Beim Betrieb des Hausenhofs gibt es zwei Probleme: zu wenig Fachkräfte und fehlendes Geld. Beides bedroht die Zukunft der Einrichtung. Denn sollten sich keine Lösungen finden, könnte das eine Teilschließung bedeuten. Das will Geschäftsführer Konstantin Josek unbedingt verhindern. Genauso wie Bezirkstagspräsident Daniel Forster, der die Einrichtung nun besucht hat.
Wer Geschäftsführer Konstantin Josek aufmerksam zuhört und auch mal zwischen den Zeilen lesen kann, hört Sorge heraus. Sorge um das Geld, das nicht in dem Maße vorhanden ist, wie es gebraucht werden würde. In Bedrängnis gebracht haben den Hausenhof neue Bestimmungen des aktualisierten Pflegewohnqualitätsgesetzes.
Denn die baulichen Anforderungen an Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sind gestiegen. Was früher normal gewesen sei, folge heute anderen Standards, so Josek. So werde es beispielsweise nicht mehr geduldet, dass sich eine Gruppe von bis zu vier Personen ein Bad teile.
Vielmehr habe nun jeder Anspruch auf ein eigenes. Deswegen müssten nun acht von neun Wohnhäusern des Hausenhofes ersetzt werden. Das soll durch den Neubau von insgesamt vier Doppelhaushälften bis zum Jahr 2036 geschehen.
Den ersten Neubau hat Geschäftsführer Josek bereits auf den Weg gebracht. In rund zwei Wochen soll der Spatenstich sein. Geplant ist, das neue Doppelhaus im nördlichen Bereich des Dorfes zu errichten. Dort sollen später insgesamt 16 Bewohner leben. Sie können sich dann über ein komplett barrierefreies Wohnen freuen und über größere Einzelzimmer mit eigenem Bad. Außerdem soll es Paaren ermöglicht werden, zusammen zu leben.
Rund 5,12 Millionen Euro wird das Projekt kosten. Dafür gibt es Zuschüsse von der Regierung von Mittelfranken sowie vom Bezirk Mittelfranken. Weitere Zuwendungen kommen von der Aktion Mensch sowie von weiteren Stiftungen. Die Eigenmittel belaufen sich auf rund 1,06 Millionen Euro. Die sind über Spenden und über den Förderverein beschafft worden.
Das hat nun ein Mal funktioniert. Josek bezweifelt indes, dass sich das Geld für die nächste Doppelhaushälfte auf ähnliche Art und Weise beschaffen lasse. Denn etwas Entscheidendes hat sich geändert: Bislang sind die Ausgleichsabgaben, die Arbeitgeber zahlen müssen, wenn sie nicht genügend schwerbehinderte Arbeitnehmer beschäftigen, in solche notwendig gewordenen Neubauten wie auf dem Hausenhof geflossen.
„Dem hat die Bundesregierung jetzt einen Riegel vorgeschoben. Die Abgaben sollen künftig dafür verwendet werden, die schwerbehinderten Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren und stehen für Neubauten nicht mehr zur Verfügung“, erklärte der Bezirkstagspräsident Daniel Forster während seines Rundgangs über das Gelände der Camphill Dorfgemeinschaft Hausenhof in Dietersheim.
Forster ist über diese Entwicklung nicht glücklich. Denn nicht jeder Mensch mit Behinderung sei körperlich und psychisch in der Lage, auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen zu können, sagte er. Der Druck dort sei mitunter viel zu hoch, als dass er ausgehalten werden könne.
Deswegen seien auch in Zukunft solche Einrichtungen wie der Hausenhof enorm wichtig. Dort hätten die Menschen einen geschützten Raum, um im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu arbeiten. Außerdem hätten die Initiatoren der Gemeinschaft den Begriff der Integration bereits zu einem Zeitpunkt mit Leben gefüllt, an dem andere noch nicht einmal daran gedacht hätten.
„Es muss intensiv darüber diskutiert werden, wie solche Neubauten wie beim Hausenhof künftig finanziert werden können“, sagte Forster. Das sieht Geschäftsführer Josek genauso. Denn in der jetzigen Situation einen Antrag für den Neubau einer weiteren Doppelhaushälfte zu stellen, hat er nicht gewagt. Weil er nicht weiß, wie er es finanzieren sollte.
Die komplette Summe erst einmal vorzufinanzieren und auf mögliche Geldquellen zu hoffen, die sich vielleicht irgendwann einmal auftun könnten, ist Josek dann doch zu unsicher. Außerdem hätte er dann schon wieder ein neues Problem, nämlich ein Zinsproblem. Das betonte auch der Bezirkstagspräsident ausdrücklich. „Bei dem aktuellen Zinssatz geht sowas nicht.“
Ein weiteres Problem ist auch für den Hausenhof der Fachkräftemangel. Dass mittlerweile viele Interessierte aus dem Ausland kommen, beispielsweise aus China, Korea oder Madagaskar, begrüßt Geschäftsführer Josek ausdrücklich. So treffe sich mittlerweile die ganze Welt im Hausenhof.
Die Personalnot sei trotzdem eines der größten Probleme. Aktuell habe man versucht, die Not über eine Zeitarbeitsfirma abzumildern. Doch dafür müsse letztlich auch wieder mehr Geld investiert werden.
Außerdem würde es gewisse Unsicherheitsfaktoren geben. So könne man beispielsweise vorher nie genau wissen, wer zu einem komme und ob derjenige ins Team passe. Viele würden sich die Einrichtung zudem nur eine gewisse Zeit lang anschauen und dann entscheiden, weiter ziehen zu wollen. Das sei wohl ein Trend der heutigen Zeit, sinnierte Geschäftsführer Josek. Er selbst habe seinen Arbeitsplatz mittlerweile seit 28 Jahren im Hausenhof. Um Personal einzusparen, sind bereits die Landwirtschaft und die Pferdebetreuung zusammen gelegt worden.
Und irgendwann wird dem Hausenhof vermutlich sogar mal wieder eine größere Geldsumme zuteil werden. So erzählt Josek, dass ihn jemand kontaktiert habe, der beabsichtige, die Einrichtung in seinem Testament zu berücksichtigen. „Das wäre ein bedeutender Baustein für die Zukunft“, betont er.
In Bezug auf die geforderten Neubauten hofft Josek nun auf Ausnahmegenehmigungen für die Bestandsgebäude. Und darauf, dass dort über das Jahr 2036 hinaus gewohnt werden darf.
Daran will er künftig arbeiten. Denn eines wird bei dem Rundgang mit dem Bezirkstagspräsidenten Forster über den Hausenhof nur allzu klar: Die Werkstätten können die benötigten Millionen nicht aus eigener Kraft erwirtschaften. Sie machen Verluste und können nicht profitabel wirtschaften.
Das sei aber auch nicht ihr Hauptziel, so Josek. Das bestehe vielmehr darin, den Menschen mit Behinderung einen Schutzraum zu bieten, in dem sie sinnstiftende Arbeit leisten können.