Vom Schandfleck zur Zierde: Der Bahnhof Hagenbüchach ist ein Haus der Überraschung | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.06.2026 13:00

Vom Schandfleck zur Zierde: Der Bahnhof Hagenbüchach ist ein Haus der Überraschung

Aufwendig war das von der Gemeinde gekaufte Bahnhofsgebäude in Hagenbüchach saniert worden. Dafür gab es sogar 2016 einen Staatspreis für das schmucke Haus. (Foto: Mirko Fryska)
Aufwendig war das von der Gemeinde gekaufte Bahnhofsgebäude in Hagenbüchach saniert worden. Dafür gab es sogar 2016 einen Staatspreis für das schmucke Haus. (Foto: Mirko Fryska)
Aufwendig war das von der Gemeinde gekaufte Bahnhofsgebäude in Hagenbüchach saniert worden. Dafür gab es sogar 2016 einen Staatspreis für das schmucke Haus. (Foto: Mirko Fryska)

Wer heute das schmucke, an der Bahnlinie Würzburg–Nürnberg liegende Bahnhofsgebäude in Hagenbüchach sieht, kann sich kaum vorstellen, dass es noch vor rund zehn Jahren eine wahre Bruchbude war. „'Die war total marode”, erklärt Bürgermeister David Schneider. Nach der Komplettsanierung wird es nun vielseitig genutzt.

Eine Bäckereifiliale nebst Café ist im Erdgeschoss zu finden, der Gemeinschaftsraum und die sanitären Anlagen befinden sich im ersten Stock. Dieser ist funktional gestaltet und über einen Aufzug barrierefrei zu erreichen. Er kann für unterschiedliche Aktivitäten in Anspruch genommen und auch von Einheimischen für private Feiern mit bis zu 35 Personen angemietet werden. Für Trauerfeiern nach Beerdigungen oder Konfirmationen werde er des Öfteren genutzt, so Schneider.

Im hellen und freundlichen Dachgeschoss hat seit April Monique Löb ihren „BewegGrund” eröffnet. Die 51-Jährige ist Schmerzcoach und Aromatherapeutin, hat eine Reha-Sport-Ausbildung absolviert und in diesem Bereich schon viele Kurse gehalten. Faszien-Yoga, Pilates, Schmerztherapie, Aromatouch-Massagen, Kakao-Zeremonien sowie Angebote, um die innere Balance und das Nervensystem zu regulieren, bietet die gebürtige Chemnitzerin unter anderem an.

Yoga und Aroma-Therapie

In den Räumen im Hagenbüchacher Bahnhof fühlt sie sich sehr wohl, „wie in meinem zweiten Zuhause”, erzählt sie begeistert. Eine Freundin von ihr bietet im selben Gebäude unter anderem Klangschalen-Meditation an. Monique Löb ist froh, dass sie die Räume anmieten konnte.

Nachdem diese frei geworden waren, hatte sie Tina Förtsch von der Verwaltungsgemeinschaft Hagenbüchach-Wilhelmsdorf angerufen, ob sie an den Örtlichkeiten Interesse habe. Löb bewarb sich und erhielt zu ihrer großen Freude die Zusage. Da sie in Wilhelmsdorf wohnt, ist die Lage für sie optimal. Neben ihrer Tätigkeit im „BewegGrund” gibt die 51-Jährige noch Kurse beim Emskirchener TSV. Auch das macht ihr großen Spaß. Wer sich für ihr Angebot in Hagenbüchach interessiert, darf sich bei ihr unter der Telefonnummer 0176/31198857 melden.

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Prämiert mit einem Staatsehrenpreis

Bürgermeister Schneider ist froh, dass alle Räume im Bahnhofsgebäude genutzt werden. Stolz ist er, dass man für dessen Sanierung 2016 sogar den Bayerischen Staatspreis für Land- und Dorfentwicklung erhielt. Rund 600.000 Euro steckte die Kommune in das 1865 an der gerade neu fertiggestellten Bahnstrecke errichtete Domizil. Stattliche Zuschüsse flossen über das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken. Als das Gebäude vor langer Zeit errichtet wurde, verfügte es, wie ein Blick in die anlässlich des Staatspreises 2016 erstellte Broschüre zeigt, über einen Schalter- und Warteraum, ein Stellwerk und im ersten Stock über eine Wohnung.

Als das Gebäude für den Bahnbetrieb nicht mehr erforderlich war, ein Fahrkartenautomat und ein Unterstand im Freien für die Fahrgäste reichten und auch die Stellwerke durch neue Technik überflüssig wurden, waren die Tage des einst so stolzen und nun denkmalgeschützten Bahnhofs gezählt. Der Zahn der Zeit nagte an ihm. Den Zustand vor der Sanierung kann der Bürgermeister mit einem Wort beschreiben: „erbärmlich”. Eine im Erdgeschoss aufgestellte Fotowand macht dies deutlich, erinnert aber auch an die stolze Anfangszeit.

Anderthalb Jahre wurde saniert

2011 konnte die Gemeinde das marode Bahnhofsdomizil von einem Privatmann günstig erwerben. Er hatte es zuvor der Bahn abgekauft, erläutert Schneider. Das ganze Gebäude wurde im Rahmen der Sanierung entkernt. „Der alte Schalter und das Stellwerk waren noch vorhanden.” Auch sie verschwanden, ebenso wie die einsturzgefährdete Treppe.

Das Dach musste ebenfalls erneuert werden. Rund anderthalb Jahre dauerte die Sanierungsmaßnahme. Davon profitierte der Ort. Der ehemalige Schandfleck wurde nun zum neuen und attraktiven Mittelpunkt Hagenbüchachs und zu einem auch für Bahnreisende erfreulichen Anblick – angesichts der vielen heruntergekommenen und leerstehenden Bahnhofsgebäude an der Strecke Nürnberg–Würzburg, die früher wahre Leuchttürme waren.

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