Augen auf und Fuß vom Gas - es wird wild auf den Straßen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.03.2026 00:07

Augen auf und Fuß vom Gas - es wird wild auf den Straßen

Noch ist es ganz idyllisch - doch wehe, Wild will die Straßenseite wechseln und Autofahrer können nicht mehr rechtzeitig reagieren. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn)
Noch ist es ganz idyllisch - doch wehe, Wild will die Straßenseite wechseln und Autofahrer können nicht mehr rechtzeitig reagieren. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn)
Noch ist es ganz idyllisch - doch wehe, Wild will die Straßenseite wechseln und Autofahrer können nicht mehr rechtzeitig reagieren. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn)

Wer hat an der Uhr gedreht? Nun, solange die Sommerzeit nicht wirklich abgeschafft wurde: wir selbst - mindestens zweimal im Jahr. Doch das Vorstellen der Uhr um eine Stunde auf die Sommerzeit (in der Nacht vom 28. auf den 29. März) hat direkte Folgen. Na klar, es ist sofort später. Doch manche Menschen reagieren empfindlich darauf. Denn die Zeitumstellung soll durchaus wie ein Mini-Jetlag auf den Körper wirken können. Bei Ihnen nicht? Gut, aber es gibt noch andere Probleme - etwa im Verkehr.

Denn ein Teil des morgendlichen Berufsverkehrs fällt für Wochen wieder in die Dämmerung. Damit steigt die Gefahr von Wildunfällen, warnt etwa der Deutsche Jagdverband (DJV). Speziell für Rehe ist das die aktivste Zeit. Aber auch Füchse, Waschbären, Feldhasen und Co sind in der Dämmerung unterwegs und kreuzen dabei auch die Verkehrswege der Menschen. 

Auch in der Abenddämmerung ist mit Wildwechsel zu rechnen. Die Zeitumstellung erhöht zwar die Gefahr für die kommenden Wochen, sie ist aber nur ein Grund dafür.

Warum steigt die Gefahr von Wildunfällen im Frühling wieder?

Nach der winterlichen Fastenzeit gehen gerade Pflanzenfresser ganz verstärkt auf Futtersuche. So wechseln die Tiere quasi von ihrem Schlafzimmer ins Esszimmer, bemüht DJV-Pressesprecher und Jäger Torsten Reinwald ein einprägsames Bild. Rehe etwa legen vier bis sechs Fresspausen am Tag ein und kreuzen bei der Futtersuche auch viele Straßen.

Auch beginnen bei Rehböcken die Revierkämpfe. So verteidigen diese im Frühling ihr Revier gegen Kontrahenten. Dabei werden geschlechtsreife einjährige Böcke vertrieben und müssen sich neue Orte suchen - Biologieexkurs Ende. 

Aber daher passieren aufs Jahr gesehen die meisten Unfälle mit Rehen im April und Mai. Am gefährlichsten für die genannten Aktivitäten ist hauptsächlich die Zeit von 6.00 bis 8.00 Uhr und von 21.00 bis 23.00 Uhr. 

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beobachtet generell besonders im Herbst ein erhöhtes Unfallrisiko durch Wildwechsel, doch auch in den Monaten April und Mai steige die Gefahr nochmals deutlich an. Also, es wird wild - wie kann es sicherer werden?

Wie lässt sich die Gefahr von Wildunfällen reduzieren?

  • Fuß vom Gas: Speziell in der Dämmerung und auf Straßen, die an unübersichtlichen Wald- und Feldrändern entlangführen, ist: Wachsamkeit erhöhen und das Tempo reduzierten. Das gilt speziell auf Abschnitten, wo entsprechende Schilder vor Wildwechsel warnen. Als Beispiel: Wer mit Tempo 80 statt 100 durch den Wald fährt, verkürzt im Ernstfall den Bremsweg schon um 25 Meter.
  • Auf neuen Strecken besonders wachsam sein: Da, wo neue Straßen durch Wälder und an Waldrändern entlangführen, kann es besonders heikel werden. Denn die Tiere nutzen weiterhin ihre bislang gewohnten Routen.
  • Nicht ausweichen: Tauchen Tiere am Rand der Straße auf: Abblenden, hupen und bremsen – bei Bedarf voll bremsen aber nicht riskant ausweichen. 
  • Ein Aufprall mit dem Tier verläuft meist glimpflicher als ein misslungenes Ausweichmanöver. Das kann nämlich am Baum, im Graben oder im Gegenverkehr schlimmstenfalls tödlich enden.
  • Mit Nachzüglern rechnen: Immer auch mit weiteren rechnen, wenn bereits einzelne Tiere am Straßenrand auftauchen.

