Ausgabe in Neustadt: Streit um Aischgründer Tafel beigelegt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.10.2023 14:00

Ausgabe in Neustadt: Streit um Aischgründer Tafel beigelegt

In den Schaufenstern der Ausgabestelle der Aischgründer Tafel in der Wilhelmstraße hat ein Dietersheimer Autohaus Werbebanner platziert. Für deren Gestaltung fand sich im Stadtrat nun ein Kompromiss. (Foto: Anita Dlugoß)
In den Schaufenstern der Ausgabestelle der Aischgründer Tafel in der Wilhelmstraße hat ein Dietersheimer Autohaus Werbebanner platziert. Für deren Gestaltung fand sich im Stadtrat nun ein Kompromiss. (Foto: Anita Dlugoß)
In den Schaufenstern der Ausgabestelle der Aischgründer Tafel in der Wilhelmstraße hat ein Dietersheimer Autohaus Werbebanner platziert. Für deren Gestaltung fand sich im Stadtrat nun ein Kompromiss. (Foto: Anita Dlugoß)

Der Streit zwischen dem Neustädter Stadtrat und dem Vorsitzenden der Aischgründer Tafel „Iss was“, Thomas Nicol, scheint beigelegt. Mit dem klaren Votum von 19 gegen zwei Stimmen beschloss der Rat in seiner jüngsten Sitzung, die Schaufensterwerbung in der Ausgabestelle der Tafel in der Wilhelmstraße zuzulassen. Allerdings in abgespeckter Form.

In einer September-Sitzung hatte das Gremium dieses Ansinnen der Tafel noch abgelehnt. Grund: Die Form und Größe der Werbeanlagen passe nicht zum Ortsbild der Neustädter Einkaufsmeile und widerspreche zudem diametral den geltenden Gestaltungsrichtlinien.

Harte Vorwürfe gegenüber Bürgermeister Meier

Thomas Nicol hatte Bürgermeister Klaus Meier und dem Rat daraufhin vorgeworfen, die Ausgabestelle in der Wilhelmstraße auf diesem Weg abstrafen zu wollen. Die Stadt habe diese zentrale Lage nie gewollt. Offenbar – so Nicols Andeutung – versuche man den bedürftigen Teil der Bevölkerung, der die Hilfe der Tafel benötigt, vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen – ein indirekter Vorwurf, dessen Wahrheitsgehalt Bürgermeister Klaus Meier gegenüber der Redaktion energisch bestritten hatte.

All dies war in der neuerlichen Debatte kaum noch Thema. Beide Seiten waren offenbar bereits im Vorfeld der Sitzung aufeinander zugegangen, ein Kompromiss wurde ausgelotet und letztlich erfolgreich auf den Weg gebracht. Wie Bauamtsleiter Gerald Schorr erklärte, würden die Werbebanner, für denen Anbringung ein Dietersheimer Autohaus einen gewissen Obulus an die Tafel bezahlt, von acht auf etwa dreieinhalb Quadratmeter reduziert. Darüber hinaus sei die neue Sichtschutz-Gestaltung für die Tafelklienten „farblich deutlich dezenter“ als die ursprüngliche Version.

Kurzer Schlagabtausch zu Wahlkreisbüro der CSU

Im Zuge der kurzen Aussprache kam es trotz erkennbarer Kompromissbereitschaft aller Anwesenden zu einem kleinen Schlagabtausch zwischen Heike Gareis (SPD) und Christian Köstner (CSU).

Während Letztgenannter darauf verwies, dass die Genehmigung mit Blick auf die Gestaltungssatzung „objektiv betrachtet ursprünglich einfach nicht möglich“ gewesen sei und es dann auch „egal ist, wer den Antrag stellt“, verwies die dritte Bürgermeisterin auf das Wahlkreisbüro der Christsozialen, das seit einiger Zeit ebenfalls in der Wilhelmstraße residiert. Dessen Schaufenstergestaltung sei auch nicht viel ansprechender. Zudem finanziere sich die Tafel auch ein Stück weit über diese Werbebanner.

Köstner wiederum fragte daraufhin laut nach, was das eine mit dem anderen und was er denn bitteschön mit dem Wahlkreisbüro zu tun habe – ein eher fruchtloses Intermezzo, das ebenso schnell beendet wurde, wie es begonnen hatte.

Die beiden verbliebenen Gegenstimmen übrigens kamen von Jürgen Brenner und Richard Cesinger (beide SPD-Fraktion), die allerdings keine Erklärungen für ihr Abstimmungsverhalten abgaben.

Knappe Ablehnung für Wohnhaus-Bau

Deutlich umstrittener als die „Tafel-Entscheidung“ gestaltete sich dann ein Antrag auf Errichtung eines Wohnhauses in der Straße An den Weinbergen. Wie Bauamtsleiter Gerald Schorr einleitend erklärte, sei der betreffende Bereich zwischen den Hausnummer 19 und 27a zwar grundsätzlich als Wohnbaufläche ausgewiesen, doch zum einen sei die leitungstechnische Erschließung nicht ganz einfach, zum anderen auch die Belastbarkeit der zuführenden Straße nicht mehr allzu hoch.

Hinzu komme, dass das Areal von Büschen und Bäumen fast vollständig bewachsen sei. Allerdings – und auch das betonte Schorr – sei das Vorhaben ganz im Sinne des Prinzips „Innen statt außen“, denn es handele sich im klassischen Sinn um eine Nachverdichtung im Bestand.

Abgelehnt wurde das Projekt trotzdem. Richard Cesinger (SPD) monierte das fehlende Erschließungskonzept, sein Parteigenosse Manfred Dietlein hatte Bedenken wegen der zuführenden Straße und Günter Leidenberger (Grüne) betonte den dortigen „sehr wertvollen Baum- und Buschbestand“. Seitens der Freien Wähler sprach Reinhard Wendel von überwindbaren Hindernissen und rückte das Thema „echte Baulücke“ in den Vordergrund, was auch Heike Gareis so sah. Nur die fehlende Infrastruktur, „die uns nicht so gefällt“, sei doch eigentlich kein Grund, solch ein Projekt abzulehnen.

Die Mehrheit – wenngleich nur knapp – sah dies anders. Mit 13 gegen zehn Stimmen wurde der Antrag abgelehnt.

Achtfamilienwohnhaus wurde genehmigt

Nur eine einzige Gegenstimme gab es hingegen für ein Achtfamilienwohnhaus in der Schlesienstraße. Zwei Regelgeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss sollen dort entstehen, eine kleine Überschreitung der Baufenster sei aus Sicht der Verwaltung hinnehmbar, erklärte Gerald Schorr. Wilfried Westhauser (CSU) sah den Aspekt der Nachverdichtung hier als vorbildlich gegeben. Einzig Günter Leidenberger verweigerte aus Geschmacksgründen („Eine Bausünde, die Schatten auf die Nachbargrundstücke wirft“) seine Zustimmung – der Rest des Gremiums winkte den Antrag durch.


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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