Acht neue Stolpersteine liegen seit Mittwoch im Ansbacher Boden. Wie meistens seit 2014 verlegte sie der Künstler Gunter Demnig für die Stadt. Damit erinnern jetzt 138 gravierte Messingplatten an das Leid jüdischer Ansbacherinnen und Ansbacher. Bei dem Verlegetermin trug sich nach elf Jahren etwas Neues zu.
Die Steine sind ein Konzept des Künstlers. Einer von ihnen ist seit dem Mittwoch in der Merckstraße 4 Max Ernsthal gewidmet. Ein Stein in der Uzstraße 22 gilt Charlotte Wittelshöfer, einer in der Uzstraße 18 Helene Bollack. Vier erinnern in der Reuterstraße 2a vor dem jüdischen Dienerhaus an Sali Schmid, Rosa Schmid, Julius Neuberger und Hedwig Neuberger.
Beim Stein für Karoline Schloss in der Schalkhäuser Straße 84 hieß es, dass das städtische Betriebsamt ihn nach der Gedenkfeier mit Rundgang verlegt. Die Schicksale hatten erneut der Vorsitzende der Frankenbund-Gruppe Ansbach, Alexander Biernoth, und Schriftführer Stefan Diezinger recherchiert.
Erstmals ließ die Stadt einen Stein tauschen – in der Uzstraße 18. Sie widmete 2014 Margarete Wittkowsky einen. Ihr Schicksal war ungeklärt, nachdem sie nach Stuttgart geflüchtet war. Nun ist bekannt, dass sie dort 1939 starb.
„Indem wir die Namen der Opfer des Holocausts nennen und ihre Schicksale verorten, erinnern wir an ihre Entrechtung und Demütigung, die meist im Grauen endete“, betonte Oberbürgermeister Thomas Deffner mit Blick auf den NS-Terror.
Er wandte sich gegen Antisemitismus – und zeigte sich erschüttert von dem Mordanschlag auf das Paar Yaron Lischinsky und Sarah Milgrim in Washington. Besorgt äußerte sich der OB, wie sich in Deutschland und Europa die Lage entwickle. Kurz nach Yaron Lischinskys Tod habe in Berlin das Plakat „Macht Zionisten Angst“ mit dessen Foto den jungen Mann verhöhnt.
In Ansbach sei die Israel-Fahne am Rathaus sichtbares Zeichen, dass man jüdisches Leben in Land und Stadt nicht allein lasse und an die Hamas-Geiseln denke. Sie griff man nach Deffners Worten an. „Zum einen hat man versucht, mich mit einer E-Mail-Kampagne aus dem linken politischen Lager einzuschüchtern.“ Zum anderen sei zu Silvester ein antiisraelischer Anschlag mit Feuerwerkskörpern auf sie geschehen.
Mit Blick aufs Verlegen von Stolpersteinen in Ansbach erklärte Alexander Biernoth: „Mit großer Wahrscheinlichkeit sind wir heuer nun fertig damit.“ Fertig bedeute, dass keine neuen Steine für ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger hinzukommen. Es bedeute nicht, dass das Erinnern und das stetige Mahnen zu Ende sind.
Gunter Demnig würdigte die Initiative vor Ort, die Stadt und Alexander Knöchel vom Betriebsamt, der ihm zur Hand gegangen war. „Der Hintergrund dieses Projektes ist kein Grund zur Freude“, hob der Künstler hervor. Dennoch sei es immer wieder eine Freude, dass es weitergeht. „Manchmal dauert’s eben“, meinte Gunter Demnig, als er von anderen Kommunen erzählte.
„Bei uns waren auch zwei Bürgermeister nötig, um eine Oberbürgermeisterin zu überzeugen“, blickte Stadtrat Hannes Hüttinger zurück. Die Stolpersteine machte in Ansbach 2013 ein Antrag möglich. Ihn stellten Thomas Deffner (CSU) und Hannes Hüttinger (BAP), damals beide Bürgermeister, sowie die Grünen-Stadtratsfraktion. Die Gedenkfeier umrahmte diesen Mittwoch Bernd Dittl (Akkordeon) musikalisch.