Nein, ein Sitzplatz war an diesem Nachmittag in der Uffenheimer Stadthalle nicht garantiert. Das Bündnis gegen Rechtsextremismus hatte zur Podiumsdiskussion mit den vier Kandidatinnen und Kandidaten für den Bürgermeisterposten geladen – und viele, viele Menschen kamen. Am Ende gab es vor allem einen Sieger: die Demokratie.
„Wir haben eine echte Wahl in zwei Wochen”, sagte Dekan Max von Egidy vom Veranstalter, dem Uffenheimer Bündnis gegen Rechtsextremismus. Mit „Wir“ meinte der Dekan die Uffenheimerinnen und Uffenheimer. Denn die haben am 8. März tatsächlich die viel zitierte Qual der Wahl. Gleich ein Quartett ist fürs Bürgermeisteramt wählbar. Doch vorher stellten sich die beiden Kandidatinnen und die beiden Kandidaten dem Quadrell, moderiert vom Leiter der Fränkischen Landeszeitung im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, Patrick Lauer.
Die potenziellen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in spe reisten dabei durch einen bunten Themenmix. Uffenheimer Altstadt. Das liebe Geld. Der Klimawandel. In der Diskussion blieb es stets sachlich, jede und jeder konnte für sich Punkte sammeln. Und dem Vernehmen nach half die Veranstaltung den noch Unentschlossenen weiter. Patrick Lauer sprach für Uffenheim von einer „privilegierten Situation”. Und dass dann auch noch rund zehn Prozent der Bevölkerung in der Stadthalle vorbeischauten, das brachte ihn regelrecht ins Schwärmen: „Ich wünschte, die Demokratie wäre überall so stabil wie hier.”
Gerade begonnen, steuerte die Debatte das wohl wichtigste Thema Uffenheims an: das Geld. Oder wie Lauer präzisierte: „das fehlende Geld”. Anna-Lena Langmann-Göller (FWG) sagte dazu klar: Stillstand sei keine Lösung. Um die Einnahmen zu stärken, seien Gewerbeansiedlungen nötig – und neues Bauland. Bei Letzterem plädierte sie dafür, möglichst viel seitens der Stadt abzugeben und beispielsweise für neue Baugebiete einen privatwirtschaftlichen „Bauherrn auf Zeit” einzusetzen.
Amtsinhaber Wolfgang Lampe (SPD) machte klar, dass sich die Bürgerinnen und Bürger keine Sorgen machen müssten. Aber ja: Einsparungen seien nötig. Sechs Konsolidierungsrunden habe es gegeben, jeder Punkt, jede Rechnung seien angeschaut worden. Potenzial gebe es auch nur bei den freiwilligen Aufgaben: Freibad, Bücherei. Eine Schließung komme aber nicht infrage, waren sich alle einig, höchstens geänderte Öffnungszeiten. Eher sollten neue Maßnahmen verschoben oder gestrichen werden, fand Lampe.
Thomas Schmitt (Bürgerliste) erinnerte an die fehlenden 300.000 Euro im Haushalt. „Man muss einfach die Realität sehen.” Konkret hatte er die 30.000 Euro jährlich für Blumenschmuck im Visier oder Einsparungen bei den „tollen Empfängen” der Stadt, bei denen Hunderte Menschen mit einem kostenlosen Mittagessen verköstigt werden. Lampe erinnerte allerdings daran, dass beim Blumenschmuck auch Vereinsarbeit dahinterstehe und vor allem auch die Ehrenamtlichen an Walpurgi gratis essen dürften, als Anerkennung. Entsprechend betonte auch Langmann-Göller: „Ich fände es absolut nicht gut, das wegzustreichen.”
Yvonne Hirsch (Grüne) setzte auf andere Schwerpunkte, um Einnahmen zu generieren: Durch Naturschutz könnten künftige hohe Ausgaben durch Prävention verhindert werden, und der Tourismus müsse angekurbelt werden. Denn: „Touristen lassen Geld da.” Außerdem sei es verpasst worden, ein zweites städtisches Windrad zu bauen. Ja, das bedeutet erst einmal eine hohe Investition, dafür aber stabile Einnahmen.
Hirsch sah auch eine Lösung darin, auf Solidarität zu setzen und Bürgerinnen und Bürger verstärkt ins Boot zu holen, damit diese „mit anpacken”. Auf den Dörfern funktioniere das gut, in der Stadt sei es ausbaufähig. Eine spontane Umfrage von Patrick Lauer im Publikum zeigte: So mancher wäre tatsächlich bereit, etwa beim Frühjahrsputz im Freibad mitzuhelfen. Ob diese dann aber auch wirklich auf der Matte stehen würden?
