Wenn am Mittwochabend Licht im Übungsraum der Feuerwehr Burghaslach brennt, dann bilden sich höchstwahrscheinlich gerade die künftigen First Responder fort. Jeden zweiten Mittwoch treffen sie sich. Die Kleidung ist eingetroffen, die Ehrenamtlichen sind motiviert: Sie sind startklar.
An diesem Abend herrscht aufgeregtes Wuseln. Anprobe. Die Kleidung sitzt, Einsatzjacken und Hosen in gelb und rot. „Erinnert ein bisschen an die Feuerwehr Scheinfeld“, ulkt jemand. Es ist der nächste sichtbare Schritt hin zum Großprojekt der Burghaslacher Feuerwehr. Denn eines wird an diesem Mittwoch deutlich: Die Gründung einer First-Responder-Gruppe ist mit viel Aufwand und Bürokratie verbunden. Das mussten auch die Hosla Ersthelfer spüren.
Eigentlich wollten sie mit dem Betrieb schon zum 1. Januar 2024 starten. Daraus aber wird nichts. Versicherungsfragen, Gespräche mit der Integrierten Leitstelle, das Go vom Rettungszweckverband: All das hat doch ein bisschen länger gedauert als ursprünglich gedacht. Aber das große Puzzle fügt sich nun mehr und mehr zusammen.
Ein entscheidendes Datum allerdings steht noch aus: der 5. Februar. An diesem Tag kommt der Rettungszweckverband in Ansbach zusammen und muss das First-Responder-Projekt genehmigen. „Dann wird das mehr oder weniger durchgewunken“, davon ist Jürgen Seiermann, nichtärztlicher Leiter der Gruppe, überzeugt. „Wir haben eine Zusage für den Start am 15. Februar.“
Auch der 1. Februar wäre als Starttermin theoretisch möglich gewesen, hätte aber viel Mehraufwand bedeutet. „Das kommt jetzt auf zwei Wochen nicht an“, betont Kommandant Christoph Schorr, der voll hinter dem Vorhaben steht. So bleibt auch noch mehr Zeit für nötige Fortbildungen und Praktika.
Wer First Responder werden will, hat ein straffes Trainingsprogramm vor sich. Die Ausbildung ist ab 16 Jahren möglich, der Einsatz ab 18. Insgesamt 48 Übungseinheiten sind Pflicht, empfohlen werden sogar 80. Hinzu kommen Schnuppertage – denn vor dem ersten Einsatz als First Responder sind mindestens fünf Schichten im öffentlichen Rettungsdienst zu absolvieren: beispielsweise in Scheinfeld, in Schlüsselfeld oder in Höchstadt.
„Es ist wichtig, vorher Rettungsdienstluft zu schnuppern und sich zu vernetzen“, betont Seiermann. Die Prof-Kolleginnen und Profi-Kollegen wollen schließlich auch ihre späteren Unterstützer kennenlernen. Die Erfahrung bisher: „Alle sind mit offenen Armen empfangen worden.“
Die First Responder, das betont das dahinterstehende Konzept mit Nachdruck, ersetzen keinen Rettungsdienst oder Notarzt, sie werden auch in die gesetzliche Hilfsfrist von zwölf Minuten nicht eingerechnet. Vielmehr geht es darum, das therapiefreie Intervall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder Notarztes zu verkürzen und so „im Idealfall Menschenleben zu retten und/oder Schäden durch medizinische Notfälle zu mindern“, steht im Burghaslacher Konzept.
Sieben Burghaslacher First Responder haben schon die volle Ausbildung hinter sich gebracht und könnten quasi ab sofort als Teamleiter ausrücken – immer zwei werden zeitgleich Dienst haben. Im Pool befinden sich 22 Helferinnen und Helfer, einige von der Feuerwehr, aber auch Externe, darunter Berufssanitäter. „Für den dauerhaften Betrieb brauchen wir eine gute Stamm-Mannschaft von mindestens 20“, sagt Jürgen Seiermann. Denn: „Es soll was Langfristiges sein“ und kein kurzer Modellversuch.
