Am Sonntag, 13. Oktober, feiert das Diakonische Werk Ansbach sein 75-jähriges Bestehen. Rechtzeitig zum Jubiläum hat das Sozialunternehmen neue Leitlinien erarbeitet, die nach den Worten des geschäftsführenden Vorstands Martin Reutter auch eine Selbstverpflichtung darstellen.
Fünf Punkte umfassen die Leitlinien, die Pfarrer Reutter und sein Stellvertreter Markus Sindel bei einem Pressegespräch vorstellten. Das Handeln im Diakonischen Werk soll demnach in den christlichen Werten Nächstenliebe, Solidarität und Respekt verankert sein. „Unsere Arbeit setzt eine hohe Fachkompetenz voraus“, heißt es weiter. Weitere Punkte sind Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Schließlich wird der Arbeit in Beziehungen ein hoher Stellenwert eingeräumt. Dies gelte sowohl für den Zusammenhalt in der Gesellschaft allgemein als auch für die Kooperation mit Gemeinden, Vereinen und anderen Organisationen.
Darauf ist die Diakonie auch angewiesen, denn den größten Teil der Arbeit finanzieren die Stadt und der Landkreis Ansbach, der Bezirk Mittelfranken und weitere staatliche Stellen. Bei freiwilligen Leistungen wie der Migrationsarbeit werde allerdings ein Eigenanteil des Trägers in Höhe von zehn Prozent verlangt, so Martin Reutter. Um diese Mittel aufbringen zu können, ist das Diakonische Werk auf Spenden angewiesen. Sie sind aber oft zweckgebunden und verteilen sich nicht gleichmäßig über die Arbeitsgebiete.
Zu den aktuellen Themen, mit denen sich die Ansbacher Diakonie beschäftigt, gehört die Wohnungslosigkeit. Neben einer Projektstelle, die sich vor allem darum kümmert, eine drohende Obdachlosigkeit zu verhindern, wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Ansbach das Angebot für Wohnungslose zeitlich ausgeweitet.
Das Diakonische Werk führt zudem die Geschäfte für immer mehr andere Einrichtungen. Zur Jugendhilfeeinrichtung Kastanienhof und dem Seniorenzentrum Kastanienhof sind Anfang des Jahres das Diakonische Werk Windsbach und die Tagespflege Neuendettelsau gekommen. Beide seien wirtschaftlich „mit dem Rücken zur Wand“ gestanden, berichtet Reutter. Nun sehe es aber gut dafür aus, dass sie zukunftssicher aufgestellt werden können.
Im Bereich des Diakonischen Werkes Ansbach sind etwa 550 Mitarbeitende tätig. Die Jahresbilanzsumme beträgt 22,8 Millionen Euro. „Ein ganz schön großes Unternehmen“, findet der Vorstand. Daraus ergeben sich Synergieeffekte. Daher erwartet er, dass weitere Kooperationen dazu kommen werden, auch wenn ein solches Wachstum nicht Programm sei. Aktuell reicht das betreute Gebiet von Neustadt im Norden bis nach Wassertrüdingen und Gunzenhausen im Süden sowie von Rothenburg, Dinkelsbühl und Feuchtwangen im Westen bis Windsbach und Neuendettelsau im Osten.
Zu den aktuellen Herausforderungen zählt laut Reutter die Versorgung von Pflegebedürftigen. Sie müsse sich wandeln, weil sie sonst nicht mehr finanzierbar sein werde. Eine Möglichkeit sei, auf betreutes Wohnen zu setzen, in dem Angehörige wieder eine stärkere Rolle spielen.
Im Pflegebereich sei es schwierig, Personal zu finden. Deshalb müssten seit einiger Zeit im Seniorenzentrum Leiharbeitskräfte eingesetzt werden. Mit attraktiven Arbeitsbedingungen versucht die Diakonie, Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten.
Sorgen bereiten auch die zunehmenden Lücken in der medizinischen Versorgung. Dadurch würden die Beratungsstellen zu Erstanlaufstellen. In der Sozialpsychiatrie müssten Patienten bis zu einem dreiviertel Jahr auf eine Therapie warten. Dabei, meint der Vorstand, wäre es vermutlich auch billiger, die Menschen in ihrer aktuellen Situation aufzufangen. Durch das Aufwachsen in einer „krisenhaften Gesellschaft“ nähmen die Ängste vieler, vor allem junger Menschen, krankhafte Formen an.
Trotz aller Probleme will das Diakonische Werk nicht resignieren, sondern „Wege legen“, wie es Martin Reutter formuliert.
Wie das konkret aussieht, schildern Mitarbeitende in einem Festgottesdienst zum 75-jährigen Bestehen in der St. Johanniskirche am Sonntag, 13. Oktober, um 10 Uhr. Danach gratulieren prominente Redner aus Politik und Gesellschaft dem Sozialunternehmen bei einem Empfang im Gemeindezentrum St. Johannis.
Ganz in der Tradition Martin Luthers plant das Diakonische Werk außerdem eine Aktion zum Jubiläum: Im Frühling sollen 75 kleine Bäume gepflanzt werden.
Zu den Arbeitsbereichen des Diakonischen Werks Ansbach gehören die Kindertagesstätten Lummerland und Dombachknirpse, das Kinderheim Kastanienhof und die Familienpflege. Für Senioren gibt es das Ambulant Betreute Wohnen, das Tageszentrum „Mittendrin“, das Seniorenzentrum Hospital, die Tagespflege Neuendettelsau sowie ambulante und teilstationäre Pflege in Windsbach und Neuendettelsau. Beratungsstellen helfen bei Suchtproblemen, in der Schwangerschaft, bei Fragen der seelischen Gesundheit und zu den Themen Kuren sowie Migration und Integration. Dazu kommen die kirchliche allgemeine Sozialarbeit, die Wohnungsnotfallhilfe im Landkreis Ansbach, die Wärmestube und die ökumenische Tafel Ansbach.