Der Star ist der Trainer: Erste Klopp-Show mit „Wow“-Effekt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.07.2026 10:34, aktualisiert am 24.07.2026 14:57

Der Star ist der Trainer: Erste Klopp-Show mit „Wow“-Effekt

Voller Energie und Optimismus bei seiner Vorstellung: Jürgen Klopp.  (Foto: Florian Wiegand/dpa)
Voller Energie und Optimismus bei seiner Vorstellung: Jürgen Klopp. (Foto: Florian Wiegand/dpa)
Voller Energie und Optimismus bei seiner Vorstellung: Jürgen Klopp. (Foto: Florian Wiegand/dpa)

Beim freundlichen Schlussbild nach der ersten Jürgen-Klopp-Show als Bundestrainer mit wortgewaltigen Warnungen und Forderungen durfte auch Deutschlands Fußball-Liebling Rudi Völler oben auf dem Podium mit in die Kameras lächeln. In den 65 Minuten davor hatte der von DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Verbands-Vize Hans-Joachim Watzke flankierte „Wunschkandidat“ auf die Nachfolge von Julian Nagelsmann vor allem eines verdeutlicht: „Wer Jürgen holt, kriegt ihn.“ Einen Macher ohne Kompromisse. 

Der Star ist die Mannschaft? Nein, nach dem nächsten WM-Flop der Nationalmannschaft in Amerika ist der Trainer der Star. Klopp, der Retter! Klopp, „der großartige Motivator“, wie Neuendorf schwärmte. Klopp, „der wie geschaffen ist für diese Situation“, wie Intimus Watzke schwelgte. 

Klopp selbst erlaubte sich sogar einen Moment der Träumerei, als er auf die Inspiration seiner Vorgänger angesprochen wurde. Franz Beckenbauer habe er „geliebt“. Und dem „Kaiser“ und Weltmeister-Teamchef von 1990 möchte er nacheifern.

Klopps Weltmeister-Traum - und die Bedeutung für das Land

„Wenn ich ein paar Sekunden die Augen zumache und mir vorstelle, Deutschland wird in vier Jahren Weltmeister“, sinnierte Klopp und hielt für ein paar Sekunden inne: „Dann fühlt sich das zum einen echt gut an, denn ich habe eine sehr gute Vorstellungskraft bei solchen Sachen.“ 

Aber Klopps Ansatz ist größer, viel größer. Denn das ganze Land bezieht er in seinen Fußball-Traum ein. „Stellen wir uns vor, es wäre so: Am nächsten Tag wäre der Nachbar nicht mehr so ein Arsch, wie man im Moment denkt. Oder das Wetter wäre nicht so schlecht. Oder Friedrich Merz würde nicht alles falsch machen, obwohl er versucht, alles richtigzumachen.“

Bei Klopp sind Botschaften halt größer. Fußball kann ein Land verändern, so lautete eine zum Antritt. Als Vereinscoach von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool habe er „dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann“. Nur mit Fingerschnippen werde das aber nicht gehen, sagte Klopp - und schnippte dabei mit Daumen und Zeigefinger. 

Den Zeigefinger erhob er bei seinem energetischen Auftritt mehrmals bei seinen Ausführungen. Bei aller Energie und Aufbruchstimmung, die im mit 15 TV-Kameras und vielen Reportern gefüllten Medienraum auf dem DFB-Campus zu fühlen war, wurde in jeder Phase deutlich: Kloppo gibt die Richtung vor.

„Ich werde es nicht allen recht machen“, sagte er zwischendrin. Oder mit Blick auf die Nationalspieler: „Wer Gas gibt, wird mit mir Spaß haben.“ Im 60. Lebensjahr wird und will er gar nicht mehr „Everybody's Darling“ sein.