Der Weg bis zum jetzigen Status war durchaus beschwerlich. Die Integrierte Leitstelle in Ansbach und Vertreter des Rettungszweckverbandes für die Landkreise Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Ansbach sowie die Stadt Ansbach haben die Burghaslacher Pläne mit viel Wohlwollen aufgenommen, berichten Seiermann und Schorr von einem Treffen in Ansbach. Jedoch habe eine Stellungnahme von Kreisbrandrat Alfred Tilz für Verwunderung gesorgt.
Er hatte das Engagement der Feuerwehr darin zwar grundsätzlich sehr begrüßt, ist aber der Meinung, dass das Projekt die dauerhafte Einsatzbereitschaft der Burghaslacher Wehr lahmlegen könnte. Hier im Feuerwehrhaus teilt diese Sorgen niemand – und auch sonst nicht. Bürgermeister Armin Luther habe darauf ganz cool reagiert wie auch die Ansbacher Verantwortlichen. Die Stellungnahme von Tilz bringt das Projekt also nicht ins Wanken.
So üben die First Responder weiter und bilden sich fort. Thema an diesem Mittwochabend: Blaulicht und Martinshorn – Sonderrechte und Wegerecht. Kommandant Christoph Schorr mahnt zur Vorsicht – niemand dürfe gefährdet werden. Diskutiert wird, ob man wirklich für jeden Einsatz Martinshorn braucht – auch nachts um 3 Uhr durch die Siedlung? Der Kommandant plädiert diesbezüglich für „gesunden Menschenverstand“. Eine kleine Einführung in den Funk folgt. Interessierte Fragen, sachliche Antworten, Harmonie.
Anfangs wird der First-Responder-Betrieb über die Gemeinde und Spenden finanziert, später soll aber ein Förderverein nach Uehlfelder Vorbild gegründet werden. Zweck dieses Vereins wird es sein, die laufenden Kosten wie Ausrüstung, Kraftstoff, Ausbildung, Material und so weiter zu decken.
„Florian Burghaslach First Responder“ wird der Rufname der neuen Einheit lauten – der zweiten im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim nach Uehlfeld. Das Mannschaftsfahrzeug ist bereits zum notfallmedizinischen Flaggschiff umgebaut, in einem halben Jahr wird dann ein neues ausgeliefert. Das Problem: Mit einem Gesamtgewicht von 4,25 Tonnen darf der spätere Neuzugang mit dem normalen B-Führerschein nicht mehr gefahren werden.
So manche Burghaslacher Einsatzkraft wird also einen Feuerwehrführerschein machen müssen. Diese Botschaft wird allerdings entspannt entgegengenommen – und noch gibt es Hoffnung: Die EU-Führerscheinrichtlinie wird derzeit überarbeitet und womöglich wird in diesem Zuge das Gewichtslimit erhöht.
Ab dem 15. Februar soll der First-Responder-Betrieb dann mit der Probephase starten. Vorerst wird das Einsatzgebiet die Gemeinde Burghaslach umfassen – „von der Esso-Tankstelle bis Seitenbuch, von Breitenlohe bis knapp Wasserberndorf“, verdeutlicht Seiermann. „Die A3 ist außen vor.“
Da die Integrierte Leitstelle komplett vernetzt ist, kann aber niemand garantieren, dass die Ersthelferinnen und Ersthelfer nicht auch einmal die Gemeindegrenzen verlassen müssen. „Markt Taschendorf, Hombeer ist da so ein typisches Beispiel“, sagt Schorr. „Das lässt sich nicht anders einstellen“ und dem wird sich auch niemand verschließen.
Die Einsatzbereitschaft der Gruppe wird in der Regel montags bis donnerstags von 19 bis 5 Uhr sein, sowie an den Wochenenden von Freitag, 19 Uhr, bis Montag, 5 Uhr. Entsprechend wird ein Schichtplan erstellt, so Seiermann. Ein Jahr Probebetrieb wird es vorerst geben, bis Bilanz gezogen wird. Der nichtärztliche Leiter aber blickt optimistisch in die Zukunft. Bis dahin – und auch darüber hinaus – heißt es: „Üben, üben, üben.“