Christian Kestel raufte sich die Haare, als in der 95. Minute der Ball über ihn hinwegflog und Schiedsrichter Felix Wagner mit der Vehemenz in seine Pfeife blies, die dem Fußballer signalisiert: Das war’s. So musste sich die SpVgg Ansbach im Regionalliga-Spiel bei Bayern München II letztlich mit einem 2:2 zufrieden geben.
Sekunden vor seinem Griff in die Strähnen war der zentrale Mann im Ansbacher Mittelfeld in den Bayern-Strafraum eingedrungen. Im Fallen hatte Kestel den Ball zu Björn Angemeier bugsiert. Der kam aus spitzem Winkel noch zum Torabschluss, den Ansbacher Siegtreffer konnte Bayern-Torwart Max Schmitt aber abermals verhindern.
Ein Tor zum 3:2 wäre die Kirsche auf der Torte gewesen, die den Ansbachern auf der Rückfahrt im Bus sehr gut geschmeckt hätte. Ob das nach zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten auch gerecht gewesen wäre, da gehen die Ansichten zumindest leicht auseinander.
Bayern-Trainer Holger Seitz meinte: „Die erste Halbzeit ging ganz klar an uns. Da waren wir absolut verdient in Führung. Aber die zweite Halbzeit ging dann an Ansbach. Die waren lebendiger, die haben, denke ich mal, mehr Torchancen gehabt. Von daher ist es ein gerechtes Unentschieden.“
„Wenn wir ein bisschen Glück haben in der zweiten Halbzeit, können wir das sogar noch 3:2 gewinnen. Wäre nicht unverdient gewesen“, sagt SpVgg-Coach Niklas Reutelhuber, der aber nicht nachtrauerte, sondern sich „topzufrieden“ zeigte.
Was Seitz mit Lebendigkeit umschreibt, sieht auch Reutelhuber als entscheidende Veränderung in der Herangehensweise seiner Spieler an die zweite Hälfte: „In der ersten Halbzeit waren wir sehr passiv. Wir können dann froh sein, dass es nur 2:0 steht zur Halbzeit, wobei so richtig viele klare Torchancen hatten sie nicht. Dann haben wir in der Halbzeit ein bisschen umgestellt, waren mutiger – und das hat man gemerkt. Es hat sich ausgezahlt.“
Was mit Mut möglich ist, haben die Ansbacher am Freitagabend gezeigt. Unter den Augen von Bayerns Bundesliga-Coach Vincent Kompany gelang es, den Favoriten zu Fehlern zu zwingen, Torchancen herauszuspielen und auch zu punkten.
Nach der 1:4-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg II zum Saisonauftakt dürfte das die Erwartungen für den 3. Spieltag noch höher schrauben als sie schon waren. Denn das Heimpiel gegen Viktoria Aschaffenburg am Freitag, 2. August, war vor Saisonbeginn als das mit Abstand leichteste im sehr schweren Ansbacher Startprogramm ausgemacht worden.
Aschaffenburg reist nach einem 1:2 gegen Aufsteiger Schwaben Augsburg und einem 0:4 bei Wacker Burghausen als Tabellenletzter an. Es dürfte kaum verwundern, wenn Reutelhuber hier den ersten Sieg einfordern wird. Was helfen dürfte: Die Verletzten werden dann eine weitere Woche Regenerationszeit in den Beinen haben. Schon vor dem München-Spiel deutete der Coach an, dass er gegen Aschaffenburg personell wieder mehr Optionen haben wird.
Bayern München II: Schmitt – Manuba, Brückner, Dettoni, Breitkreuz, Becker (65. Qashi), Dell'Erba, Scott (65. Unsöld), Wagner (81. Eckl), Kern (81. Nasrawe), Asp Jensen.
SpVgg Ansbach: Schiefer – Belzner, Weeger, Hahn, Manz, Hayer – Ücüncü (85. Angermeier), Kestel, Seefried – Kroiß, Schmidt (89. Döring).
Torfolge: 1:0 Timo Kern (9.), 2:0 Davide Dell’Erba, 2:1 Lukas Schmidt (51.), 2:2 Nico Hayer (57.).- Gelb: Kern, Dell’Erba / Seefried, Hayer, Belzner, Manz, Hahn, Schmidt.- Schiedsrichter: Felix Wagner (SSV Glött).- Zuschauer: 850.