Eine Warnung an die Medien: Dann bin ich weg

Aus der Erfahrung, wie zuletzt hierzulande mit Nagelsmann oder auch mit Trainer-Kollege Thomas Tuchel in England umgegangen wurde, richtete er sogar eine heftige Warnung an die Medien, die er als Unterstützer mit ihm im DFB-Boot sehen will. „Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg“, brummte Klopp. Mit Bezug auf mögliche sportliche Kritik sagte Klopp, dass er gerne bereit sei, daran zu arbeiten, wenn etwas nicht funktioniere. An die Medien gerichtet betonte er: „An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es und ich bin weg. Ohne Abfindung. Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg.“

Jetzt ist er aber erstmal da. Ausgestattet mit einem Millionenvertrag bis zur nächsten WM-Endrunde 2030. Seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie sein Dortmunder Ex-Spieler Sven Bender werden ihm als Co-Trainer zuarbeiten. „Das beste Trainerteam possible“, schwärmte der Chefcoach. Spannend ist, dass Klopps langjähriger Berater Marc Kosicke beim DFB als „externer Mitarbeiter“ zukünftig eine Schlüsselrolle einnehmen wird.

Mertesacker wird Sport-Geschäftsführer

Eine weitere große Personalie verkündete der Verband im Zuge der Klopp-Präsentation gleich mit. Ex-Nationalspieler Per Mertesacker, Mitglied des letzten deutschen Weltmeisterteams von 2014, wird zum 1. Januar 2027 die Nachfolge des scheidenden Sport-Geschäftsführers Andreas Rettig antreten. Der 41 Jahre alte Mertesacker verantwortet die Bereiche Nationalteams und Akademie.

Im Fokus aber steht die A-Elf, die Klopp schon bis zum EM-Turnier 2028 in Großbritannien und Irland wieder konkurrenzfähig machen soll. Man dürfe nicht immer die Vergleiche mit Welt- und Europameister Spanien, Argentinien, Frankreich oder England als Fußball-Supermächte ziehen. Nur weil die besser seien und mehr Top-Spieler hätten, könne man dennoch gewinnen. „Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung“, heißt das in Kloppo-Deutsch.

57 Feldspieler auf einer ersten Personal-Liste

„Veränderung ohne Aktionismus“ - unter dieses Leitmotiv stellt er sein Wirken als 13. Bundestrainer. 57 Feldspieler hat er auf ein erstes Personal-Tableau geschrieben. „Es ist alles andere als alles schlecht. Wir haben unglaublich viel Talent.“ Es sind ganz neue Namen dabei - und altbekannte. Über Positionen - etwa die von Kapitän Joshua Kimmich oder die neue Nummer eins im Tor - will Klopp erst später reden. „Ich will relativ zügig mit den Spielern in Kontakt treten“, kündigte er an. Auch wenn er offiziell erst am 15. August loslegt.

Und richtig los geht es dann mit gleich vier Spielen in der Nations League am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande, drei Tage danach in Augsburg gegen Griechenland sowie in München gegen Serbien (1. Oktober) und zum Abschluss mit dem Rückspiel gegen Griechenland in Thessaloniki (4. Oktober).

Wie der Klopp-Fußball aussehen soll

Schon dann sollen Ansätze des Klopp-Fußballs zu sehen sein. „Ein bisschen intensiver“ als in den nur vier WM-Partien soll es auf dem Rasen zugehen, mit Pressing, mit Viererkette und mit rasantem Flügelspiel. Außen verortet Klopp „die modernen Spielmacher“. Er wird ein sehr fordernder Coach sein. „Ich habe Lust, mit Jungs zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen wollen, der allen gefällt.“ 

Länderspiele sollen wieder Freude machen - und Festtage für die gesamte Nation sein. „Die Leute sollen nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: „Wow, das war wirklich cool”!“ Klopps Akku ist nach zwei Jahren Trainer-Auszeit maximal aufgeladen. Er strotzt vor Tatendrang: „Ich habe Bock.“

Der Preis an Red Bull: Eine Million Euro und drei Länderspiele 

Als Gewinner durfte sich auch der DFB-Chef fühlen. Neuendorf konnte nicht mal vier Wochen nach dem deprimierenden WM-Aus gegen Paraguay liefern. Die Verhandlungen mit Klopp und auch mit Red Bull, an das der 59-Jährige noch bis 2029 als Head of Global Soccer gebunden war, gestalteten sich herausfordernd. 

Bei einem Treffen mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff konnte eine kreative Lösung gefunden werden. Der DFB leistet eine Zahlung von einer Million Euro an die Stiftung des weltweit operierenden österreichischen Energydrink-Konzerns. Dazu wird es in Leipzig drei Länderspiele bis 2030 geben.

© dpa-infocom, dpa:260724-930-431178/7


Von dpa
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