Es ist seit 2005 ein gewohntes Bild: Bäckermeister Walter Friedel steht auf der Bühne am Reiterlesmarkt neben einem selbstgebackenen Lebkuchenhaus, zerlegt es und reicht die Teile weiter. Doch nach 20 Jahren ist es damit vorbei: Friedel hat seine Bäckerei übergeben und wird an der Aktion zumindest als Chef nicht mehr teilnehmen.
Friedel blickt zurück: „Der Gedanke vor 20 Jahren war, für die Kinder etwas Kulinarisches anzubieten. Etwas, worauf sie sich kurz vor Weihnachten freuen können und was sie überrascht.” Die Aktion wurde zur Tradition: Das Brothaus und die Bäckerei Striffler stiegen mit ein. Doch nun, mit 68 Jahren, beendet Friedel seine Berufslaufbahn. Bäckermeister Florian Striffler hat den Betrieb bereits im Juli übernommen.
Darum war dieses Lebkuchenhaus wohl Friedels letztes. Der Abschluss war schon etwas anders als sonst: Erstmals fand die Vergabe der Lebkuchen prominent vor dem Rathaus, nicht wie bisher am Grünen Markt statt. Florian Striffler fand dies angemessen: „Hier sind wir auf der Pole Position.” Und auch die Lebkuchen waren mehr als sonst: 400 Stück, das Hexenhaus war 25 Kilogramm schwer und maß mit Unterbau 1,75 Meter – so groß und schwer war es noch nie.
Die Moderation vor Hunderten von Zuschauerinnen und Zuschauern übernahm Striffler fast komplett. Er erzählte eine abgewandelte, kindergerechte Variante von „Hänsel und Gretel”. Für ihn die Moral des Märchens, wie für das jährliche Stemmen der Lebkuchenhaus-Aktion durch die drei Rothenburger Bäcker: „Gemeinsam kann man alles schaffen.” Friedel übernahm erst am Ende und vergab auch die ersten Lebkuchen.
Wie war sein letzter großer Auftritt am Reiterlesmarkt nun für ihn? Wird ihm die Aktion, die er aus der Taufe gehoben hat, fehlen? „Ich fühle mich fast ein wenig wie Thomas Gottschalk bei dessen Abschied”, sagt er mit einem Lachen. „Es war ein schöner Abschluss.” Sorgen um ihn brauche man sich keine machen: „Langweilig wird mir jetzt nicht werden.”
Und doch wird er etwas melancholisch: „Es ist irre, wie die Zeit vergeht. Viele der Kinder, die ich seit 20 Jahren beschenke, sind heute erwachsene Männer und Frauen und kommen mit ihren eigenen Kindern.” Heute wie damals freue er sich über Kinder, die sich über die Lebkuchen freuen.
Das alljährliche Lebkuchenhaus wird es auch ohne Friedel geben. Und so ganz will er die Tür zum Abschied dann doch nicht zufallen lassen: „Die Leitung werde ich definitiv nicht mehr übernehmen. Wer weiß, vielleicht bin ich das nächste Mal einfach so dabei.”