Zwischen Mahd und Mähtod: Peta stellt Strafanzeige gegen Landwirt bei Bechhofen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.06.2026 14:28

Zwischen Mahd und Mähtod: Peta stellt Strafanzeige gegen Landwirt bei Bechhofen

Junge Rehkitze drücken sich zum Verstecken flach auf den Boden und sind so ohne Hilfsmittel erst aus kürzester Distanz erkennbar.  (Foto: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn)
Junge Rehkitze drücken sich zum Verstecken flach auf den Boden und sind so ohne Hilfsmittel erst aus kürzester Distanz erkennbar. (Foto: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn)
Junge Rehkitze drücken sich zum Verstecken flach auf den Boden und sind so ohne Hilfsmittel erst aus kürzester Distanz erkennbar. (Foto: Patrick Pleul/dpa/dpa-tmn)

Es wird wieder fleißig gemäht auf den Wiesen Westmittelfrankens. Wegen der ungewöhnlich hohen Temperaturen in diesem Jahr sogar deutlich mehr und früher als normalerweise. Das verschärft das alljährliche Spannungsfeld zwischen Mahd und Wildtierrettung im Frühsommer.

In Wiesen und Feldern halten sich zu dieser Jahreszeit Jungtiere wie Feldhasenjunge und Rehkitze auf, darauf weist auch das Landratsamt Ansbach hin. Ebenso befinden sich dort die Nester zahlreicher Bodenbrüter, darunter Lerchen, Rebhühner, Kiebitze sowie Wiesen- und Kornweihen.

Gleich zwei Polizeimeldungen aus den vergangenen Tagen verdeutlichen, dass es für Rehkitze um Leben und Tod gehen kann: Bei Bechhofen (Landkreis Ansbach) hatte ein Mähwerk zwei Jungtiere getötet. Laut der Polizeiinspektion Feuchtwangen ermitteln die Beamten nun wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen den Landwirt, der die Wiese bewirtschaftet. Der hatte den zuständigen Jäger weder über die geplante Mahd informiert, noch die Wiese vorher gründlich abgesucht, hieß es in der Mitteilung. Beim Absuchen arbeiten Landwirte und Jägerinnen und Jäger im Idealfall nämlich eng zusammen.

Für zwei Rehkitze ging es bei Bechhofen schlecht aus. (Symbolbild: Patrick Pleul/dpa)

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Peta stellte Strafanzeige gegen den Landwirt

Die Tierschutzorganisation Peta stellte am Donnerstag laut einer Pressemitteilung in diesem Fall Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Ansbach. Zudem seien die Naturschutzbehörde und das Veterinäramt des Landkreises Ansbach gebeten worden, Maßnahmen zu ergreifen, „um weitere mögliche Tierquälereien durch den Verantwortlichen zu unterbinden”.

Nach dem vergangenen Wochenende erklärte die Polizei dann, dass ein weiterer Landwirt bei Windsbach (Landkreis Ansbach) beim Mähen einer Kleewiese vermutlich drei Rehkitze getötet hat. Laut der Mitteilung hatte er die Wiese vor dem Mähen offenbar nicht gründlich genug durchsucht, obwohl der Mann zuvor ausführlich darüber belehrt worden sei. Auch in diesem Fall wird wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt.

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Landratsamt empfiehlt konkrete Maßnahmen

Denn die gesetzliche Situation ist klar: Der Wildtierschutz ist keine freiwillige Maßnahme, sondern für die Landwirtinnen und Landwirte vor dem Mähen Pflicht. Das Landratsamt empfiehlt als konkrete Maßnahmen unter anderem das sorgfältige Absuchen der Flächen. Hierbei können Helferinnen und Helfer – mit oder ohne Wärmebilddrohnen – unterstützen, beispielsweise Jäger, Hegeringe oder Wildtierrettungsvereine. Bereits am Abend vor den Mäharbeiten sollten Wildscheuchen oder andere Vergrämungsmittel eingesetzt werden.

Die Mähgeschwindigkeit sollte reduziert und die Mähzeiten sollten so angepasst werden, dass ein vorheriges Absuchen der Flächen möglich ist. Außenränder der Wiesen können laut Landratsamt bereits einen Tag vor der eigentlichen Mahd gemäht werden, um eine Scheuchwirkung zu erreichen.

