In der Woche ab Montag, 4. Februar 1924, zeigt sich in Ansbach wie im ganzen Reich ein geteiltes Bild. Zum einen erholen sich die Wirtschaft und der Konsum, zum anderen sind die Folgen der Hyperinflation noch immer präsent. Dies wird schon an einer Anzeige für eine bekannte Flüssigwürze in der Fränkischen Zeitung deutlich.
Auf Seite 3 der Ausgabe vom 4. Februar fällt das Maggi-Inserat mit der gezeichneten markanten Flasche auf: „Fleisch sparen hilft“ heißt es da in flotter Schrift.
„Die dünnste Wassersuppe, schwache Fleischbrühe, Gemüse usw. erhalten augenblicklich kräftigen Wohlgeschmack durch Zusatz einiger Tropfen Maggi’s Würze“, steht da blumig im Text. Die Aussage dahinter: Die inflationsgeschwächte Gesellschaft soll es sich schmecken lassen, aber es soll halt zugleich nicht allzu viel kosten.
Doch es geht nicht nur um körperlich Nährendes, sondern auch um den Geist. In derselben Ausgabe steht die Nachricht, dass sich Fahrgäste auf günstigere Sonntagsfahrkarten für berufstätige Menschen in der Bahn freuen können.
Wie es darin heißt, „steht auf Ansuchen an die Eisenbahndirektion Würzburg – die Direktionen sind zum Vollzug ermächtigt – auch für Ansbach die Ausgabe von Sonntagsfahrkarten mit Preisermäßigung zu erwarten“. Bisher sei die Stadt davon ausgeschlossen gewesen.
Den Menschen soll es damit möglich werden, „ebenfalls landschaftlich bevorzugte Gegenden anzusehen oder sich durch den Besuch der städtischen Bildungsstätten geistig zu erholen und fortzubilden“.
Der Zeitungstext sagt viel über seine Zeit aus – und darüber, wie weite Teile der Bevölkerung mit Bildung in Kontakt kommen sollen. „In der Weimarer Republik erhielt die Erwachsenenbildung Verfassungsrang“, schreibt Dr. Bernhard Schoßig dazu fürs Historische Lexikon Bayerns. Das Reisen wird damals für viele Teile der Gesellschaft überhaupt erst so richtig möglich.
„Die Weimarer Republik schuf ab 1918 mit dem tariflich zugesicherten Urlaub für Arbeiter von drei bis sechs Tagen, der Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 48 Stunden und der gesetzlichen Einführung des 8-Stunden-Tags grundlegende Bedingungen für den Massentourismus“, berichtet Franziska Lobenhofer-Hirschbold – ebenso fürs Historische Lexikon Bayerns.
Apropos Bahnreisen: In der Ausgabe vom 6. Februar trägt eine Lokalnachricht den Titel „Feriensonderzüge“. Es heißt: „Zur Förderung der Volksgesundheit“ lasse die Reichsbahn auch 1924 Feriensonderzüge verkehren.
Das Ziel sei, „der beschränkten Kaufkraft und wirtschaftlichen Notlage weitester Kreise so weit wie möglich Rechnung zu tragen“. Gegenüber bislang kommt ein Extra hinzu: „Es wird statt der bisherigen Ermäßigung von 25 Prozent eine weitergehende von 33 Prozent gewährt.“ Ob es nun die Würze fürs Essen oder die Reisen für die Seele sind: Letztlich ist es doch immer das Versprechen eines besseren Lebens.
Auch Tanzkränzchen können dazu beitragen. In der Ausgabe vom 6. Februar sind für den Sonntag um 19 Uhr auf einer Seite gleich zwei annonciert. Der Pfeifen-Club Sevilla lädt in den Orangeriesaal in der Stadt ein, der Männergesangverein Ansbach in den Onoldiasaal.
Eines gilt aber wahrscheinlich für alle Zeiten: Alle reden vom Wetter. Auch die Ansbacher. Der Winter vor 100 Jahren war offensichtlich härter als der aktuelle. Davon zeugt eine Nachricht vom 4. Februar: „Mit dem Lichtmeßtag am Samstag hat bei zunehmender Bewölkung leichtes Tauwetter eingesetzt“.
An jenem Sonntag habe „sich zu der nach einer langen und scharfen Frostperiode eingetretenen milderen Temperatur auch noch leichter Regen“ gesellt, „sodaß Eis und Schnee sich endlich zu Wasser zu verwandeln begannen“.
Die dunkle Zeit, die ab 1933 Gewalt, Not und Tod über Deutschland und die Welt bringen soll, kündigt sich auch in dieser Woche an. Wie es typisch ist für Rechtsextreme, versuchen die Protagonisten, sich nach außen harmlos zu geben.
Eine Organisation mit dem kruden Namen „Völkischer Rauch-Klub ,Germania‘“ lädt am 7. Februar per Inserat zur „Zusammenkunft“ ein. Links und rechts auf der Anzeige prangt das Hakenkreuz.