Von zwei Bad Windsheimern, die kleine Tiere groß rausbringen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.08.2024 19:30

Von zwei Bad Windsheimern, die kleine Tiere groß rausbringen

Penelope und Wolfgang Meyer fotografieren leidenschaftlich gerne in der Natur. Während er die heimischen Vögel mit den Teleobjektiven einfängt, bringt sie die Insekten groß raus – im Vordergrund unten rechts ist der Russische Bär zu sehen, ein Schmetterling aus einen Fotobuch von Penelope Meyer. (Foto: Anita Dlugoß)
Penelope und Wolfgang Meyer fotografieren leidenschaftlich gerne in der Natur. Während er die heimischen Vögel mit den Teleobjektiven einfängt, bringt sie die Insekten groß raus – im Vordergrund unten rechts ist der Russische Bär zu sehen, ein Schmetterling aus einen Fotobuch von Penelope Meyer. (Foto: Anita Dlugoß)
Penelope und Wolfgang Meyer fotografieren leidenschaftlich gerne in der Natur. Während er die heimischen Vögel mit den Teleobjektiven einfängt, bringt sie die Insekten groß raus – im Vordergrund unten rechts ist der Russische Bär zu sehen, ein Schmetterling aus einen Fotobuch von Penelope Meyer. (Foto: Anita Dlugoß)

„Das ist der Russische Bär. Wenn er die Flügel aufspannt, sieht er aus wie im Abendanzug mit rotem Hemd.“ Penelope Meyer aus Bad Windsheim hat den Schmetterling fotografiert, ganze Studien angefertigt. Sie tat das auch mit Hunderten anderen Insekten. Im Sommer sind die Falter, Käfer, Libellen und vieles mehr aktiv.

Die kleinen Lebewesen bringt die gebürtige Engländerin fotografisch groß heraus. Ihre Leidenschaft begann mit der Digitalfotografie, die vor etwa 25 Jahren ihren Siegeszug in Deutschland antrat. „Es eröffnet sich eine Welt, die man mit bloßem Auge nicht sieht. Da können Dinge sichtbar gemacht werden, die dem menschlichen Auge sonst verborgen bleiben“, schwärmt sie. Als Arbeitsgerät dient ihr eine kleine Kamera. Damit fertigt sie die Makroaufnahmen – anderes sei bereits mit der Handykamera möglich.

Viele Begegnungen mit Nachhall

Wer ihre Bilder betrachtet, fühlt ihre Bewunderung, ihre Freude und ihren Entdeckungseifer für die kleinen Lebewesen der Natur. Sie ist gerne draußen und fotografiert alles Interessante, was ihr vor die Linse kommt. Oft kennt sie von dem Käfer, der Wanze, der Mücke, der Ameise oder dem Schmetterling nicht einmal den Namen. So hat sie den Schmalflügeligen Pelzbienenölkäfer kennengelernt oder auch Cassida Murraea, einen Käfer, der als Jungtier grün und als reifes Tier rot gefärbt ist.

Auch über die raren Arten im Gräfholz wie Maivogel und Gelbringfalter freut sie sich. Und über die Essigrosen-Dickfühlerweichwanze. Bei Letzterer landete sie sogar einen Erfolg für die Entomologie (Insektenforschung). Denn durch ihre Aufnahme wurde das Tier vor zwei Jahren erstmals im Landkreis belegt. In den Fotografien von Penelope Meyer spiegelt sich eine Vielfalt, Ästhetik und Profession wider, die man aus der heimischen Insektenwelt – beispielsweise im Kurpark – nicht erwartet hätte.

Da ist eine Hummel voll von Pollen, da sonnt sich ein herrlicher Schachbrettfalter, da lässt es sich ein Grasfrosch in einer rosa Seerose gut gehen. Mit ihrem Blick für das Besondere fängt sie auch die großen Facettenaugen einer Stechmücke im Gräfwald samt Stachel ein. Was sie nicht kennt, erforscht sie mit zwei Apps auf ihrem iPhone.

