Die Aufgabe ist vor fünf Jahren nicht unsportlich gewesen. Ansbach feierte 2021 seine 800 Jahre als Stadt. Die Fränkische Landeszeitung begleitete das Jubiläum mit einer Aktion: Sie regte die Menschen zu „800 Ideen für Ansbach” an. Trotz der Corona-Krise wurden es sogar etwas mehr, und eine der großen Ideen ist umgesetzt.
Das Ziel der FLZ war, im Jubiläumsjahr den Blick von der Vergangenheit in die Zukunft zu richten. Wie kann die Stadt noch interessanter, schöner und lebenswerter werden? Teilnehmende versorgten die Lokalredaktion Ansbach denn auch mit Ideen: über das Telefon – zum Beispiel in einem „800-Ideen-Lesertelefon“ –, über E-Mail, ein eigenes Internetportal sowie über die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram.
Auch in persönlichen Gesprächen äußerten sich die Menschen. In der 800-Ideen-Aktion wäre die Lokalredaktion seinerzeit gerne auch an Infoständen in der Innenstadt mit ihnen in Kontakt gekommen. Bekanntermaßen jedoch wollte das Corona-Virus nicht mitspielen. An den Ideen von 2021 herrscht heute noch immer Interesse, gerade auch im Zeichen des Kommunalwahlkampfs. Deshalb erinnert dieser Beitrag an die Aktion.
Trotz aller Widrigkeiten hatte die Aktion 831-mal Erfolg. Mehrfach angebotene Ideen zählten allerdings auch mehrfach. Über die spannendsten Ideen zu berichten, damit war die FLZ noch bis weit ins Jahr 2022 beschäftigt.
Als Einzelperson oder Paar, aber auch als Gruppe, Verein, Verband oder Organisation hatten sich die Ideenbringerinnen und -bringer beteiligt. Darunter waren nicht selten Parteien und andere politische Gruppierungen. Fast das ganze farbliche Spektrum wirkte mit. Mit jeweils ungefähr 100 Einzelideen bestritten die Freien Wähler und ANvisio, eine Projektgruppe des Grünen-Ortsverbands, einen wesentlichen Anteil am Gesamtergebnis.
Doch auch die BAP, Die Ansbacher, die Grünen selbst, die ÖDP, die Offene Linke Ansbach (OLA), die Junge Union (JU) und die Jungen Grünen stellten ihre Themen zur Diskussion. Von jungen Menschen wie den Mitgliedern dieser politischen Nachwuchsorganisationen bis zum seinerzeit 96-jährigen Edmund Zöller als wohl ältestem Teilnehmer reicht der Kreis derer, die sich an der Aktion beteiligten.
Auch wenn die Corona-Krise Stadt und Land noch nach 2021 in Atem hielt: Vielleicht passte gerade dieser Zeitraum, um sich über die Zukunft Ansbachs Gedanken zu machen. Durch die Pandemie spielte sich das Leben 2021 stärker zu Hause und im engen Freundes- und Bekanntenkreis ab.
Die neue Stadtspitze und das neue Stadtratsgremium hatten sich schon gefunden – mehr oder weniger –, und der nächste Kommunalwahlkampf war bekanntermaßen noch weit weg. Manche Ideen stimmten wohlwollend, andere heiter oder ärgerlich.
Ein kontroverses Echo rief im Jubiläumsjahr der Vorschlag eines Tante-Emma-Ladens hervor, am leidenschaftlichsten vorgetragen von den Freien Wählern. Im Dezember 2024 öffnete er tatsächlich als Bürgerladen Tante Anna in der Neustadt 30 und ist damit die größte Wirklichkeit gewordene Idee.
Großes Interesse in der Aktion „800 Ideen für Ansbach” bestand zum Beispiel auch an der Promenade oder an den Rezatauen – also zwei nach wie vor aktuellen Bereichen. Für eine barrierefreie beziehungsweise rollstuhlgerechte Gastronomie etwa machte sich der Beirat für Menschen mit Behinderung in der Stadt stark. Er brachte noch viele weitere Gedanken ein.
Viel Sympathie erntete zum Beispiel ein recht günstiger Vorschlag einer Leserin. Sie regte für Ansbach ein öffentliches Klavier an. „Hoffentlich wird’s was“, schrieb zum Beispiel ein Nutzer seinerzeit auf Facebook. Bislang jedenfalls lässt das Piano für alle noch auf sich warten.
Überhaupt wurde bei den „800 Ideen” der Wunsch laut, Musik in die Stadt zu bringen. Der Verein Stadtfreunde Ansbach rief später das Projekt „Klingende und singende Altstadt“ ins Leben, das einige Zeit lang die City beschallte. Ärgernisse, unter anderem dass Menschen Haus- und Sperrmüll illegal ablagern, fanden ebenso Raum. Die Stadt indes thematisierte das Thema 2022 in ihrer Aktion „Ansbach putzt sich raus“.
Schon 2021 war klar, dass die Stadtgesellschaft sicher nur einen kleinen Teil der Ideen umsetzt. Jede aber kann zu neuen inspirieren, sich weiterentwickeln lassen oder zu einer Gegenposition provozieren. Streit um der Sache willen, in einem wertschätzenden Ton formuliert, tut einem Gemeinwesen gut – auch fünf Jahre später.
Eine Liste mit den genannten Ideen finden Sie am Ende dieses Artikels. Welche Ideen für Ansbach beschäftigen Sie – fünf Jahre nach der FLZ-Aktion „800 Ideen für Ansbach”? Erzählen Sie uns davon. Sie erreichen die FLZ-Lokalredaktion unter der Telefonnummer 0981/9500269 oder über die E-Mail-Adresse o.herbst@flz.de.
Einige wenige Ideen fehlen in der Liste. Manche sind zum Beispiel inzwischen veraltet beziehungsweise nicht mehr aktuell, sehr allgemein formuliert, schlecht zuordenbar, ganz offensichtlich nicht machbar oder mutmaßlich nicht ernst gemeint.