Viel Zeit hatte Kultusministerin Anna Stolz zwar nicht, doch trotz des Ringens in München um die Zustimmung für die Lockerungen zur Schuldenbremse wollte sie den Besuch der Deutschklasse nicht ausfallen lassen.
Der Bayerischen Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Anna Stolz, sind Besuche in Schulen nach eigenem Bekunden wichtig. Bevor es weiter nach München ging, machte sie beim Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium Station, um sich ein Bild von der dortigen integrativen Deutschklasse zu machen.
Dort warteten die Schülerinnen und Schüler schon gespannt und auch etwas leicht nervös auf den angekündigten Besuch, schließlich kommt nicht jeden Tag eine Staatsministerin an die Schule. Begleitet wurde Anna Stolz von der Landtagsabgeordneten Gabi Schmidt und von Landrat Dr. Christian von Dobschütz.
In den vergangenen Jahren seien an nahezu allen Schularten schulartspezifische Integrations- und Sprachfördermaßnahmen entwickelt worden, heißt es auf der Homepage des Kultusministeriums. Diese in den vergangenen Jahren bereits erweiterten Angebote sollten schrittweise bedarfsgerecht weiter ausgebaut werden mit dem Ziel einer möglichst flächendeckenden Erreichbarkeit.
Als weiteres langfristiges Instrument der schulischen Erstintegration wurden ab dem Schuljahr 2024/2025 an Mittelschulen, Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien schulartunabhängige Deutschklassen der Jahrgangsstufen fünf und sechs eingerichtet. Geschaffen worden seien diese aus den ehemaligen Deutschklassen an den Mittelschulen und den Brückenklassen, erklärte Stolz. Letztere seien zur Integration der ukrainischen Schülerinnen und Schüler eingerichtet worden. Die schulartunabhängigen Deutschklassen in den Jahrgangsstufen fünf und sechs wurden zum Schuljahr 2024/2025 entsprechend ihrem schulartübergreifenden Charakter in der Bayerischen Schulordnung verankert.
In der Deutschklasse am Steller-Gymnasium würden derzeit 14 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, sagte Schulleiter Uwe Nickel im Gespräch mit der Redaktion. Sie hätten einen eigenen Stundenplan. Neben Deutsch gebe es Mathematik, Englisch, Sport, Unterricht im künstlerisch-musischen Bereich, im naturwissenschaftlichen Bereich, kulturelle Bildung und Ethik. Alles in allem 30 Stunden die Woche.
Nickel selbst unterrichtet auch – in Naturwissenschaften. „Im Prinzip als Sprachtraining“, erläutert er. Aktuell gehe es bei ihm um Karte und Wetter. Dabei werde mit Sätzen wie „Morgen ist es kälter als heute“ auch Sprache trainiert.
Ein solches Training präsentierte auch die Lehrerin Andrea Käufer-Riedl. Nachdem einige Schülerinnen und Schüler erzählt hatten, woher sie kommen und was sie sich wünschen, ging es zum Gruppentisch. Dort gab es Popcorn, Salzstangen oder Marshmallows. Die Schüler durften beschreiben, ob es süß oder salzig schmeckte. Beim Zusammenfügen von Puzzle-Teilen lernten sie gegensätzliche Adjektive kennen, die sie in einen ganzen Satz einbauten wie „Der Dinosaurier ist groß“ oder „Der Kaffee ist heiß“.
„Rund um den Globus“, lautet die Antwort von Nickel auf die Frage, woher die Schüler kommen. Aus Europa, aus der Ukraine oder aus Mittel- und Südamerika und von den Philippinen, konkretisiert er.
Für Stolz ist die Einrichtung der schulartunabhängigen Deutschklassen von großer Bedeutung. Ihr sei das Signal wichtig, dass Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Deshalb sagte sie der gesamten Schulfamilie ausdrücklichen Dank für die Solidarität, um diese Klassen einzurichten. Diese seien ein „atmendes System“, was bedeute, dass man von Schuljahr zu Schuljahr schauen werde, wie viele Klassen an welcher Schulart eingerichtet werden.
Bevor es zu einem nicht-öffentlichen Gedankenaustausch mit Vertretern der Schulleitung, der Eltern und der Schüler kam, übergab die Staatsministerin noch ein „Verkehrsschild der Gerechtigkeit“ an Tim Ackermann und Eileen Möhring, die seit Februar 2023 die Wertebotschafter an der Schule sind. Überreicht wurde eine Art Vorfahrtsschild, auf dem zwei sich drückende Hände abgebildet sind.