Das müssen Sie nach einem Wildunfall tun

  • Unfallstelle sichern: Warnblinker anschalten, die Warnweste überstreifen und das Warndreieck aufstellen – und immer die Polizei unter 110 anrufen. Gibt es Verletzte, die über den Notruf 112 melden und Erste Hilfe leisten. Die Polizei informiert auch den zuständigen Jäger.
  • Tiere nicht direkt anfassen: Tote Tiere zum Schutz vor Infektionen mit Krankheiten nur mit Handschuhen anfassen, aber Abstand halten zu lebenden Tieren. Die könnten austreten und so für Verletzungen sorgen. Das Bergen ist in der Regel Aufgabe des zuständigen Försters oder Jagdpächters. 
  • Wild nie ins Auto laden, das gilt als Wilderei und ist strafbar. Das gilt auch für vermeintlich wohlmeinende Gründe, etwa ein verletztes Tier zum Tierarzt bringen zu wollen.
  • Geflohene Tiere melden: Auch wenn das Tier entkommen ist, diesen Umstand ebenfalls melden, denn so kann ein Jäger das verletze Tier leichter finden.
  • Unfall bescheinigen lassen: Die Wildunfallbescheinigung von Jäger oder Polizei ausstellen lassen, um sie einer abgeschlossenen Teil- oder Vollkaskoversicherung vorlegen zu können. Hilfreich: Fotos vom Unfallort, dem Tier und dem Schaden machen und diesen nicht beseitigen lassen, bevor die Versicherung kontaktiert wurde.

Dieser Versicherungsschutz kann Wildunfälle abdecken

Wer eine Voll- beziehungsweise Teilkaskoversicherung abgeschlossen hat, kann Schäden am Auto, die Haarwild wie Rehe und Wildschweine verursacht haben, regulieren lassen. Vögel etwa sind nicht überall inbegriffen, so der GDV.

Einige Policen bieten daher Schutz für Unfälle mit weiteren oder gar sämtlichen Tieren an. Auf den persönlichen Schadenfreiheitsrabatt habe ein Wildschaden keinen Einfluss. Daher einen Blick auf den eigenen oder gewünschten Tarif werfen. Eine Teilkasko ist automatisch Bestandteil einer Vollkasko.

Ohne Kaskoversicherung jedoch bleibt man nach einem Wildschaden auf den Kosten sitzen, nur die Kfz-Haftpflichtversicherung reicht nicht. Laut GDV verzichteten im Jahr 2024 rund 11 Prozent der Autofahrer auf den Schutz einer Kaskoversicherung. Nach einer Mitteilung zufolge zählten die deutschen Kfz-Versicherer im Jahr 2024 rund 276.000 Wildunfälle mit kaskoversicherten Pkw. Der durchschnittliche Schaden stieg von 3.850 Euro im Vorjahr auf 4.100 Euro.

Rehe bei fast jeder zweiten Unfallmeldung beim Tierfund-Kataster

Laut DJV-Auswertung sind bei rund jedem zweiten gemeldetem Wildunfall Rehe verwickelt. Jeder zehnte Unfall trifft Hase und Kaninchen, dicht gefolgt von Fuchs, Dachs, Marderhund und Waschbär. Ausgewertet wurden über 70.000 Daten aus dem Tierfund-Kataster.

Einen Wildunfall und tote Tiere entlang von Verkehrswegen kann man auch an das Tierfund-Kataster (www.tierfund-kataster.de) melden. Das ist ein Projekt der Jagdverbände und der Universität Kiel zur einheitlichen Erfassung von Wildunfällen. Das Melden geht auch via TFK-App (für Android und iPhone).

© dpa-infocom, dpa:260325-930-867349/1


Von dpa
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