Ein Interview? Cool, sagt Niklas Buchholz, Volleyballer beim TSV Dinkelsbühl und Spitzenläufer beim LSC Höchstadt, gerne sofort. Aber es muss schnell gehen, er ist auf dem Weg zum Training. Klar. Irgendwie ist er ja immer auf dem Weg zum Training. Also los.
Herr Buchholz, kann es sein, dass ein Trainingslauf über 20 Kilometer auf matschigen Trails nicht die beste Vorbereitung auf ein Volleyballspiel wenige Stunden später in der Bayernliga ist?
Warum?
Der TSV Dinkelsbühl hat das Auswärtsspiel beim SC Memmelsdorf mit Ihnen an diesem Tag mit 1:3 verloren.
Also, dazu muss ich zwei Dinge sagen: Es ist nicht so, dass ich der Leistungsträger in der Dinkelsbühler Mannschaft bin, das sind andere, Paul Reichenberg zum Beispiel. Ob ich einen guten oder schlechten Tag habe, davon hängt das Ergebnis nicht ab. Und dann war es ein Sonntagsspiel. Am Sonntag machen wir in unserer Trainingsgruppe nur einen relativ langsamen Lauf, da ist bis zum Volleyball noch genug Pause. Bei Samstagsspielen ist es anders. Da war es schon so, das ich direkt nach Tempoläufen ins Auto gestiegen bin. Das ist dann schon krass.
Am Tag vor dem Memmelsdorf-Spiel haben Sie im Saarland die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Crosslauf für den LSC Höchstadt zusammen mit dem Colmberger Florian Bremm gewonnen.
Ich war wegen der Teamwertung sogar bei zwei Rennen am Start.
Und hatten bei der Dopingkontrolle ein kleines Problem.
Die Probe sollte zwischen den beiden Rennen passieren, was gar nicht so einfach war, weil man ja nicht so leicht pinkeln kann nach einer Belastung. Also habe ich viel getrunken, damit es klappte. Mit der Folge, dass ich vor dem zweiten Rennen noch sehr oft auf Toilette musste.
Besagter Paul Reichenberg hat Sie im Sommer in seine Mannschaft nach Dinkelsbühl gelockt.
Nicht nur mich. Aus dem Erlanger Studententeam sind ein halbes Dutzend Spieler zum TSV gewechselt. Blöd ist nur, dass Dinkelsbühl halt echt weit weg ist.
Wie kommt ein Student aus Hemhofen, der zur deutschen Spitze im Hindernislauf zählt, überhaupt dazu, nebenbei noch Volleyball zu spielen?
Ich habe schon immer verschiedene Sportarten betrieben, Volleyball schon als Kind, Leichtathletik, Fußball und Basketball. Dann hat sich herausgestellt, dass ich Laufen wohl am besten kann. In der Uni spielen wir viel Volleyball, ich war auch schon für den TV Erlangen in der Bezirksliga aktiv.
Beim Laufen ist Ausdauer gefragt, beim Volleyball Sprungkraft und Schnellkraft. Kann man zwei so unterschiedliche Sportarten auf ordentlichem Niveau betreiben?
Och, es ist nicht so, dass mein Körper überfordert wäre. Klar, wenn ich im Sommer nach einem Beachvolleyballturnier noch zum Lauftraining gehe, das ist schon tough. Aber ich habe einfach Lust, noch was nebenbei zu machen. Im Studium werden auch verschiedene Sportarten parallel betrieben.
Was sagen eigentlich die Trainer zu der Doppelbelastung? Sie waren immerhin mal im Nationalkader.
Meine Mutter, selbst ehemalige Volleyballerin, findet es nicht so gut. Und die anderen Trainer, ja, also, so aktiv gesagt habe ich es denen gar nicht.
Aha.
Es darf halt keine Verletzung passieren, das wäre echt blöd. Aber da achte ich schon drauf und springe nicht in jede Netzaktion wie wild rein. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass ich ja nicht mehr trainieren würde, wenn ich nicht mehr Volleyball spielen würde. Volleyball setzt für den Körper andere Reize. Bei den langen Läufen jetzt im Wintertraining schlafen Sachen wie Koordination und Schnelligkeit etwas ein, da ist der Ballsport ein guter Ausgleich. Die schnelleren Drehungen in der Halle, das Reaktionsvermögen, das gefordert ist, die Sprünge, das alles tut mir gut und macht Spaß.
Am Samstag spielt der TSV Dinkelsbühl in eigener Halle (18.30 Uhr, Ulmer Weg) gegen den TSV Neunkirchen um wichtige Punkte für den Klassenerhalt. Wie sieht Ihr Programm am Spieltag aus?
Mein Trainingsplan sieht drei Kilometer Einlaufen, dann zwölf bis 15 Kilometer in 3:20 bis 3:30 Minuten pro Kilometer und zwei Kilometer Auslaufen vor. Ohne Volleyball würde ich am Nachmittag vielleicht noch acht Kilometer locker laufen gehen. Beim Gegner spielt übrigens ein Sportstudent aus Erlangen mit, das sorgt für zusätzliche Motivation.
Der 25-Jährige aus Hemhofen vom LSC Höchstadt gehört gemeinsam mit dem Colmberger Florian Bremm zur Trainingsgruppe Running Gags. Als größter Erfolg gilt sein 14. Platz bei der Europameisterschaft 2022 über 3000 Meter Hindernis. Seit dieser Saison spielt der Lehramtsstudent für den TSV Dinkelsbühl in der Volleyball-Bayernliga.