Unzensierter Chorauftritt: „Windshemia” startet in Bad Windsheim in den Fasching | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 12.01.2026 17:07

Unzensierter Chorauftritt: „Windshemia” startet in Bad Windsheim in den Fasching

Akrobatik pur zeigt die Jugendgarde. (Foto: Katrin Merklein)
Akrobatik pur zeigt die Jugendgarde. (Foto: Katrin Merklein)
Akrobatik pur zeigt die Jugendgarde. (Foto: Katrin Merklein)

Mit akrobatischer Höchstleistung, einem Streifzug durchs baustellengeplagte Bad Windsheim und einem kommunalpolitischen Ausflug zum Oktoberfest mit einem Double von Bürgermeister Jürgen Heckel par excellence, startete die Karnevalsgesellschaft „Windshemia” in den Fasching. „Ohne Zensur”, wie Sitzungspräsidentin Nicole Schmidt versprach.

Dass das Politikum aus dem Vorjahr noch einmal aufgegriffen wird, das hatte das Publikum erwartet, und es wurde nicht enttäuscht. Rückblick: Jürgen Boier, Schauspieler im „Windshemia”-Chor und damals noch Geschäftsleitender Beamter der Stadt, soll nach der Premierensitzung 2025 Ärger mit seinem Chef, Bürgermeister Heckel, bekommen haben. Der Vorwurf von Heckels Fraktionsvorsitzendem Gerhard Koslowski lautete, dass Boier den Bürgermeister und die Stadt lächerlich gemacht habe – und er sich das in seiner Funktion nicht erlauben dürfe.

Heckel und Boier betonten im Nachgang beide, ein „sachliches Gespräch” geführt zu haben. Nach diesem hatte Boier sich jedoch entschieden, nicht mehr aufzutreten. Statt des Geschäftsleiters stand in den weiteren Sitzungen eine Schaufensterpuppe auf der Bühne.

Günther Lauch und Michl Hunziger moderieren

Die tauchte am Samstag wieder auf. Boier, der keinen anderen als Jürgen Heckel höchstpersönlich spielte, schob sie auf die Seite: „Die brauchen wir heuer nicht mehr.” Gestik und Artikulation des Heckel-Doubles saßen perfekt. „Also ich, ich, ich bin von WiR.” Kurze Pause, das Publikum grölte. Gewohnt satirisch nahm der Chor die Besucherinnen und Besucher im voll besetzten Saal des Kur- und Kongress-Centers mit aufs Oktoberfest. Günther Lauch (Thomas Laue) und Michl Hunziker (Philipp Oberndörfer) moderierten die Show „Windsheims Superstar”, eine Mischung aus Supertalent und Herzblatt.

„Puschel” überzeugt mit Zahlendrehern und Missverständnissen

Holt sich der amtierende „Puschel” von WiR erneut den Titel? Bei ihm haut es allen „die Sicherungen raus”, beispielweise dann, wenn er Umweltminister Thorsten Glauber mal wieder als „Maskottchen der Landesgartenschau” bezeichnet. Er ist der selbsternannte „Fels in der Brandung”. Mit „Zahlendrehern”, die am Ende nur eines von vielen „Missverständnissen” sind, zieht er die Aufmerksamkeit auf sich. Sein Gewinnersong: „Ich bin verliebt in mich.” Als der Rap-Song aus den Boxen schallte, gab es für das Publikum kein Halten mehr.

Außerdem hat sich der „Märchenprinz” aus Erlangen, Michael Lappler, mit dem gleichnamigen Lied für den Titel beworben, auch wenn „Cordula Grün” gut passen würde. Er will sich auf keinen Fall im „Kleinkram” verirren.

Ein „Überflierl” hat alles im Griff

Seinen Hut in den Ring wirft außerdem Philipp Flierl, die „limiddid Edischn”, der „Überflierl” von CSU, FWG und Lila, der sich den Slogan „miteinander, menschlich und machbar” von Heckel abgeschaut habe. Im Fall seiner Wahl hat er „alles im Griff, auf dem sinkenden Schiff”.

Von „Wackelkontakten” war die Rede, angesichts der vielen Geschäftsführerwechsel bei der Landesgartenschau 2027 zum Beispiel. Oder beim Weihnachtsmarkt, wo die Schlittschuhbahn den Glühwein ersetzt. Am Marktplatz sollte aber doch besser ein Windpark entstehen: „Bei so viel heißer Luft lohnt sich der.” Das Unterhaltungsprogramm im Bad Windsheimer Stadtrat toppe letztlich sogar das Theater in der Stadt und die Kultur im Ochsenhof.

Nussknacker starten Polonaise durch den Saal

Bei der Schlüsselübergabe an Prinzessin Caro I. und Prinz Marius I. betonte Heckel schon vor dem Auftritt des Chors bezüglich der ihm vorgeworfenen Zensur, dass er nie etwas „verhindert” habe. „Das würde ich nicht machen.” Dafür gab es „Buh-Rufe” – und er bekam von Sitzungspräsident Rudi Schmidt im Anschluss an den Chorauftritt eine kurze Ansage, dass man sich auch eingestehen müsse, „wenn man einen Fehler gemacht hat”. Dann wäre das Ganze auch erledigt. Satire gehöre zum Fasching nun einmal dazu.

Durch die Sitzung führte Nicole Schmidt, die bei der Anmoderation von Nichte Ella Schmidt unterstützt wurde, und eine Lanze fürs Ehrenamt brach. Improvisationstalent musste Schmidt beweisen, weil der Gastbüttenredner und Sitzungspräsident von Fastnacht in Franken, Christoph Maul, auf eisigen Straßen länger brauchte als gedacht. Das Publikum forderte mit Standing Ovations ohnehin eine Zugabe von den Turedancern aus Zellingen, die als Nussknacker auf einem steinigen Weg aus sich herausgewachsen sind, und zeigten, dass sie zu Recht amtierende Bayerische und Vize-Deutsche Meister sind. Mit einer Polonaise zogen sie durch den Saal und überbrückten die Zeit.

Kleine Dinos und fantasievoller Schautanz

Gastgeschenke brachte der Waldbrunner Carnevals-Club mit Show- und Marschtanz mit. Als Eigengewächs stand Michl Bechold in der Bütt. Die Garden der Windshemia zeigten, was sie das Jahr über mit viel Herzblut und Disziplin einstudiert hatten. Die Purzelgarde entführte das Publikum ins Reich der Dinosaurier. Der Schautanz nahm die Zuschauerinnen und Zuschauer in Blumen- und Tierkostümen mit auf eine fantasievolle Reise. Viel Applaus ernteten auch das Männerballett sowie die Jugend-, Junioren- und Prinzengarde für ihre jeweiligen Auftritte.

Den gab es auch für die „Windsheimer Gscheiderli”, eine Eigenproduktion der „Windshemia”. In drei Akten zeigten sie das Stadtgeschehen auf und „verwursteten” die Bad Windsheimer Parteien vor und hinter einer Metzgerauslage – als „Speckologen” auch ohne „Tofuportfolio”. Als Vermessungsingenieure, „Müllkommandanten”, Touristen, Windsheimer Oma oder Ernährungsprophetin gingen sie auf einen Rundgang durch die Baustellen der Stadt.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
north