Während der Pandemie waren sie gefragte Helfer, nun leiden sie selbst: Personalmangel, ausufernde Bürokratie und der Kostendruck sind dafür verantwortlich, dass immer mehr Apotheken ihren Dienst einstellen. Beim bundesweiten Protesttag der Apotheker gingen zahlreiche Vertreter der Branche aus der Stadt und dem Landkreis in Ansbach auf die Straße. Vielerorts blieben die Apotheken geschlossen.
Auf den Schildern, die nicht wenige der etwa 100 Protestteilnehmer hochhielten, standen Begriffe wie „Krankenkassen-Willkür“, auch die „Sparpolitik der Regierung“ wurde angeprangert, genauso wie „mangelnde Wertschätzung“ der Arbeit des ganzen Berufsstandes.
Der Ort der Kundgebung im Herzen Ansbachs in unmittelbarer Nähe der Gumbertuskirche war gut gewählt: Hier hatte die Hofapotheke der Markgrafen einst ihr Laboratorium, und hier wurde nun gegen das Apotheken-Sterben als Auswirkung der Missstände protestiert.
„Alle 16 Stunden schließt eine Apotheke in Deutschland. Es gab in den letzten 40 Jahren nie so wenige Apotheken wie heute in Deutschland“, zeichnete Tanja Franz, selbst Apothekeninhaberin in Ansbach-Eyb und Sprecherin für Stadt und Landkreis Ansbach, ein düsteres Bild.
Eine wohnortnahe Versorgung ist so in der Praxis immer weniger zu gewährleisten. Das einst dichte Netz an Apotheken ist bereits erheblich ausgedünnt, bestätigten viele Teilnehmer. Die Folgen würden die Verbraucher spüren. „Es macht sicher keinen Spaß, mit seinem kranken Kind 40 Kilometer durch den Landkreis zu fahren, um Fiebersaft zu bekommen“, schilderte Franz mögliche Auswirkungen. „Inzwischen ist es leichter, angereichertes Uran zu bekommen“ als so manche Medikamente, meinte Karl Biener von der Sommerapotheke in Schnelldorf.
Viel zu viele bürokratische Hürden seien mittlerweile für sie zu bewältigen, die Vorgaben des Bundes wie der Krankenkassen bedürften eines enormen Zeitaufwandes, der noch dazu keineswegs adäquat vergütet werde. „Wir werden von der Regierung kaputtgespart“, befand Franz unter dem Applaus der Demonstranten.
„Eine sensationelle Beteiligung“ stellte Inhaber Mario Zink von der Apotheke in Mönchsroth fest, „das zeigt, wie hoch der Leidensdruck inzwischen ist“. Weniger Personal, steigende Kosten, ausufernde Dokumentationspflichten, seit zehn Jahren keine Erhöhung des Fixums in der Arzneimittelpreisverordnung: „Das Maß ist voll, so kann es nicht mehr weitergehen“, monierte Sebastian Vestner, Chef der St.Sebastian-Apotheke in Dürrwangen.
Auch die Eigentümer der Löwen-Apotheke in Feuchtwangen, Dr. Stefan Spaniel und seine Frau Sylwia. schlossen sich dem Protesttag an und hatten deshalb ihre Verkaufsräume nicht aufgesperrt.
Und weil da vieles schon auf kommunalpolitischer Ebene geleistet werden könne, hatte Spaniel bereits im Vorfeld des Aktionstags die Bürgermeister Patrick Ruh (Feuchtwangen) und Thomas Beck (Dentlein) sowie Landrat Dr. Jürgen Ludwig zu einem Informationstreffen eingeladen. Dabei schilderten er und seine Frau ihren Berufsalltag ebenso wie die Erfahrungen, die das praktische Arbeiten in der Apotheke gleichsam zum alltäglichen Stress für das Personal werden ließen.
„Wir wissen nicht, wie es unter diesen Umständen weitergehen soll“, räumte Sylwia Spaniel ein. Bei jedem zweiten Rezept sei das Medikament nicht lieferbar, beklagte sie die Lieferschwierigkeiten. Momentan seien 650 Medikamente nicht greifbar. „Kinderärzte rufen an und fragen nach, was wir gerade auf Lager haben, um es verschreiben zu können.“
Indessen übernähmen die Kassen die Kosten für selbst hergestellte Säfte nicht, beklagten die beiden Pharmazeuten den „Bürokratiewahn“ und sprachen von einem „Spießrutenlaufen durch Vorgaben, Verordnungen und die Kostenverteilung“.
Eindringlich forderten die Apotheker eine stärkere Wertschätzung ihrer Arbeit sowie eine faire Vergütung für die Leistungen des Personals: „Wir waren einst die Helden in der Pandemie, haben auf Hochtouren gearbeitet, getestet, getestet und getestet – und jetzt wird der Vorwurf erhoben, dass wir dafür Geld bekommen haben.“
Dabei sei die den Mitarbeitern gewährte 15-prozentige Lohnerhöhung verdient. Doch jetzt könne sie sich keine Apotheke mehr leisten, zumal der Honorarsatz seit 2010 unverändert geblieben sei. „Wir zahlen quasi bei jeder Rezeptur drauf.“
Auch in Neustadt gab es eine Protestkundgebung.