Veröffentlicht am 19.09.2022 12:51

Traton-Chef: Transportnachfrage noch stark

Mitarbeiter von MAN Truck & Bus arbeiten in einer Produktionsstraße. (Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild)
Mitarbeiter von MAN Truck & Bus arbeiten in einer Produktionsstraße. (Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild)
Mitarbeiter von MAN Truck & Bus arbeiten in einer Produktionsstraße. (Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild)

Der Chef der Volkswagen-Nutzfahrzeug-Holding Traton sieht trotz aufziehender Konjunktursorgen prinzipiell weiter gute Geschäftschancen für die wichtige Branche. „Grundsätzlich bleibt die Transportnachfrage in allen Märkten auf einem sehr, sehr hohen Niveau“, sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Levin am Montag auf der IAA-Nutzfahrzeugemesse in Hannover im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. Die VW-Konzernmarken MAN, Scania und Navistar hätten weitgehend vernetzte Flotten auf der Straße, an deren Daten man die Aktivitäten der Kunden ablesen könne.

Selbst alte Fahrzeuge würden derzeit in starkem Maße genutzt – in normalen Zeiten seien diese eher Ersatz, falls andere Fahrzeuge ausfallen. „Aktuell fahren die rund um die Uhr“, fügte der Manager hinzu. In der Nähe der Grenze zu Russland sehe man dagegen Zeichen für weniger Aktivität. Grenzverkehr gebe es dort nicht mehr, auch fehlende ukrainische Fahrer hätten einen Einfluss auf die Lage. Neben diesem regionalen Effekt gebe es beim Einsatz im Baugewerbe einen kleinen Rückgang, dieser sei allerdings nicht besorgniserregend.

„Es ist ein seltsames Gefühl“, fasste Levin die augenblickliche Stimmung zusammen. Auch Traton zahle mehr für Stahl, Aluminium, Energie, Kunststoffe und Transport. Das Auftragsbuch reiche noch für über ein Jahr. „Aber das lässt uns sicherlich nicht gut schlafen“, ergänzte er. Bislang könnten auch die Spediteure ihre Preise noch anheben - doch irgendwann werde die Konjunktur wieder abebben. Achtgeben müsse man auf die Entwicklung der Transportnachfrage.

Generell sieht der Traton-Chef die Frage einer künftig hinreichenden Ladeinfrastruktur auch für schwere E-Nutzfahrzeuge als ein größeres Problem an als die derzeit hohen Energiepreise. Gewöhnlich bleibe der elektrische Antrieb perspektivisch im Vorteil bei den über die Laufzeit anfallenden Gesamtkosten – wenn denn Speditionen bei Touren entsprechend laden könnten und die Ausfallzeiten nicht zu hoch seien.

Wasserstoffantriebe hält Levin in größerem Umfang noch nicht für massenmarkttauglich. Sie seien jedoch ein Zukunftsthema. Bis 2030 könne sich der Marktanteil von Brennstoffzellen-Nutzfahrzeugen in Europa bei 10 Prozent einpendeln, schätzt er. Reisebusse könnten eine interessante Anwendung sein, dort falle der recht hohe Energieverlust über verschiedene Stufen auf der Langstrecke nicht so ins Gewicht.

China will Traton neben Amerika und Europa zur dritten zentralen Marktregion ausbauen, mit steigenden Anteilen lokaler Fertigung von bis zu 80 Prozent. „Wir müssen dort ein komplettes System aufbauen“, sagte Levin zur Verzahnung von Einkauf, Produktion und Vertrieb.

© dpa-infocom, dpa:220919-99-817827/2

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