Das finanzielle Thema sei alles andere als einfach, betonte Schmitt nochmals. „Wenn es ganz einfache Potenziale geben würde, dann hätte der Stadtrat das schon gemacht.” An der Lebensqualität der Uffenheimerinnen und Uffenheimer zu kürzen, das sah er aber nicht ein. Das Freibad dürfe nicht zur Diskussion stehen – und tue es auch nicht.
Generell wollen alle Kandidatinnen und Kandidaten verstärkt auf Bürgerbeteiligung setzen. Wolfgang Lampe dämpfte die Erwartungen jedoch: Beim städtischen Entwicklungskonzept und bei einer Befragung der Jugend habe sich das Interesse sehr in Grenzen gehalten. In Kooperation mit einer Universität habe man ein Jugendkonzept erarbeiten wollen, Straßenumfragen gemacht und aufwendig geworben. Letztlich seien trotzdem nur wenige zum Workshop gekommen.
Wurde dann für Kinder und Jugendliche genug getan? Langmann-Göller hielt die vorhandenen Ansätze für gut: Mitsprache durch den Stadtjugendrat, nur der Grillplatz lasse bis heute auf sich warten. Warum? „Letztendlich ist er an den Auflagen gescheitert”, betonte Lampe. Er sieht aber Chancen, sollte der Jugendtreff vom jetzigen „Juff” in den angedachten neuen Standort ziehen, dort eine Freiluft-Lösung zu finden, auch für Grillabende. Hirsch sah generell in der Bürokratie einen Hemmschuh, Kleinigkeiten zögen sich deshalb über Jahre.
Thomas Schmitt aber nimmt die Stadt noch stärker in die Verantwortung. Zuvor hätte vor allem die evangelische Jugendarbeit diese Lücke ausgefüllt, doch auch die Kirchen gerieten unter Druck. „Deshalb muss die Stadt in die Bresche springen. Man kann da noch mehr machen.” Sein Rezept: „Jugendliche in Verantwortung bringen, dann bleiben sie.” Yvonne Hirsch würde sich für digitale Jugend-Informationen einsetzen, beispielsweise über eine spezielle App.
Ein ebenfalls großer Themenblock war die Entwicklung der Altstadt. „Der Handel stirbt mit jedem Klick”, betonte Schmitt. In den Köpfen müsse etwas passieren. Klar seien einige Artikel in Uffenheim womöglich ein paar Euro teurer, aber man müsse sich die Frage stellen: „Was hängt da mit dran?” Langmann-Göller sah keine Chance, jeden Leerstand auch wieder zu füllen, zählte als Möglichkeit hierfür aber Popup-Stores, also Übergangslösungen auf Zeit, oder Gastronomie auf. Auch neuer Wohnraum könnte womöglich geschaffen werden. All das wolle sie auch mit einem Wirtschaftsgipfel erreichen.
Ja, so ein Gipfel sei „eine schöne Sache”, sagte Lampe. Er selbst bespreche sich aber laufend mit dem Gewerbeverein und kläre die Frage: Wie lässt sich was verbessern? Hirsch betonte, dass die Innenstadt lebendiger werden müsse. Grüne Plätze bringt sie ins Spiel, mehr Schatten durch Bäume auch für heiße Sommertage, Trinkbrunnen, Wasserläufe und für die Kinder themenbezogene Spielgeräte, etwa zur Feuerwehr oder zu Dinosauriern. Und auch Co-Working-Spaces könnten Publikumsverkehr schaffen: Wieso nicht Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer stundenweise anmieten können?
Das alles könnte dann auch Touristinnen und Touristen verstärkt anlocken, schließlich, und das betonten alle gerne, habe Uffenheim viele Pfunde, womit sich wuchern lässt. Schmitt will für die Stadt eine eigene Marke etablieren, einen „roten Faden” fürs Marketing finden. Und Lampe könnte sich mehr Camping-Kapazitäten gut vorstellen, schließlich sei der jetzige Campingplatz im Sommer oftmals überfüllt. Langmann-Göller plant, die gesamte Region mitzunehmen: die Weinwanderwelt, die Rad- und Wanderwege. Doch eines betont sie auch: „Wir sind kein zweites Rothenburg, wir sind ein authentisches Uffenheim.”