Während der Anfänge des Ruhewalds Frankenhöhe waren Beisetzungen unter Bäumen hierzulande noch eine absolute Seltenheit. Inzwischen hat sich das komplett verändert. Für immer mehr Menschen ist eine möglichst natürliche letzte Ruhestätte eine reizvolle Option geworden.
Friedlich und ruhig stehen sie da am Ortsrand des Leutershausener Gemeindeteils Oberramstadt: Mehr als 1000 Bäume bilden hier auf einer Fläche von 6,5 Hektar im für Westmittelfranken typisch hügeligen Terrain den Ruhewald Frankenhöhe. An einem trockenen Herbsttag, wenn zunächst noch der Nebel in den Wipfeln hängt, dann aber Stück für Stück die Sonne durchbricht, entfaltet dieser Ort seine ganze Magie.
Wobei das mit der Idylle natürlich so eine Sache ist, wie auch Markus von Eyb zugibt. Schließlich ist hier draußen alles echte Natur und wer sich regelmäßig im Wald aufhält, der weiß, dass da nicht immer nur die Sonnenstrahlen im Gesicht kitzeln.
Der zentrale Platz für die Trauerfeiern hat auch keine Überdachung, bei einer Beisetzung muss man das Wetter so nehmen, wie es kommt. Einigen Trauergesellschaften habe er – nur halb im Scherz – nach tagelangem Starkregen auch schon mal geraten, lieber mit Gummistiefeln zur Beisetzung zu kommen. „Wenn ich eine Unwetterwarnung auf dem Handy habe, dann muss ich die Trauerfeier kurzfristig absagen“, verdeutlicht er.
Markus von Eyb ist als Schlossherr von Schloss Rammersdorf zusammen mit seinem mehrköpfigen Team für den Ruhewald zuständig. Die Waldfläche befindet sich seit Generationen im Besitz der Freiherren von Eyb. Träger des öffentlichen Friedhofs ist aber die Stadt Leutershausen.
Die Idee zum Ruhewald, den es seit 2010 gibt, stammte von von Eyb selbst. Damals waren derlei Bestattungsformen in Deutschland noch weitestgehend unbekannt. Dementsprechend gab es das eine oder andere bürokratische Hindernis, aber durchaus auch Widerstände aus der Bevölkerung zu überwinden, erinnert er sich. Letztlich fiel ein Bürgerentscheid in Leutershausen zugunsten des Ruhewaldes aus.
Kaum einer hat die Entwicklung im Bereich der Waldbestattungen in den vergangenen Jahren derart hautnah miterlebt wie von Eyb. Dementsprechend eindrucksvoll sind auch die Zahlen, von denen er spricht: „Im ersten Jahr haben wir hier gerade mal die ersten beiden Exoten unter die Erde gebracht. Inzwischen haben wir im Schnitt beinahe an jedem Werktag eine Beisetzung.“
Nach wie vor gebe es im Abstand von mehreren Wochen Informations-Führungen für potenzielle Kundinnen und Kunden. Doch während man früher viel erklären musste, wisse heute eigentlich fast jeder, was ein Ruhewald ist. In den Anfangszeiten sei das Gelände auch weniger als halb so groß gewesen. Inzwischen hat der Ruhewald eine deutliche Erweiterung hinter sich, ein erneuter Ausbau wäre platztechnisch denkbar.
Doch was macht für von Eyb den Reiz eines solchen Ortes aus? Der Wald, so sein Eindruck, habe für viele Menschen eine deutlich weniger bedrückende Atmosphäre als ein Friedhof. Die Beisetzungen an einem bestimmten Baum und einem Ort, der über Namensschilder und Nummerierungen wiederzufinden ist, seien außerdem ein guter Kompromiss: „Viele haben das Bedürfnis nach einem fest Platz, an die sie die Verstorbenen besuchen können“, so seine Erfahrung.
Der Baum, an dem die Urne begraben wurde, werde für viele fast ein Teil der Familie. Dementsprechend sei es für manche Hinterbliebenen natürlich emotional sehr schwierig, wenn – zum Beispiel aufgrund einer Krankheit – ein Baum gefällt werden müsse. Doch auch das komme hin und wieder vor, wie im ganz normalen Wald eben auch. In einem solchen Fall wird an der selben Stelle ein neuer, etwa zwei Meter hoher Baum gepflanzt. Vergänglichkeit und der Wandel vom Alten zum Neuen werden so unmittelbar sichtbar.
Die Natur schlage hier nun einmal voll durch. Das bekämen durchaus auch die Mitarbeiter zu spüren: In trockenen Sommern müssten wegen des tonigen und harten Erdbodens auch schon mal zwei Personen mit der Bohrmaschine ran, um die Löcher für die Urnen auszuheben.
Die kleine Trauerfeier können die Hinterbliebenen hier frei gestalten. Von Stille, über Musik aus der Box bis hin zu Livemusik ist alles denkbar. Markus von Eyb hat einen anderen Favoriten: „Am schönsten ist es im Frühling, wenn man einfach ein paar Minuten dasitzen und zuhören kann, wie die Vögel zwitschern. Mehr braucht es nicht.“
Neben dem Ruhewald Frankenhöhe hat auch der Ruheforst Landhege, welcher der Stadt Rothenburg gehört, schon eine Erweiterung wegen gestiegener Nachfrage hinter sich. Vergangenes Jahr wurde er um 250 Grabflächen vergrößert. Inzwischen hat er eine Größe von 6 Hektar erreicht, bei der Eröffnung im Jahr 2009 waren es noch 3,5 gewesen. Auch im Ruheforst hat es im ersten Jahr gerade einmal zwei Beisetzungen gebeben, inzwischen sind es jährlich mehr als 100. Neben Ruhewäldern und Friedwäldern ist auch auf den Waldfriedhöfen das stetig wachsende Interesse an naturnaher Bestattung spürbar. Auf dem Ansbacher Waldfriedhof hat es in den vergangenen beiden Jahren genau 191 Urnenbestattungen gegeben. 77 davon fanden im Jahr 2022 unter Bäumen statt, im Jahr 2023 waren es 72. Bei den Bestattungen in Särgen hat die Zahl der Beisetzungen auf dem Ansbacher Stadtfriedhof seit 2020 kontinuierliche abgenommen, während sie auf dem Waldfriedhof im selben Zeitraum zunahm.Auch auf dem Waldfriedhof in Neustadt/Aisch haben die Beisetzungen in den vergangenen Jahren „definitiv zugenommen“, erklärt Stefan Langmann, der Leiter des Standesamtes. Vor 2010 habe es dort etwa 25 Beisetzungen pro Jahr gegeben. 2010 kam dann die Möglichkeit der Baumbestattungen hinzu – und die Zahl der Beisetzungen verdoppelte sich auf jährlich rund 50. Seitdem die Stadt am Waldfriedhof ein pflegefreies Urnengrabfeld angelegt hat, habe sich die Zahl noch einmal auf etwa 100 pro Jahr verdoppelt. In Kürze soll laut Langmann außerdem ein neuer Ort für Baumbestattungen entstehen, fünf weitere Bäume sollen im November gepflanzt werden. Neben den bereits aufgezählten Ruhestätten setzen auch der Naturfriedhof in Dinkelsbühl und der Waldfriedhof in Neuhof auf naturnahe Bestattung. Kurz hinter der Landkreisgrenze von Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ist dies außerdem im Friedwald Schwanberg möglich. Der Bestattungswald Ruhebaum Romantische Straße in Fremdingen befindet sich ebenfalls nur wenige Kilometer hinter der Ansbacher Landkreisgrenze.