Augenaufschlag mit „Wow!“-Effekt gewünscht? Dafür hat die Kosmetikindustrie einige Produkte zu bieten. Wimpernseren zum Beispiel. Man trägt sie meist einmal täglich auf den Wimpernkranz auf - und soll nach einigen Wochen mit dunkleren, längeren und vollen Wimpern gesegnet sein.
Die Produkte setzen auf unterschiedliche Inhaltsstoffe. Besonders wirksam sind Seren, die sogenannte Prostaglandine enthalten, wie der Augenarzt Prof. Norbert Pfeiffer sagt. Er ist Mitglied im Vorstand der Stiftung Auge.
Diese hormonähnlichen Botenstoffe regen nicht nur das Haarwachstum an, sondern sorgen auch dafür, dass sich der Farbstoff Melanin verstärkt in den Wimpern einlagert. Kurz: Sie werden dunkler, dichter und länger.
Augentropfen mit Prostaglandinen werden übrigens seit den 1990er-Jahren genutzt, um Glaukom-Erkrankungen zu behandeln. Mit der Zeit fiel auf, dass die Medikamente auch das Wachstum der Wimpern ankurbeln. So entwickelte die Kosmetikindustrie Seren, die genau darauf setzen.
Wer sie benutzt, kann sich aber - wie bei Augentropfen gegen Glaukom auch - unerwünschte Nebenwirkungen einkaufen. „Man muss also wissen, worauf man sich einlässt, wenn man solche Wimpernseren verwendet“, sagt Norbert Pfeiffer.
Denn das Serum bleibt meist nicht nur auf dem Wimpernkranz, sondern findet den Weg ins Auge und auf die Haut, die es umgibt. Mögliche Folgen sind dann:
Dazu kommt: Nicht immer entspricht das Wimpern-Ergebnis den eigenen Erwartungen. „Die Wimpern ändern beim Wachsen manchmal die Richtung und können lockig werden“, sagt der Facharzt.
Wer diese Nebenwirkungen nicht riskieren will, verzichtet besser auf Wimpernseren mit Prostaglandinen. Pfeiffer rät Schwangeren und Stillenden sicherheitshalber generell davon ab, solche Produkte zu verwenden.
Ob Prostaglandine in einem Serum enthalten sind, ist allerdings nicht immer leicht zu erkennen. Pfeiffer rät, beim Blick auf die Inhaltsstoffliste nach dem Wortbestandteil „Prost-“ zu suchen - das kann den entscheidenden Hinweis liefern. Übrigens: In einigen Ländern, Kanada zum Beispiel, sind Wimpernseren mit Prostaglandinen mittlerweile sogar verboten.
Produkte mit Erdnuss- oder Rizinusöl wirken zwar nicht so stark wie Seren mit Prostaglandinen. Doch auch sie können das Haarwachstum anregen, so Norbert Pfeiffer. Und sie bringen weniger Nebenwirkungen mit sich, reizen zum Beispiel das Auge nicht. Allerdings kann das Öl ins Auge hereinkriechen, sodass man vorübergehend etwas verschwommen sieht.
Es gibt auch Wimpernseren, die auf verschiedene Vitamine und Koffein setzen. Bei ihnen fehlen dem Augenarzt zufolge oft gute Belege für die Wirksamkeit. „Sie können den Wimpern aber mehr Glanz geben.“
© dpa-infocom, dpa:260702-930-321949/1