Die Ausstellung „Von Innen und Außen” in Ansbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.04.2024 12:00

Die Ausstellung „Von Innen und Außen” in Ansbach

Da läuft jemand auf einen Abgrund zu: „Rot“ aus der Bildreihe „Zustand der Dinge“, ein Gemälde von Maja Bogaczewicz. (Foto: Martina Kramer)
Da läuft jemand auf einen Abgrund zu: „Rot“ aus der Bildreihe „Zustand der Dinge“, ein Gemälde von Maja Bogaczewicz. (Foto: Martina Kramer)
Da läuft jemand auf einen Abgrund zu: „Rot“ aus der Bildreihe „Zustand der Dinge“, ein Gemälde von Maja Bogaczewicz. (Foto: Martina Kramer)

Die aktuelle Ausstellung im Ansbacher Kunsthaus Reitbahn 3 widmet sich der Malerei und der Skulptur. Unter dem Titel „Von Innen und Außen“ zeigen Maja Bogaczewicz Gemälde und Thomas Besenbeck Objekte aus Kupfer.

Bei dieser Werkschau begegnen sich zwei Kunstschaffende, die ganz unterschiedliche Formensprachen gewählt haben, auf Augenhöhe. So gegensätzlich ihre Kunstwerke auch sein mögen, stehen sie sich in ihrer künstlerischen Aussage doch recht nahe. Bogaczewicz wie Besenbeck beschäftigt die Beziehung des Menschen zu der ihn umgebenden Welt und seine Stellung darin bis hin zum transzendenten Zusammenhang mit dem Kosmos.

Ausgefeilte malerische Technik

Zunächst einmal wird sich der Betrachter von der äußerlichen Ästhetik, die sowohl der Malerei als auch der Skulptur innewohnt, angesprochen fühlen. Maja Bogaczewiczs Gemälde beeindrucken allein durch ihre ausgefeilte malerische Technik, die hohe Kunstfertigkeit erkennen lässt. Typisch für Künstler aus dem osteuropäischen Raum, möchte man sagen, die in der Regel durch malerisches Können brillieren. Bogaczewicz wurde 1983 im polnischen Krakau geboren, widmete sich früh der Malerei und Druckgrafik. Heute unterhält sie eine Galerie in Fürth.

Ähnliches gilt für Thomas Besenbeck. Er pflegt eine lange Beziehung zu seinem Werkstoff Kupfer, ja, setzt sogar eine Familientradition fort. Seit rund 130 Jahren hat es sich im Familienbetrieb immer wieder um dieses rotgolden glänzende Metall gedreht. Besenbeck absolvierte eine Lehre als Spengler und legte auch die Meisterprüfung ab. Seit 2019 arbeitet der in Neuendettelsau geborene Bildhauer als freischaffender Künstler.

Imposante Kupfer-Stelen

Malerei beziehungsweise Skulptur dienen beiden Künstlern dazu, tiefer liegende Themen anzusprechen. Die von Besenbeck in dieser Ausstellung gezeigten Werke sind abstrakt. Von der Form her ähneln sie mitunter imposanten Stelen, denen mit ihrer belebten Struktur etwas Organisches anhaftet. Sie könnten gut markante Plätze kennzeichnen und zugleich eine Verbindung mit ihrer Umgebung eingehen.

Sie heißen „Seele“, „Anfang“, „Struktur“ und sprechen elementare Bereiche des Lebens an, das über das rein Existenzielle hinausgeht. Besenbeck interessieren innere Prozesse und Grunderfahrungen menschlichen Daseins und er versucht diese in eine äußere Ausdrucksform zu übersetzen. Das Kupfer, das er geschickt faltet, verbiegt und formt, dient ihm dabei als haptischer Transmitter.

Facetten des Ichs

Maja Bogaczewiczs Malerei ist expressiv und fokussiert den Menschen. Oft tritt die gleiche Person in mehrfacher Ausführung auf. Sie zeigt die verschiedenen Facetten eines Ichs, das versucht, sich in einer diffusen Welt zu orientieren. Ihre Bilder beschäftigen sich mit den Schnittstellen der Wahrnehmung, an denen Phantasie und Wirklichkeit aneinander reiben. Welche der in ihren Bildern gezeigte „Originalprotagonist“ ist, bleibt dem Betrachter überlassen.

Es vielmehr die Darstellung eines komplizierten inneren Prozesses, den wohl jeder kennt. Man geht eine Straße entlang und schwankt gedanklich zwischen dem, was objektiv vorhanden ist und dem, was die eigenen Vorstellungen daraus machen.

Menschen vor Autos

Autos, zum Beispiel, sind allgegenwärtig in unserer heutigen Welt. Häufig stören sie den Fußgänger, aber sie beeindrucken ihn gleichzeitig und schüchtern ihn ein. Vielleicht tauchen sie deshalb so oft in den Bildern von Maja Bogaczewicz auf. Denn sie sind das umstrittene Symbol unserer gesellschaftlichen Situation: Freiheit kontra Umweltzerstörung. Ein Drahtseilakt, der die Zerrissenheit des Individuums beherrscht.

In welcher Weise äußere Gegebenheiten das Innere, ja gar die Seele beeinflussen, was das Leben des Einzelnen prägt oder sogar eine Schicksalhaftigkeit bedingt – dies in eine künstlerische Formensprache zu modulieren, ist ein spannender Prozess. Diese Ausstellung macht ihn anschaulich und das durch zwei Künstler, die jeweils ganz eigene Wege beschreiten.

Die Ausstellung „Von Innen und Außen“ im Ansbacher Kunsthaus Reitbahn 3 geht noch bis zum 5. Mai, geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr, Mittwoch und Samstag von 10 bis 13 Uhr.


Von Martina Kramer
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