Wal-Drama: Rettungsteam will nun auf Lastkahn setzen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.04.2026 02:13, aktualisiert am 23.04.2026 12:03

Wal-Drama: Rettungsteam will nun auf Lastkahn setzen

Der Buckelwal liegt in einer ausgespülten Wanne vor der Insel Poel. (Foto: Philip Dulian/dpa)
Der Buckelwal liegt in einer ausgespülten Wanne vor der Insel Poel. (Foto: Philip Dulian/dpa)
Der Buckelwal liegt in einer ausgespülten Wanne vor der Insel Poel. (Foto: Philip Dulian/dpa)

Die private Initiative zur Rettung des vor der Ostsee-Insel Poel liegenden Buckelwals hat eine neue technische Variante im Blick. Wie ein Mitglied der Initiative mitteilte, soll das zwölf Tonnen schwere Tier nun mit einer sogenannten Barge transportiert werden.

Dabei handelt es sich um einen etwa 15 Meter breiten, absenkbaren Lastkahn, der nicht selbstständig fährt, sondern von Schleppern gezogen wird. Die Barge sei auf dem Weg aus dem Hamburger Raum, hieß es weiter. Wann genau sie eintreffe, sei nicht klar. Geplant sei zuvor noch ein Stopp in einer Werft in Wismar. Beim Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern wollte man sich vor einer Lagebesprechung nicht zu den Details äußeren.

Die Anfahrt brauche Zeit, da die Barge nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten, etwa neun Kilometern in der Stunde, unterwegs sei und durch den Nord-Ostsee-Kanal müsse, hieß es von der Initiative.

110 Meter lange Rinne soll zum Fahrwasser gebaggert werden

Der Chef des von der Initiative beauftragten Baggerunternehmens, Fred Babbel, kündigte an, dass vom jetzigen Liegeplatz des Wals eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne zum Fahrwasser freigebaggert werden soll: „Das müssten wir in gut zwei Tagen schaffen.“ Ein weiterer Bagger, der bei der Strandung vor Timmendorfer Strand im Einsatz war, solle „heute oder morgen früh“ eintreffen.

Details, wann und wie das Tier durch die Rinne gelangen soll, nannte Babbel nicht, sagte aber: „Wir können ihn freilassen oder auf anderem Weg transportieren.“ Das weitere Vorgehen nach dem Baggern der Rinne sei noch in der Abstimmung.

Am Morgen waren wieder Helfer beim Wal, der noch immer in der frei gespülten Kuhle am Ende der Kirchsee liegt. „Wir waren die ganze Nacht vor Ort. Er war nicht so aktiv“, sagte ein Teammitglied der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Wahres Tierwohl kann schmerzhafte Entscheidungen bedeuten

Seitdem der Meeressäuger vor Poel liegt, gibt es viel Trubel und Lärm um das geschwächte Wildtier und es lässt sich nur erahnen, wie viel Stress und Angst es durchlebt. „Wie unsere Forschung zeigt, können sich die Folgen für genau die Tiere, die wir schützen wollen, verschlechtern, wenn wissenschaftliche Empfehlungen zugunsten der öffentlichen Meinung außer Acht gelassen werden“, schreibt Karen Stockin von der Massey University in Neuseeland im Wissenschaftsmedium „The Conversation“.

Wahre Fürsorge bedeute im Wildtierschutz manchmal auch die schmerzhafte Entscheidung zur Zurückhaltung, wenn die Wissenschaft keine Hoffnung auf Genesung sieht. „Große, charismatische Tiere wie Wale rufen starke emotionale Reaktionen hervor“, erklärte Stockin. „Sie sind intelligent, ausdrucksstark und wirken sichtlich hilflos, wenn sie gestrandet sind.“ Für viele Menschen erscheine es moralisch inakzeptabel, nicht einzugreifen, wobei Untätigkeit oft als Vernachlässigung empfunden werde.

„Wir können sie nicht durch Handauflegen beruhigen“

Die Wal-Expertin Frances Gulland sagte dem „Spiegel“, es sei sehr schwierig, das Verhalten von Walen gezielt zu beeinflussen. „Wir können nicht mit ihnen kommunizieren, wir können sie nicht durch Handauflegen beruhigen.“

Die Tierärztin mit Spezialisierung auf Meeressäuger war 2007 an Rettungsaktionen für zwei Buckelwale - Mutter und Kalb - im Sacramento River beteiligt. „Wir haben vieles ausprobiert: Walrufe, Alarmtöne, Metallgeräusche, Motoren, sogar Wasser aus Feuerwehrschläuchen“, sagte sie. Nichts davon habe verlässlich dazu geführt, dass die Tiere in die gewünschte Richtung schwammen. „Als wir nichts mehr taten, schwammen sie ins Meer.“

Boom bei Büchern: „Die Schnecke und der Buckelwal“ an der Spitze

Unterdessen boomt der Verkauf von Büchern rund um das Thema Wal. So ist die Nachfrage im Zeitraum von der ersten Sichtung Anfang März bis zur Strandung in der Wismarer Bucht am 23. März deutlich gestiegen, wie das Marktforschungsunternehmen Media Control auf Anfrage der dpa sagte. „Die Schnecke und der Buckelwal“ von Julia Donaldson und Axel Scheffler führt die Top 3 der verkauften Bücher an.

© dpa-infocom, dpa:260423-930-981027/3


Von dpa
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