Kurz „Kulturbeirat” lautete der Tagesordnungspunkt für den Schul- und Kulturausschuss. Die Mitglieder sollten über einen Satzungsentwurf beraten und abstimmen. Das Problem: Den Entwurf hatte Kulturreferentin Nadja Wilhelm erst am Vormittag vorgelegt. Zu kurzfristig, fand der Ausschuss – und nahm das Thema von der Tagesordnung.
Wie ist es um das Kulturleben in Ansbach bestellt? Wo hakt es und wie soll es in Zukunft weitergehen? Diesen und vielen weiteren Fragen geht das Projekt „Kulturstrategie” nach. Seit Mitte 2023 haben die Kulturschaffenden der Stadt darüber beraten. Zentrales Aufgabenfeld in der Kulturstrategie ist das Thema „Struktur der kommunalen Kulturarbeit”. Man war sich einig, dass ein Kulturbeirat als von der Verwaltung unabhängiges Gremium Politik und Verwaltung beraten soll.
Mitte Oktober 2025 legte Nadja Wilhelm im Schul- und Kulturausschuss einen ersten Satzungsentwurf für den Kulturbeirat vor. Der fiel bei den Mitgliedern allerdings glatt durch. Mit rund 40 vorgesehenen Beteiligten sei das Gremium viel zu groß, um effektiv arbeiten zu können, fanden die Stadträte.
Anfang November 2025 legten vier Stadtrats-Fraktionen – BAP, Freie Wähler/Die Ansbacher, SPD und Grüne – einen eigenen Satzungsentwurf vor. Der sah nur noch 15 Mitglieder vor: die Kulturreferentin (ohne Stimmrecht), drei Stadträte entsprechend der Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat (ebenfalls ohne Stimmrecht), drei „geborene” Mitglieder von Theater Ansbach, Kammerspielen und Kulturforum sowie acht Vertretende von Sparten und Institutionen.
Weil noch Beratungsbedarf mit den Kulturschaffenden bestehe, habe die Kulturreferentin gebeten, über diesen Satzungsentwurf erst Anfang 2026 zu diskutieren, erinnert sich Ausschuss-Mitglied Hannes Hüttinger (BAP). Außerdem habe sie für die jetzige März-Sitzung des Gremiums einen eigenen Entwurf angekündigt. Der fehlte allerdings bei den Sitzungsunterlagen und wurde erst am Vormittag des Sitzungstages über das Ratsinformationssystem quasi nachgereicht.
Das kam bei den Ausschuss-Mitgliedern gar nicht gut an. Dr. Paul Kupser (Freie Wähler/Die Ansbacher) erklärte, er habe sich mit dem Entwurf „noch gar nicht inhaltlich auseinandersetzen” können. Er schlug vor, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen und zur Beratung in die Fraktionen zu verweisen.
Dr. Bernhard Schmid (Grüne) kritisierte, dass der neue Entwurf erst so spät kam, den hätte er gerne zur Vorbereitung schriftlich vorliegen gehabt. Schließlich habe der Entwurf der vier Fraktionen bereits seit November vorgelegen. Otto Schaudig erinnerte daran, „dass wir einen neu besetzten Stadtrat bekommen”. Man solle das Thema zurückstellen und dem neuen Stadtrat überlassen, darüber zu beraten.
Die Ausschuss-Vorsitzende, Bürgermeisterin Elke Homm-Vogel (Freie Wähler/Die Ansbacher), appellierte an die Stadträte: „Bitte nutzen Sie den heutigen Ausschuss, sich das von Frau Wilhelm darstellen zu lassen.” Auch wenn kein Beschluss gefasst werde, könnten die Stadträte doch „die eine oder andere Information für die Beratung in den Fraktionen mitnehmen”. Den gleichen „Vorschlag zur Güte” machte auch CSU-Stadträtin Elke Beyer.
Sie habe seit November dreimal mit den Kulturschaffenden über den Satzungsentwurf diskutiert, erklärte die Kulturreferentin. Sie befürchtete, die Arbeit an der Kulturstrategie könnte an Schwung verlieren, wenn man erst turnusmäßig im Herbst wieder über einen Satzungsentwurf diskutieren könne.
Ein Antrag zur Geschäftsordnung durch Siegfried Blank (Freie Wähler/Die Ansbacher) machte der Diskussion ein Ende: Der Ausschuss solle das Thema von der Tagesordnung nehmen, forderte er. Dem folgten die Mitglieder mit neun zu fünf Stimmen.
Diese Entscheidung sei „selbstverständlich zu akzeptieren”, erklärte Bürgermeisterin Homm-Vogel. Sie regte jedoch an, das Thema in einer Sondersitzung im Juli zu diskutieren. Für diesen Vorschlag erntete sie ein mehrheitlich positives Stimmungsbild.