durch David Günes standen die SpVgg-Defensivakteure sehr hoch, spekulierten auf Abseits und wurden wieder einmal bestraft. Beim 2:2 in der 90. Minute wurde der Ball nicht weit genug aus dem Strafraum geklärt und Jakob Gräser war mit einem abgefälschten Schuss von der Strafraumgrenze erfolgreich – Pech.
Die SpVgg Ansbach hat in dieser Saison in den letzten Minuten schon sieben, wenn man das Pokalspiel gegen den Drittligisten Jahn Regensburg dazu nimmt, acht Treffer kassiert. Entscheidend waren, mit Pokal, fünf Tore: das 1:2 gegen Bayreuth in der 82. Minute, das 2:2 in Eichstätt in der 96. Minute und eben die beiden Treffer in Memmingen.
Ohne die späten Gegentore hätte Ansbach fünf Punkte mehr, stünde auf Platz sechs in der Tabelle und hätte im Pokal Zusatzeinnahmen verbuchen können. Die Idee, deshalb den ohnehin schon große Staff noch um einen Psychologen zu erweitern, erscheint allerdings doch übertrieben. Resilienz haben die Ansbacher schließlich schön öfter bewiesen. Die nächste Gelegenheit dazu besteht im Nachholspiel am Dienstag, 14. Oktober, beim FV Illertissen.