Seit den 1950er Jahren gibt es den Laternenzug der Schulkinder zum Reiterlesmarkt mit der Symbolfigur der Veranstaltung mittendrin. Bei der diesjährigen Auflage verkürzte Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler die Wartezeit der zahlreichen Gäste vor dem Rathaus, indem er vom Brauchtum rund um das Reiterle erzählte.
Die Gewandung des Reiterle sei einer Backmodel, mit der Springerle hergestellt werden, nachempfunden, deren Original sich im RothenburgMuseum befinde, berichtete er. Timo Herrscher, ein selbstständiger Handwerksmeister in fünfter Generation, verkörpere das Reiterle inzwischen zum vierten Mal. Seine Gewandung stamme aus der Zeit des aufkommenden Barock.
Ende der 1950er Jahre, als nach dem Krieg wieder Hoffnung aufkeimte, habe der Fränkische Anzeiger über den Laternenumzug geschrieben, dass „Dieser Zug der Kinder mit ihren Laternen der vielleicht sinnreichste Teil der Altdeutschen Weihnacht“ sei, so Christöphler.
Tatsächlich tragen die Kinder das Licht in ihren selbstgebastelten Laternen durch die Stadt, vorbei an vielen Menschen, hin zum Marktplatz. Dort werden sie von Oberbürgermeister Dr. Markus Naser und Bürgermeister Dieter Kölle empfangen. Ein Quartett des Stadt- und Jugendblasorchesters spielte „Ihr Kinderlein, kommet“, während, den Sinn der Zeilen mit Leben füllend, immer mehr Mädchen und Jungen auf dem Marktplatz eintrafen.
„Heute strahlt der Weihnachtsmarkt besonders hell“, meinte schließlich Oberbürgermeister Dr. Markus Naser. Jede der Laternen sei ein kleines Kunstwerk. Er appellierte an die Kinder, ihre Laternen in die Höhe zu halten. Ein Lichtermeer in ganz verschiedenen Farben aus ganz unterschiedlichen Laternen breitete sich vor dem Rathaus aus und wurde mit viel Applaus belohnt.
Sehnsüchtig wurde das Reiterle erwartet, das sich aufgrund des übervollen Marktplatzes aber ohne Pferd Richtung Portal bewegen musste. Christöphler bat um Verständnis für den Verzicht auf das Tier. „Das Reiterle wird zum Schreiterle“, so dazu der heitere Kommentar des Oberbürgermeisters.
Und schon stand Timo Herrscher am Mikrophon, um die Botschaft vom Weihnachtsfrieden zu überbringen, in dem es alle Menschen vereinen möchte. In deutscher, englischer und spanischer Sprache richtete sich Herrscher an die Zuhörenden.
Danach hatte die Klasse 4a der Toppler-Grundschule unter der Leitung ihrer Lehrerin Heidrun Roth ihren großen Auftritt. Die Kinder standen, in Sternsinger-Umhänge gehüllt, auf der Bühne und sangen „Carol of the bell“. Inzwischen leuchtete auch das vierte Adventsfenster im Sitzungssaal des Rathauses, es war vom Team um Pfarrer Herbert Dersch gestaltet worden.
Gemeinsam stimmten alle in „Fröhliche Weihnacht überall“ an, die Kinder sangen begeistert, steckten mit ihrer Freude andere an. Nun stand auch der Nikolaus bereit. Er geleitete die Kinder in den Lichthof des Rathauses, denn dort gab es einen ganz besonderen weihnachtlichen Schokoladen-Lolly für jedes Kind, handgemacht in Rothenburg.