Das hatten sich die Stadtratsmitglieder anders vorgestellt: Nach dem Antennen-Tausch des Mobilfunkanbieters Vodafone empfinden sie eines der markantesten historischen Bauwerke Leutershausens als verschandelt. Dem Landratsamt zufolge ist das Projekt indes noch unvollendet.
An der Turmspitze wurden in dieser Woche mehrere deutlich sichtbare, graue Kästen angebracht. „Das sieht in der Silhouette furchtbar aus“, beschwerte sich SPD-Stadtrat Erwin Heidenfelder. Er wundere sich, dass „die Denkmalbehörde so etwas absegnet“. Harald Domscheit (ALL) pflichtete ihm bei: Als „nicht gelungen“ bezeichnete er das Ergebnis der Arbeiten: „Das ist nicht formvollendet.“
Einig waren sich beide Stadträte, dass die neue Anlage nicht dem entspreche, was man anhand der im Bauausschuss begutachteten Unterlagen habe erwarten dürfen. Dort seien die neuen Antennen bündig mit den Außenkanten der Turmspitze dargestellt gewesen. Nun ragen sie deutlich sichtbar darüber hinaus. Bürgermeister Markus Liebich sagte zu, die Verwaltung werde den Sachverhalt „prüfen“.
Aus dem Ansbacher Landratsamt heißt es dazu: „Aktuell ist die Maßnahme auf dem Torturm noch nicht abgeschlossen und die zu verbergende Technik noch zu sehen.“ Die Untere Denkmalschutzbehörde habe, so Pressesprecher Fabian Hähnlein, eine Erlaubnis für den Austausch der Antennen an der Außenseite der Gebäudekuppel des Oberen Torturms erteilt. Auch die Stadt habe im Mai 2022 ihr Einvernehmen erteilt.
Laut Antrag sollten die bestehenden Omni-Stabantennen an der Außenseite der Gebäudekuppel demontiert und an dieser Position drei neue Sektor-Antennen montiert werden. Sie sollen laut Hähnlein „in GFK-Verkleidung in der Farbe der Kuppel eingekleidet werden“. Die Einhausung solle so nah wie möglich an der Antenne geführt werden, um weniger aufzufallen. „Damit soll sich die Einhausung so unauffällig wie möglich an die vorhandene Einblechung anschmiegen“, teilte der Pressesprecher mit. Die Untere Denkmalschutzbehörde stehe dazu in Kontakt mit der ausführenden Firma.
Bewusst seien die kleinstmöglichen Antennen verwenden worden, „um das Erscheinungsbild des Objektes so gut es geht beibehalten zu können“. Im Inneren des Gebäudes erfolgte Hähnlein zufolge eine neue Verkabelung.
Der Erhalt der Dachlandschaft im historischen Kern der Altstadt ist dem Stadtrat ein wichtiges Anliegen. In jüngster Zeit waren mehrfach Anträge für Photovoltaikanlagen abgelehnt worden mit dem Hinweis auf die kommunale Gestaltungssatzung. Sie soll „die Erhaltung des überlieferten Stadtbildes der Stadt Leutershausen“ sicherstellen.
Eine Generalklausel darin besagt: „Bauliche Anlagen und Werbeanlagen sind so zu errichten, anzubringen, zu ändern und zu unterhalten, dass sie in Form, Maßstab, Gliederung, Material und Farbe den historischen Charakter, die künstlerische Eigenart und die städtebauliche Bedeutung der vorhandenen Bebauung sowie des Straßen- und Platzbildes und des Altstadtgefüges nicht beeinträchtigen.“
Konkret heißt es: „Technische Aufbauten wie zum Beispiel Antennen, Satelliten- oder Photovoltaikanlagen stören das historische Stadtbild. Diese dürfen deswegen nur in Ausnahmefällen auf vom Straßenraum nicht einsehbaren Dachflächen montiert werden.“ Und weiter: „Das Anbringen von sonstigen technischen Einrichtungen wie Funkantennen oder Parabolspiegeln und Windrädern und dergleichen auf den Dachflächen ist nicht zulässig.“
Die Vodafone-Pressestelle ließ eine Anfrage der FLZ seit drei Tagen unbeantwortet.