Weinturm Open Air in Bad Windsheim: So sieht die Zukunft des Festivals aus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.02.2025 19:00

Weinturm Open Air in Bad Windsheim: So sieht die Zukunft des Festivals aus

Sonne, gute Musik und „volles Haus“: So soll es auch bei der 46. Auflage des Weinturm Open Airs vom 8. bis 10. August über den Dächern Bad Windsheims wieder aussehen – hier ein Foto aus dem Vorjahr. (Foto: Evi Lemberger)
Sonne, gute Musik und „volles Haus“: So soll es auch bei der 46. Auflage des Weinturm Open Airs vom 8. bis 10. August über den Dächern Bad Windsheims wieder aussehen – hier ein Foto aus dem Vorjahr. (Foto: Evi Lemberger)
Sonne, gute Musik und „volles Haus“: So soll es auch bei der 46. Auflage des Weinturm Open Airs vom 8. bis 10. August über den Dächern Bad Windsheims wieder aussehen – hier ein Foto aus dem Vorjahr. (Foto: Evi Lemberger)

Die Frage nach dem Sinn des Lebens dürfte wohl für immer unbeantwortet bleiben. Die großen Fragen eines Festivals müssen dieses Schicksal aber längst nicht teilen. Auch das Bad Windsheimer Weinturm Open Air macht sich Gedanken über seine gesellschaftliche Rolle – schließlich ist es mehr als „nur“ Musik. Inklusion, Teilhabe, Gleichberechtigung: Es geht um große Themen.

Einmal im Jahr steigt der „Festival Playground“. Dabei handelt es sich um ein Festival nur für Festivals. Die Organisatoren von über 120 Open-Airs treffen sich dort, um über Inhalte zu sprechen, die alle beschäftigen. Infrastruktur, Preisgestaltung, Inflation. Wieso sich darüber alleine Gedanken machen, wenn das doch auch im großen Kreis mit viel Know-how möglich ist. Bereits zum zweiten Mal war in der prominent besetzten Runde im November auch eine Gruppe des Weinturm Open Airs dabei. Und die Konferenz hallt nach – bis heute.

Soliticket als erste große Errungenschaft

Auf der Nordsee-Halbinsel Butjadingen vertreten war auch Martin Bauer, der sich mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern seitdem verstärkt Gedanken über gesellschaftliche Entwicklungen und die Rolle des Bad Windsheimer Festivals macht. Das erste Ergebnis: Solitickets, welche 2024 erstmals angeboten wurden.

Das Konzept: Jeder, der es sich leisten kann, zahlt mehr als den aufgerufenen Preis. Das „Trinkgeld“ wandert in einen Topf – daraus werden die günstigeren Solidaritätskarten finanziert. Bei der Premiere war die Nachfrage da. Entsprechend sollen heuer einige Solis mehr angeboten werden – die solventeren Besucherinnen und Besucher haben sich 2024 großzügig gezeigt, weshalb das möglich wird.

Dem Weinturm-Team ist die soziale Teilhabe jedenfalls ein wichtiges Anliegen. Ob jemand am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, darüber sollen schließlich nicht nur der Geldbeutel und dessen Füllung entscheiden, findet Bauer. „Wir sind nicht nur ein Musikfestival, sondern versuchen auszuprobieren, wie Gesellschaft auch sein könnte.“

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Preise für Festival-Ticket steigen

Und obwohl es dem Bad Windsheimer Jugend- und Kulturförderverein – dem Weinturm-Veranstalter – schwer fällt, müssen heuer die Kartenpreise angepasst werden. „Die Kosten steigen weiter, wenn auch nicht mehr so wie in der ganz extremen Inflationszeit.“ Trotzdem muss sich das Open-Air, auch wenn es nicht kommerziell ist, tragen.

Konkret bedeutet das: für das Wochenendticket werden heuer 74 Euro fällig, das Soliticket wird für 54 Euro angeboten. Der Shop für Wochenendkarten öffnet am Samstag, 1. März, um 18 Uhr. Um Solis zu kaufen, ist übrigens kein Nachweis nötig, das Team vertraut auf die Ehrlichkeit der Gäste. Und die Bitte, eifrig für die Solitickets zu spenden, gelte natürlich weiterhin, so Bauer.

