LeseLust: Thomas Medicus sprach in Ansbach über Klaus Mann | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.04.2024 07:45

LeseLust: Thomas Medicus sprach in Ansbach über Klaus Mann

Stellte seine Klaus-Mann-Biographie vor: Thomas Medicus. (Foto: Thomas Wirth)
Stellte seine Klaus-Mann-Biographie vor: Thomas Medicus. (Foto: Thomas Wirth)
Stellte seine Klaus-Mann-Biographie vor: Thomas Medicus. (Foto: Thomas Wirth)

Die Manns, Thomas Mann und seine Familie, sie waren bei dieser LeseLust so präsent wie noch nie. Auf sie kam immer wieder die Rede; bei der letzten Lesung lag das in der Natur des Themas. Thomas Medicus stellte sein neues, fast noch druckfrisches Buch vor: „Klaus Mann. Ein Leben“. Es war die Premieren-Lesung.

Ein paar schnelle, lobende Rezensionen waren ihr schon vorausgeeilt. Bettina Baumann, die Leiterin der LeseLust, wies darauf hin. Sie moderierte die Matinee im Ansbacher Kunsthaus Reitbahn 3, brachte mit wohlüberlegten Fragen den Autor zum Reden und durfte sich darüber freuen, dass es zum ersten Mal eine Buchpremiere bei der LeseLust gab.

Premiere einer Premiere

Vom Himmel fiel diese Premieren-Premiere nicht. Bettina Baumann hält Kontakt zu ihren LeseLust-Autoren. Thomas Medicus, der aus Gunzenhausen stammt und in Berlin lebt, war schon 2016 Gast der Literaturreihe und erhielt den Platen-Literatursonderpreis. Gern kam er wieder.

Dick ist seine Klaus-Mann-Biographie geworden, gut 500 Seiten stark. Weggelassen habe er trotzdem viel, gleichsam eine Schneise durch einen Amazonaswald geschlagen. Er hat das elegant getan und von einer heutigen Betrachterposition aus eine andere Sichtachse freigelegt.

Verblüffend moderne Aspekte

Für Thomas Medicus hieß das, mehr als den „antifaschistischen, intellektuellen Heros“ zu zeigen, von dem er natürlich auch in seinem Buch erzählt. Medicus arbeitet in seiner Biographie verblüffend moderne Aspekte heraus, die sich unter Schlagwörtern wie Queerness, Identitätspolitik oder mediale Selbstinszenierung einordnen lassen.

Klaus Mann setzte schon als 19-Jähriger alles daran, als Repräsentant der jungen Generation wahrgenommen zu werden. Was den Willen zur Repräsentation angeht, Medicus sprach davon, glich Klaus Mann seinem Vater. Anders als der lebte er seine Homosexualität offen aus. Und er schrieb den ersten deutschen Schwulenroman – sieben Kaspar-Hauser-Legenden übrigens auch.

Mitfühlende Distanz

Gespickt mit zeitgenössischen Zitaten lässt Medicus in seiner Biographie aus einer mitfühlenden Distanz heraus das Lebensbild eines Rastlosen entstehen, der nie eine eigene Wohnung besaß, der, ständig auf Reisen, in Hotels lebte, unfassbar produktiv war, aber auch süchtig nach schnellem Sex und Drogen, süchtig nach Glück in einem als unglücklich empfundenen Leben.

Aufgewachsen in einer berühmten und begüterten Intellektuellen-Familie, stand Klaus Mann zeitlebens im Schatten seines Vaters. Gerne hätte Medicus eben den in seiner Klaus-Mann-Biographie nur am Rande erwähnt, allein es wäre ihm unsinnig vorgekommen, weil die Verflechtungen zu eng waren. Klaus Mann, 42 Jahre alt, starb in Cannes am 21. Mai 1949 an einer Überdosis Schlaftabletten. Nur der jüngste Bruder kam zur Beerdigung.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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