Auch der bayerische Gesetzgeber hat laut Landratsamt die Bedeutung der Wildtierrettung erkannt und die rechtlichen Rahmenbedingungen mit der jüngsten Jagdrechtsnovelle deutlich verbessert. Das Absuchen von Flächen zur Rettung von Rehkitzen gelte nun ausdrücklich nicht mehr als Jagdausübung. Ist der örtlich zuständige Jagdpächter nicht erreichbar, können Landwirte oder deren Beauftragte eigenständig tätig werden und die Flächen selbst absuchen beziehungsweise absuchen lassen. Dadurch gewinnen landwirtschaftliche Betriebe deutlich mehr zeitliche Flexibilität.

Bauernverband ist um Aufklärung bemüht

Trotz der jüngsten tragischen Vorfälle in der Region betont Reinhold Meyer, Ansbacher Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), dass die Landwirtinnen und Landwirte in der Region das Thema Wildtierschutz sehr ernst nehmen. „Der BBV klärt seine Mitglieder mit Rundschreiben, einem Mähknigge und vielem mehr dazu sehr gut auf”, macht er deutlich.

Es werde sehr viel für den Schutz der Tiere unternommen, es gebe in der Region aber auch riesige landwirtschaftliche Flächen. Meyer ist der Meinung, dass ein hundertprozentiger Schutz der Tiere nicht möglich ist. Sein Verband verfolge aber das Ziel, die Mitglieder zu sensibilisieren. Was die Einzelnen daraus machen, das liege natürlich im persönlichen Entscheidungsbereich.

Ein Landwirt hat bei Windsbach vermutlich drei Rehkitz getötet – trotz Belehrung. (Symbolbild: Uwe Anspach/dpa)

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Einen etwas anderen Blick auf das Thema hat Dietrich Schneider, der Fachgruppenleiter Drohnen der Jägervereinigung Ansbach. Die Tierrettung, vor allem mit modernen Drohnen, sei „sehr erfolgreich”. Es gebe aber einige Leute, die davon nichts hielten und nichts zum Schutz der Tiere unternähmen. „Solche Fälle müssen nicht sein”, findet er mit Blick auf die jüngsten tödlichen Meldungen.

Bei den riesigen Mähern, die zum Teil inzwischen eingesetzt würden, habe nicht einmal ein ausgewachsenes Reh eine Chance, zu entkommen. Insgesamt habe sich die Zusammenarbeit mit den bäuerlichen Betrieben in den vergangenen Jahren aber massiv verbessert, macht auch Schneider deutlich.

Jeden Morgen ab 5 Uhr mit der Drohne unterwegs

Seit zwei Wochen sei er jeden Morgen ab 5 Uhr mit seiner Drohne auf den Beinen, an manchen Tagen auch mittags. Das sei bisher schwierig gewesen, neuere Drohnenmodelle könnten die Tiere im Gras aber inzwischen auch bei Sonnenschein erkennen.

In den vergangenen vier Jahren, so Schneider, habe er mit der Drohne ein einziges Rehkitz übersehen. „Die Helfer zu Fuß sehen die Tiere manchmal nicht, wenn sie einen halben Meter vor ihnen sind. Mit der Drohne erkennen wir aus 80 Metern Höhe eine Maus“, verdeutlicht er. Zusammen mit vier Kollegen kamen im vergangenen Jahr etwa 150 Drohnen-Einsätze zusammen. Dieses Jahr geht er anhand der bisherigen Nachfrage von deutlich mehr Einsätzen aus.

Eine besondere Herausforderung für die Helferinnen und Helfer sind hier in der Region auch die großen amerikanischen Kasernengebiete. Bei Katterbach zum Beispiel gebe es Felder, die bis an den Kasernenzaun reichen. Jeder einzelne Drohnenflug in diesem sensiblen Bereich benötigt eine Genehmigung. Die Zusammenarbeit mit der US-Armee bezeichnet Schneider aber als „sehr gut”.


Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
Redakteur für Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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