Die Bestände des Steinkauzes sind zuletzt stark zurückgegangen. Im Landkreis sind nur noch vier Paare bekannt. Vor nunmehr vier Jahren wurde dieser Eulenart auf dem Golfplatz in Bad Windsheim ein neues Angebot zum Nestbau gemacht. Bislang erfolglos. Doch die Hoffnung auf eine Ansiedlung bleibt.
Nachdem Erwin Taube aus dem Auto gestiegen ist, kann er gar nicht mehr aufhören, den vielen Vogelstimmen auf dem Bad Windsheimer Golfplatz zuzuhören. Er ist aktives Mitglied im Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) und vielen vor allem durch seinen Einsatz für Störche bekannt. Doch auch für andere Arten, wie beispielsweise den Steinkauz, setzt er sich ein.
Von dem rund 70 Hektar großen Areal des Golfclubs ist er begeistert, weil es so vielen verschiedenen Vogelarten einen Lebensraum bietet. Denn nur knapp die Hälfte der Fläche wird für den Sport genutzt. Über den Rest verteilen sich Biotope, Hecken, Bäume, Blühwiesen und andere Rückzugsorte. Ideal auch für Vögel. „Das war die Mönchsgrasmücke, und das der Hausrotschwanz”, sagt Taube und lauscht weiter. Innerhalb kurzer Zeit erkennt er rund zehn Singstimmen.
Und auch Manfred Heinl freut sich jeden Frühling aufs Neue über das Vogelgezwitscher, das in der Luft liegt. Er ist beim Bad Windsheimer Golfclub für den Arbeitskreis Golf und Natur verantwortlich. Der Gesang der Nachtigall hat es ihm besonders angetan. Aber auch dem Kuckuck hört er gerne zu.
Gemeinsam mit Taube hat Heinl dafür gesorgt, dass dem Steinkauz ein spezieller Nistkasten angeboten wird. Der ist rund einen Meter lang und hat im Innern eine Art Schleuse, damit zwar der Vogel zum Nest kommt, aber nicht der Marder. Der Kasten ist ein Ersatz für Naturhöhlen, in denen der Steinkauz sich eigentlich niederlässt. Denn davon gibt es immer weniger, beklagt Taube. Auch die Insektenvielfalt sei nicht mehr vorhanden, sodass sich der Lebensraum immer weiter einschränke.
Der Golfplatz indes sei als Refugium für den Steinkauz ideal, betonen Heinl und Taube. Den Nistkasten haben sie hier gezielt platziert: in einem streuobstartigen Bereich des Areals. Ihre Wahl fiel auf einen Baum mit einem „halbwegs senkrechten Ast“. Sobald die Jungtiere das Nest verlassen, sei dieser Ast für sie zum Verweilen ideal. Auch das Nahrungsangebot ist dort abwechslungsreich. Denn der Steinkauz ernährt sich von allem, was sich im und auf dem Boden tummelt, darunter Käfer, Heuschrecken und Regenwürmer, gelegentlich auch Amphibien und kleine Vögel.
Erzwingen lässt sich die Ansiedlung des Steinkauzes allerdings nicht. „Man braucht Geduld”, betont Taube und gibt die Hoffnung nicht auf. Er kämpft um jeden einzelnen Vogel. Weil das dringend notwendig sei, „wenn man so wenige von einer Art hat”.
Rund 20 Steinkauz-Paare hatte es zwischen 1960 und 1980 im Landkreis gegeben. Sie siedelten sich unter anderem in Berolzheim, Kaubenheim und Wiebelsheim an. Dann gab es lange Zeit kein einziges Exemplar mehr im Landkreis. Nun leben aber Taube zufolge wieder vier Paare im Westen. Im vergangenen Jahr seien neun Jungtiere von drei Paaren ausgeflogen.
Dass den Golfplatz, also den „mittleren Westen”, bislang kein Jungtier für sich entdeckt hat, könnte, so Taube, damit zu tun haben, dass sie meist in der Nähe ihres Geburtsortes bleiben und sich dort ansiedeln. Nur in seltenen Fällen würden sie Distanzen von mehreren Kilometern zurücklegen, um dort in neuer Umgebung ansässig zu werden.
Bislang haben in dem Steinkauzkasten auf dem Golfplatz allerdings nur Stare gebrütet. Und die stopfen Taube zufolge „unglaublich viel Material” rein. Deswegen öffnet er den Kasten regelmäßig im Herbst und entfernt es. Ab Ende Februar indes verlässt er sich einzig auf sein Gehör, wenn er herausfinden will, ob ein Steinkauz den Weg nach Bad Windsheim gefunden hat.
Taube und Heinl planen nun, einen weiteren Kasten für die kleine Eulenart aufzuhängen. Heinl hat dafür auch schon einen Platz anvisiert. Der liegt wieder abseits des Spielbetriebs, ist ruhig und „da fällt kein Golfball rein”. Noch ein bisschen scheuer als der Kauz ist Taube zufolge der Wiedehopf. Für ihn würde er sich ebenfalls eine Nisthilfe auf dem Golfplatz wünschen. Heinl muss nun aber erst mal klären, ob er für das Vorhaben eine Geldquelle auftun kann.
Dichte Vegetation wie Büsche und Hecken bevorzugt indes die Nachtigall für ihren Nestbau. Auf dem Golfplatz hat sich diese Vogelart in den vergangenen Jahren an bis zu 20 Einzelstandorten niedergelassen, so Heinl. Damit sie auch künftig ausreichend Lebensraum findet, werden die Hecken regelmäßig zurückgeschnitten. Heinl hat versucht, die Gesamtfläche an Heckenbestand zu schätzen. „Das ist schwer messbar, aber ich vermute, dass es rund fünf Hektar sind.”
Jedes Jahr wird ein neuer Bereich der Heckenlandschaft auf Stock gesetzt. „Das sieht trist aus”, kommentiert Heinl mit Blick auf ein gerade erst gestutztes Exemplar. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird dort aber Neues nachwachsen, versichert er. Wenn man nicht aktiv werden und die Natur sich selbst überlassen würde, würde sich irgendwann ein Wald daraus entwickeln.
Die Saat für die Blühwiesen, die es auf dem Golfplatz ebenfalls gibt, hat Heinl bereits auf den vorbereiteten Flächen ausgebracht. Nun hofft er, dass sie gedeihen und vielen Insekten und Bienen als Nahrungsquelle dienen werden. Auch liegt es ihm am Herzen, den Wiesensalbei auf der Fläche des Golfplatzes anzusiedeln. Weil es eine schützenswerte Pflanze ist, die zudem ein „landschaftsästhetisches Highlight” sei. Sie blüht im Mai und begeistert als lilafarbenes Blütenmeer.