Zahl getöteter Greifvögel in Bayern angestiegen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.01.2026 14:23

Zahl getöteter Greifvögel in Bayern angestiegen

Zwei tote Vögel im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen - auch sie könnten vergiftet worden sein. (Archivbild)  (Foto: -/Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm/dpa)
Zwei tote Vögel im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen - auch sie könnten vergiftet worden sein. (Archivbild) (Foto: -/Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm/dpa)
Zwei tote Vögel im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen - auch sie könnten vergiftet worden sein. (Archivbild) (Foto: -/Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm/dpa)

Vergiftet, beschossen, in Fallen gefangen: Im vergangenen Jahr sind 133 tote Großvögel wie Bussarde und Milane gemeldet worden, bei denen zumindest ein Verdacht auf illegale Tötung besteht. Das seien fast dreimal so viele wie 2024, wie aus Angaben des bayerischen Naturschutzverbands LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Gregor-Louisoder-Umweltstiftung (GLUS) hervorgeht.

In 30 Fällen sei eine Vergiftung nachgewiesen worden. Es gebe eine enorm hohe Dunkelziffer. Wichtig sei es, tote Vögel an die Behörden zu melden. 

Besonders oft hätten Täter zu dem seit 2008 in der EU verbotenen Insektizid Carbofuran gegriffen. „Das Nervengift Carbofuran wirkt bereits bei Hautkontakt und ist auch für Menschen und Haustiere gefährlich“, warnte die LBV-Projektmitarbeiterin Nicole Meier. Fresse ein Greifvogel einen damit präparierten Giftköder, verende er rasch und qualvoll. 

Viele Fälle - aber kein Täter gefunden

Im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau wurden Ende Juli auf engem Raum mehr als zwölf tote Vögel gefunden, darunter Arten wie der Schwarzmilan, Rotmilan und Mäusebussard. Die Tiere starben alle an Vergiftungen mit Carbofuran, wie Untersuchungen zeigten. Die Polizei ermittele hier. 

Es habe in Bayern aber bisher keine einzigen dem LBV bekannten Fall gegeben, in dem ein Täter zur Rechenschaft gezogen wurde. Insofern könne über die Motive nur gemutmaßt werden.

Aufsehen erregte auch eine Tat im unterfränkischen Landkreis Haßberge, wo im Oktober ein Mäusebussard mit dem verbotenen Insektizid Parathion – bekannt als E605 – vergiftet worden war. Parathion sei ein hochtoxisches Nervengift, das schon bei Hautkontakt zu Erbrechen, Durchfall, Atemlähmung, schweren Krämpfen oder sogar dem Tod führen könne, erläuterten die Naturschützer. In der Nähe des Ortes, an dem der tote Mäusebussard gefunden wurde, starben im gleichen Jahr mehrere Hunde, die Vergiftungssymptome hatten. 

Gift-Taube als Köder

Neben Fleisch oder Schlachtabfällen setzen die Täter den Angaben zufolge auch sogenannte Kamikazetauben als Köder ein. Die Tauben werden mit Gift im Nacken eingestrichen - vermutlich um Greifvögel wie Habicht oder Wanderfalke zu vergiften, die andere Vögel in der Luft jagen. Im vergangenen Jahr seien zwei derartige Fälle registriert worden, im Landkreis Regensburg und im Landkreis Miesbach. Zudem wurden Greifvögel beschossen oder in Fallen gefangen.

Neben vorsätzlichen Tötungen beschäftigen die Naturschutzverbände auch unbeabsichtigte Vergiftungen. So starb im März ein Gänsegeier im Unterallgäu an einer Bleivergiftung. Der seltene Vogel hatte das Schwermetall vermutlich mit dem Aas eines Wildtieres aufgenommen, das mit bleihaltiger Jagdmunition beschossen worden war. Naturschützer setzen sich seit Langem für eine Jagd mit bleifreier Munition ein, wie sie im bayerischen Staatswald schon umgesetzt werde. Teils sei auch Rattengift Todesursache für Greifvögel.

© dpa-infocom, dpa:260128-930-608733/1


Von dpa
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