Auch nach ihrer Absage gibt es weiter Wirbel um die Kanapee Street. Ein Rechtfertigungs-Schreiben von Bürgermeister Jürgen Heckel (WiR) löst Diskussionen im Internet aus, das Organisationsteam des Vereins „Unternehmer vereint für Bad Windsheim” (UVBW) will zurücktreten und Heckel kündigt eine neue Idee an.
Nur vermeintlich war Ruhe eingekehrt um die Kanapee Street, die Ende Juli nach einjähriger Pause wieder hätte stattfinden sollen. In einem vierseitigen Schreiben meldete sich Bürgermeister Heckel am Samstag über seinen Social-Media-Account in einer Bad-Windsheim-Gruppe mit dem Thema zurück. Das Schreiben ließ er auch per Mail an 180 Personen aus seinem Verteiler schicken.
Darin stellt er erneut seine Sicht der Dinge klar. Per Mail und auch telefonisch sei er gehäuft damit konfrontiert worden, dass er und der Stadtrat „es verbockt hätten“, und der Stadtrat einen Antrag abgelehnt habe, „den es so nicht gegeben hat.“
Das stand in einem vom UVBW verfassten Rundschreiben an seine Mitglieder. „Es ging mir darum, den Stadtrat zu schützen, ich hab’ aus der Not heraus gehandelt“, betont Heckel im Gespräch mit unserer Redaktion. UVBW-Vorsitzender Christian Hahn, fragt sich, warum Heckel „jetzt nochmal so ein Fass aufmacht. Dieser Schlammschlachtbeitrag schadet unserer Stadt“, schreibt Hahn unter den Post.
Der Stadtrat habe nie gegen eine Kanapee Street, sondern gegen den Eilantrag von sieben Stadträten, die auch im UVBW Mitglied sind, gestimmt. Laut diesem hätte die Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH zur Übernahme der rechtlichen Verantwortung der Veranstaltung gezwungen werden sollen. „Es wurde einfach einiges falsch dargestellt“, sagt Heckel. Auch könne er immer noch nicht verstehen, warum Vorsitzender Hahn Probleme nicht direkt in der Aufsichtsratssitzung der KKT Ende Mai angesprochen hat. Die KKT sei das zuständige Gremium und nicht der Stadtrat, so Heckel.
Hahn sagt dazu, dass die Kanapee Street nie auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung gestanden habe, sondern nur zufällig von einem Ausschussmitglied nachgefragt worden sei, wie es denn mit der Organisation laufe. Da man sich vor der Sitzung mit KKT-Geschäftsführerin Birgit Grübler zu einem Gespräch „unter sechs Augen“ – damit meint Hahn sich, Grübler und Vorstandsmitglied Horst Allraun – nach der Sitzung verabredet hatte, wollte er diesem nicht vorgreifen.
Heckel vermutet andere Absichten dahinter: Da die Sitzung des Aufsichtsrats nicht öffentlich sei und das Thema im Gegensatz dazu im Stadtrat öffentlich behandelt werden sollte, hätten CSU und FWG – aus deren Lager stammen die Stadträte, die den Eilantrag gestellt hatten – einen „politischen Schaulauf“ vorgezogen.
„Das Ganze schadet Bad Windsheim - da lacht ja nicht nur der Landkreis, das schlägt riesige Wellen.”
Hahn dagegen schreibt in Kommentaren unter Heckels Facebook-Post, dass der Bürgermeister seinerseits „ein Politikum“ aus der ganzen Sache mache und „die ehrenamtlichen Organisatoren“ schlecht darstelle, dies sei „weit unter der Würde eines Stadtoberhauptes“. Von einem Bürgermeister hätte er erwartet, „deeskalierend“ zu agieren. Stattdessen wurde „eine unglaublich beliebte Veranstaltung so dermaßen mutwillig an die Wand gefahren.“
Mit der Absage der Kanapee Street verbinde er „großes Bedauern, einen großen Verlust für Bad Windsheim und einfach nur Unverständnis“, sagt Heckel. Christian Hahn dagegen will sich nun nicht mehr weiter äußern, es sei alles gesagt und geschrieben, nun müsse Ruhe einkehren.
Doch wie geht es mit der Kanapee Street in Zukunft weiter? Im Juli ist eine Vorstandssitzung des UVBW geplant. Da die Fronten zwischen KKT und dem Organisationsteam Kanapee Street mittlerweile derart verhärtet sind, wird das „Orga-Team geschlossen zurücktreten“, kündigte Christian Hahn gestern an. Es müsse dann ein neues gebildet werden, das sich im Herbst diesen Jahres, wie von Birgit Grübler bereits zugesagt, mit der KKT-Geschäftsführerin zusammensetzt und die Ausrichtung der Kanapee Street für die Zukunft besprechen wird.
„Unser kulturelles Angebot soll doch überregional neue Leute anziehen und nicht zum Provinz-Politikum werden“, schreibt ein Mitglied der besagten Social-Media-Gruppe unter Heckels Beitrag und kritisiert, dass eine überaus beliebte Veranstaltung ausfalle, weil zwei „Parteien, nicht politisch gesehen,“ nicht miteinander kommunizieren können und wollen. Jürgen Heckel wolle „als Bürgermeister jetzt nicht vorpreschen“, sondern zunächst mit dem Aufsichtsrat der KKT in seiner nächsten Sitzung im November sprechen. Er habe „eigene Gedankengänge“ zum Thema Kanapee Street. „Sowas, oder in anderer Form“, werde er in „dem Gremium“ vorstellen, „wo es hingehört“.