Verkleiden mit Botschaft: die Politik beim Franken-Fasching | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.02.2026 18:24, aktualisiert am 06.02.2026 20:08

Verkleiden mit Botschaft: die Politik beim Franken-Fasching

Die Politprominenz freut sich auf die fränkische Prunksitzung. (Foto: Daniel Löb/dpa)
Die Politprominenz freut sich auf die fränkische Prunksitzung. (Foto: Daniel Löb/dpa)
Die Politprominenz freut sich auf die fränkische Prunksitzung. (Foto: Daniel Löb/dpa)

Schottischer Freiheitskampf, bayerischer Freiheitskampf? Oder einfach nur eine riesengroße Gaudi? Markus Söder weiß, dass es zu den spannendsten Fragen vor der Prunksitzung „Fastnacht in Franken“ gehört, in welches Kostüm er schlüpft.

Dieses Jahr ist der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef als „Braveheart“ nach Veitshöchheim gekommen. Durch diese Filmfigur wurde der schottische Widerstandskämpfer William Wallace auch außerhalb Großbritanniens bekannt. Auf dem roten Teppich schwang er für die Fotografen das Schwert - eine Kampfansage Richtung Berlin? 

„Ein bisschen wie Bayern und Berlin“ beschrieb Söder seine Hintergedanken für die Kostümierung - professionell angelegt vom Maskenbildner Dirk Hirsch in der Maske des Staatstheaters Nürnberg. 

Um Freiheitsrechte anderer Art ging es Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), die in die Rolle einer Kämpferin fürs Frauenwahlrecht geschlüpft war: „Votes for women“ prangte auf einer Schärpe, dazu hielt sie das passende Schild in die Kameras. Inspiriert worden sei sie von der Kampagne „Bavaria ruft“, sagte sie, die mehr Frauen für eine Kandidatur in der Politik motivieren wolle.

Dorothee Bär, eine Rakete

Türkise Augenlider, ein Netz mit Fischen in der Hand und eine große Perlenkette um den Hals: Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) wollte mit ihrem Kostüm auf die Weltmeere aufmerksam machen. Schließlich sei auch für Meeresforschung zuständig, merkte sie an. 

Vor einer Woche, als Bär in Aachen den karnevalistischen Orden wider den tierischen Ernst erhalten hatte, glänzte sie noch im silberfarbenen Kleid zum Thema Raumfahrt. Wäre da nicht eigentlich eine Verkleidung als Rakete im fränkischen Fasching folgerichtig gewesen? Diese Frage beantwortete Bärs Mann Oliver, Landrat im oberfränkischen Hof: „Meine Frau ist eine“, deshalb müsse sie sich nicht zwingend noch als Rakete verkleiden.

Katharina Schulze und der Meerjungfrauen-Traum

Konkurrenz bei der Begeisterung fürs Meer bekam Dorothee Bär indes von Katharina Schulze, Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag: Als Meerjungfrau Arielle wirkte sie wie direkt dem Disney-Film entsprungen. „Ganz ehrlich? Ich wollte schon immer mal eine Meerjungfrau sein“, verriet sie. Doch eine politische Botschaft ließ sich auch hierbei unterbringen. Die Meere müssten schließlich geschützt werden, appellierte sie.

In die Rolle des legendären Modeschöpfers Karl Lagerfeld schlüpfte CSU-Generalsekretär Martin Huber, erkennbar war er einzig am CSU-Schriftzug auf dem Fächer. Seine Frau glänzte als Vogue-Chefin Anna Wintour mit ikonischer Sonnenbrille und strenger Bobfrisur. 

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) stürzte sich als „Pelztierjäger“ oder „Trapper“ ins Faschingsgetümmel. Sein Parteikollege, Digitalminister Fabian Mehring, hatte auch eine politische Botschaft im Gepäck: Als Ritter „der digitalen Souveränität“ sei er unterwegs. Und eine Rüstung könne in der aktuellen Lage ja nie schaden.

Im pinken Aerobic-Outfit warb Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) für - na klar - mehr Sport und Bewegung. Und Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) schwebte als „schwarzer Engel“ über den roten Teppich, um zu zeigen, wie sie kämpfe - „für Bildungsgerechtigkeit“.

Dobrindt mit Banane als Waffenersatz

Wenn andere sich jedes Jahr den Kopf übers Kostüm zerbrechen, kann sich Innenminister Joachim Herrmann (CSU) entspannt zurücklehnen - schon seit Jahren kommt er als „schwarzer Sheriff“ nach Veitshöchheim. Es müsse ja ein bisschen Tradition geben, sagte er schmunzelnd dem BR. So lange er Innenminister sei, werde er als Sheriff gehen. Seine Frau mag es etwas abwechslungsreicher - sie verkleidete sich als Schneemann, passend zum winterlichen Wetter in Erlangen, der Heimat der Herrmanns.

Der Innenminister auf Bundesebene, Alexander Dobrindt (CSU), schlüpfte ins Lucky-Luke-Kostüm - inklusive Haartolle und einer echten Banane als Waffenersatz.

© dpa-infocom, dpa:260206-930-653673/3


Von dpa
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