Familienfreundlichkeit steht im Vordergrund

Auf dem Playground ging es auch darum, wie sich die Festivallandschaft wandeln wird. Das kann sich ganz konkret äußern – Bauer nennt beispielsweise Bauzäune und Alternativen, die für so ein Wochenende gebraucht werden –, aber auch ein wenig theoretischer. Wie ist es um die Demokratie und Gesellschaft bestellt? Und welchen Einfluss können Festivals darauf nehmen? Zwei Fragen, die „nicht so leicht zu lösen“ sind, wie der Sprecher des Orga-Teams gesteht. Aber es gebe kleine Bausteine, die langsam aber stetig in die richtige Richtung führen.

Der Wohlfühlfaktor stehe seit Jahren auf dem Weinturmplateau hoch im Kurs. Jeder Mensch sei willkommen – unabhängig vom Geschlecht, der Herkunft, des Glaubens oder der Äußerlichkeiten. Ein großes Plus, sagt Bauer, sei die Familienfreundlichkeit, „die bei uns im Mittelpunkt steht“. Traditionell finden sich vor allem am Nachmittag Kinder mit riesigem Gehörschutz tanzend in der ersten Reihe, „weil unser Publikum da Rücksicht nimmt. Wir haben da etwas aufgebaut und etabliert, was nicht selbstverständlich ist“.

Bad Windsheimer Weinturm will nachhaltiger werden

Weitere Themen und Antworten auf die großen Fragen werden derzeit – wie das Open Air zu 100 Prozent ehrenamtlich – in Kleingruppen erarbeitet. In Sachen Energieversorgung will das Weinturm noch nachhaltiger werden. „Es gibt konkrete Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind.“ Es sei auch noch nicht klar, ob diese bis zur 46. Auflage vom 8. bis 10. August schon so ausgearbeitet sind, dass sie umgesetzt werden können. Schließlich sollen die Gruppen Spaß haben und nicht unter Abgabedruck stehen.

Auch Müllvermeidung und bessere Mülltrennung stellen einen großen Bereich dar, in dem das Weinturm-Team noch Verbesserungspotenzial sieht. Jedoch sei auch das ein Feld, in dem das Festival lieber kleine Schritte gehe. „Wir wollen im Rückblick sagen können: Da hat sich etwas entwickelt.“ Schließlich stecke der Teufel in der Detailarbeit.

Kompost-Toiletten auf dem Festival bleiben

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Kompost-Toiletten, die nach einer Pause dann im Jahr 2024 ihre Weinturm-Renaissance gefeiert haben. Aus den Fäkalien wird später Dünger und Humuserde, bei herkömmlichen Dixie-Klos wird die „Füllung“ einfach entsorgt, ohne praktischen Nutzen. „Deshalb kann ich auch sagen, dass wir uns das ganz bewusst leisten“, sagt Bauer. Denn die Kosten für die Öko-Variante seien höher. „Aber die Komposttoiletten haben in der subjektiven Wahrnehmung auch mehr Komfort.“ Entsprechend werden sie heuer wieder im Einsatz sein.

„Wir haben vom Festival Playground viele Anregungen und Ideen mitgenommen“, betont Martin Bauer. „Auch wenn sich der Weinturm von der Optik nicht revolutionär ändern wird.“ Diese „Entwicklungsarbeit“ komme für die Ehrenamtlichen aber noch obendrauf zu den sowieso nötigen Organisationsaufgaben, die Jahr für Jahr anstehen. „Für uns stellt sich die Frage, wie wir unser Open-Air für die Zukunft rüsten können – Hand in Hand mit dem Ehrenamt.“

Open Air will sich politisch positionieren

Und politisch will sich das Bad Windsheimer Weinturm Open Air eben durchaus positionieren. „In diesen Zeiten fühlt es sich so an, als hätte es eine andere Dringlichkeit“, betont der Sprecher des Orgateams. „Ich habe die Hoffnung, dass wir als Open Air in der polarisierten gesellschaftlichen Landschaft ein Ort sein können, wo Zusammenhalt und Verständnis aufkommen. Kleber für unsere Gesellschaft. Das können Kultur und Feiern leisten.“

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