Bohrer bringt Geheimnisse im Römerpark ans Licht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.02.2023 12:27

Bohrer bringt Geheimnisse im Römerpark ans Licht

Mit einem Spezialbohrer zogen Wissenschaftler im Römerpark Ruffenhofen Bodenproben. (Foto: Matthias Pausch)
Mit einem Spezialbohrer zogen Wissenschaftler im Römerpark Ruffenhofen Bodenproben. (Foto: Matthias Pausch)
Mit einem Spezialbohrer zogen Wissenschaftler im Römerpark Ruffenhofen Bodenproben. (Foto: Matthias Pausch)

Im Verborgenen liegen die Überreste des Römerkastells Ruffenhofen am Hesselberg. Das soll auch so bleiben, um die Relikte zu schützen. Trotzdem wollen Archäologen Erkenntnisse über das Leben im Limeskastell ans Tageslicht holen. Dafür setzen sie moderne Technik ein. So war jetzt ein neu entwickelter Spezialbohrer im Einsatz.

Federführend bei der Erforschung des Römerparks im Landkreis Ansbach ist die Römisch-Germanische Kommission (RGK) aus Frankfurt. Für die Forschenden ist das Bodendenkmal ein länger angelegtes Projekt. Bei ihrer Arbeit versuchen sie, größere Eingriffe zu vermeiden. Seit 2021 ist regelmäßig die Frankfurter Projektleiterin Dr. Sandra Schröer vor Ort.

Bodenproben aus dem Welterbe-Areal gezogen

Unter ihrer Federführung wurden weite Teile des Welterbe-Areals untersucht. Im Einsatz war bereits vor einiger Zeit ein spezielles Quad, mit dem die Geomagnetik des Geländes schneller erfasst und dabei noch deutlichere Messergebnisse erzielt wurden, erklärt der Leiter des Römerparks, Dr. Matthias Pausch. Diese Voruntersuchungen waren Voraussetzung für Bohrungen mit der Rammkern-Sonde.

Dabei wird an archäologisch besonders interessanten Stellen gearbeitet. Die entnommenen Bodenproben werden im Labor der RGK archäologisch und chemisch analysiert. Dazu gehört laut Pausch eine nähere Bearbeitung der einzelnen Bodenschichten, insbesondere aus der Römerzeit.

Den vermutlich ältesten Kirschkern Frankens gefunden

In der Vergangenheit wurde beispielsweise ein römischer Brunnen „angezapft“, in dem sich „sensationelle Pflanzenreste der Römerzeit erhalten haben“, erläutert Pausch, „darunter ein Kirschkern“. Da von römischen Anlagen im heutigen Franken kein weiterer Kirschkern bekannt sei und erst Römer diese Frucht in die Region gebracht hätten, könne das Limeseum „mit Fug und Recht behaupten, den ältesten Kirschkern Frankens“ aufzubewahren.

Um die Handarbeit künftig zu erleichtern, wurde bei der RGK ein Spezialgefährt in Abstimmung mit Fachfirmen entwickelt, bei dem der Bohrvorgang stärker automatisiert ist. An einem Quad sind Bohr- und Ziehgerät vereint, die Probenentnahme ist in wenigen Minuten möglich. Das neue Gerät wurde erstmals auf dem Gelände in Ruffenhofen eingesetzt. Das war laut Pausch auch ein Test, denn es soll nun für eine mehrwöchige Kampagne nach Moldavien.

Verbindung zum Hadrianswall in Britannien

Auch die Sprecherin des Wissenschaftlichen Beirats von Ruffenhofen, Dr. Gabriele Rasbach, und die von der Universität Edinburgh in Schottland angereiste Dr. Tanja Romankiewicz hätten sich über die Bohrungen informiert. Letztere forscht zum römischen Rasensodenbau am Antoniuswall und am Hadrianswall im Norden Britanniens. Die Verbindung ist laut Pausch interessant, da wahrscheinlich die ursprünglich in Vindolanda am Hadrianswall stationierte Bataver-Truppe später in Ruffenhofen lag.

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