Tagelanges Auflauern

Die Liebe zu seinen fotografischen Objekten ist ihrem Mann Wolfgang Meyer ebenso anzumerken. Stundenlang und immer wieder im besten Licht kehrt er an seine Plätze zurück, um Vögel fotografisch einzufangen, bis er manchmal nach vielen Aufnahmen das hat, was er will: die Schönheit und seine Wertschätzung für die heimischen Federtiere auszudrücken. Riesige Teleobjektive hat er dabei – seiner Ehefrau wären diese zu schwer, wie sie sagt. Doch der 82-jährige Wolfgang Meyer ist erfahren. Schon in den 1960er Jahren war er ein passionierter Unterwasserfotograf, wie seine Frau erzählt.

Die faszinierenden Fische und anderen Tiere, die Meyer bevorzugt im Mittelmeer ablichtete, wurden später durch die Vögel „abgelöst“, als die Digitalfotografie die analoge Fotografie verdrängt hatte. Filme waren einst teuer und höchstens 36 Aufnahmen auf einer Rolle – besonders für die Tierfotografen, denen ihr Objekt oft davonfliegt, ging die Sache ins Geld. Nach wie vor ist es Glückssache, ob das Bild eines Tieres gelingt. „Das Licht muss passen und auf fünf bis acht Meter muss ich ran können“, sagt Wolfgang Meyer.

Wer so viel fotografiert, gerade Insekten und Vögel, der lernt sehr viel dazu – auch über die Blumen und Pflanzen, auf denen sich Kleintiere aufhalten. Wasserdost und Schwanenblume gehören nun zum Meyer’schen Wortschatz.

Schon viele Jahre sind die Meyers Mitglieder beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) im Landkreis. Stets freuen sie sich auf ihre monatliche Zusammenkunft in Kaubenheim, wo sich alle über ihre tierischen Schützlinge austauschen. Zwei Mal, 2021 und 2023, hat Wolfgang Meyer schon einen von zwei Parteien gesponserten Kalender herausgebracht, der verkauft wurde und dessen Erlös in den Naturschutz floss.

An der Aischquelle „war nichts“

Heuer gab es keinen, er sei aber vermisst worden. Und so wurde im Hause Meyer ein eigener Kalender produziert – für alle, die zuvor angefragt hatten. Leider kann Wolfgang Meyer nicht mehr so viele Vögel fotografieren wie früher, so der Senior. „Heuer war es ganz schlecht“, beklagt er. An einer seiner fotografischen Beutestellen, der Aischquelle, „war nichts“. Das ist kaum zu glauben beim Blick in sein Vogelbuch, das fast nur Federtiere von dort enthält. Faszinierende Arten hat er vor 2024 an der Aischquelle gesehen und auch fotografiert.

Dazu zählten beispielsweise Kleiber, Spechte, Grauschnäpper, Grünfinke, Bach- und Schafstelzen, Kuckucke, Eisvögel, Bekassinen, Beutelmeisen, Neuntöter, Falken, Raben, Blaukehlchen, Goldammern, Stieglitze, Reiher, Flussuferläufer, Rotkehlchen, Rohrsänger, Mönchsgrasmücken, Störche, Eichelhäher, Stare, Elstern und noch verschiedene Wasservögel wie Blässhühner, Haubentaucher und Reiherenten. Der Bienenfresser, ein Durchzugvogel, zählte ebenfalls dazu.

Auch Fuchs, Reh und Steinmarder hat er dort schon entdeckt. Aber wenn viele Bäume und das Schilf „mit Großmaschinen“ entfernt wurden, wo sollen sich die Vögel dann noch aufhalten? Der Gräfwald, der Kehrenberg das Scherholz, der Wirbelseeweiher und der Landschaftssee bei Burgbernheim sind Wolfgang Meyers Welt – wie alles, was im Umkreis von 25 Kilometern zu finden ist.

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