Die Bezeichnung Magnetresonanztomographie nimmt in der Alltagssprache kaum jemand in den Mund. „Ich muss ins MRT“ heißt es nur. Schon wissen alle, dass ein Ausflug in die tunnelartige Röhre ansteht, bei dem Bilder vom Körperinneren entstehen.
Doch wie funktioniert so ein Gerät? Warum müssen Piercings unbedingt entfernt werden? Und woher kommen die Geräusche, die oft an ein experimentelles Set eines Techno-DJs erinnern? Ein Überblick.
„Beim MRT handelt es sich um ein Gerät in Röhrenform, das einen sehr großen Magneten in seinem Kern hat und ein starkes Magnetfeld erzeugt“, sagt der Radiologe Wolfram Schaeben.
Diese Technik macht sich zunutze, dass unser Körper zum Großteil aus Wasser besteht. Im Magnetfeld richten sich die Wasserstoffatome aus - so wie es auch Kompassnadeln tun.
„Wenn dann elektromagnetische Wellen im Frequenzbereich von Radio-/Fernsehwellen ausgesendet werden, geraten diese Atome in Schwingung. Beim Abschalten wird Energie frei“, erklärt der Vizepräsident des Berufsverbandes der Deutschen Radiologen. Spulen empfangen dieses elektrische Signal, Computer wandeln es um - es entstehen Schnittbilder vom Körperinneren.
Bandscheibenvorfall, Meniskus- oder Kreuzbandriss oder Schulterprobleme: Das sind klassische Fälle, die Patienten in die MRT-Röhre führen.
Ein MRT ist insbesondere dann das richtige Gerät, wenn es um die Darstellung weicher Gewebe und von Gelenken geht. Auch um Gehirn, Rückenmark und Nerven sichtbar zu machen, kommen MRT-Untersuchungen zum Einsatz.
Viele Patienten müssen nicht nur nach einer akuten Verletzung in die Röhre, sondern auch in regelmäßigen Abständen zu Kontrolluntersuchungen: etwa Menschen, die an Krebs oder Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind.
„Im Bereich der Lunge oder des Bauches ist hingegen meist ein CT, also eine Computertomographie, die Methode der ersten Wahl“, sagt Wolfram Schaeben.
Der Unterschied zwischen den beiden Methoden: Beim CT werden Röntgenstrahlen eingesetzt, beim MRT hingegen sind es elektromagnetische Wellen, die sich im Frequenzbereich von Radio-/Fernsehwellen befinden. „Nach aktuellem Stand sind diese komplett unschädlich“, sagt Radiologe Schaeben.
Patienten müssen vorab einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Darin müssen sie auch angeben, ob sich Metalle in ihrem Körper befinden - angefangen vom Herzschrittmacher über Ohrimplantate bis zu Schrauben vom letzten Ski-Unfall. Auf dieser Grundlage wird abgewogen: Ist eine MRT-Untersuchung überhaupt möglich? Müssen Vorsorgemaßnahmen getroffen werden?
Herzschrittmacher der neuesten Generation seien häufig zwar MRT-tauglich, würden aber durch den starken Magneten meist verstellt, sagt Schaeben. „Dann muss die Untersuchung besonders gut vorbereitet und überwacht werden und der Herzschrittmacher danach eventuell neu eingestellt.“
Übliche Zahnimplantate und Amalgam-Füllungen sind in der Regel kein Problem, Schmuck und Piercings müssen vor der Untersuchung entfernt werden. „Sonst besteht die Gefahr der Erhitzung und Verbrennung“, warnt der Radiologe.
Auch BHs oder Gürtel müssen vor der Untersuchung abgelegt werden, weil sie metallische Teile enthalten. Nackt ausziehen muss man sich für die Zeit in der Röhre jedoch nicht.
Kontrastmittel können die Qualität des Bildmaterials verbessern, sind aber nicht immer notwendig. „Die meisten MRT-Untersuchungen - im Prinzip fast alle Gelenkuntersuchungen - laufen zumindest zunächst ohne Kontrastmittel“, sagt Radiologe Schaeben.
Bei Tumor-Fragestellungen, bei Kopfuntersuchungen oder bei Gefäßdarstellungen hingegen werden wenige Milliliter eines Kontrastmittels in die Vene gespritzt. Vorausgesetzt, es gibt keine bekannten Allergien darauf und keine gravierende Nierenfunktionsstörung. Deshalb müssen die Patienten zuvor aktuelle Blutwerte von ihrem Hausarzt mitbringen.
Auf einer Liege wird man dann - meistens auf dem Rücken - in die Röhre gefahren. Für die Patienten gibt es zuvor noch Hinweise wie „Bitte während der Aufnahme nicht bewegen!“ oder „Nicht erschrecken: Es wird laut klopfen und brummen!“
Aber warum eigentlich? „Die Spulen im Magnetgehäuse erzeugen ein mechanisches Geräusch, weil sie immer wieder das Magnetfeld verziehen und elektrische Signale empfangen“, sagt Schaeben. Die Ströme in den sogenannten Gradientenspulen werden extrem schnell umgeschaltet.
Viele Patienten empfinden die lauten Klopfgeräusche als bedrohlich. Je nach untersuchtem Körperteil können sie daher Ohrstöpsel oder einen Gehörschutz benutzen, die für sie bereitliegen. Manchmal gibt es sogar Musik auf die Ohren.
Übrigens: „Bei Kopfuntersuchungen kann man über ein Spiegelsystem das Bedienpersonal sehen, das im Übrigen über ein Mikrofonsystem ständig mit dem Patenten verbunden ist“, sagt der Radiologe. Auch ein Notfallknopf befindet sich in Griffnähe, falls man Panik bekommt.
Ähnlich wie beim Fliegen finden viele Menschen eine MRT-Untersuchung nicht so richtig gut, manche haben sogar richtig Angst. „Das hat etwas mit Kontrollverlust und Ausgeliefertsein zu tun“, sagt Psychologe André Wannemüller, der an der Ruhr-Uni in Bochum ein Forschungsprojekt unter dem Motto „Die Angst vor der Röhre überwinden“ durchgeführt hat.
Beim MRT kommt noch hinzu, dass ein körperliches Problem der Anlass für die Untersuchung ist. „Da mischt sich dann noch die Angst vor einer eventuellen schlimmen Diagnose mit hinein“, so der Psychologe.
Doch ganz gleich, wie lange die Untersuchung dauert, ob acht Minuten fürs Knie oder eine halbe Stunde für den Bauch: Wenn Ärzte zum MRT raten, sollte man auf keinen Fall darauf verzichten, findet Radiologe Wolfram Schaeben. „Der Nutzen ist auf jeden Fall größer.“ Bei starken Ängsten bleibt zudem noch die Möglichkeit einer milden Sedierung oder im Extremfall einer Narkose.
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