Todesfalle Pub: Brandkatastrophe erschüttert Thailand | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.07.2026 02:23, aktualisiert am 13.07.2026 13:22

Todesfalle Pub: Brandkatastrophe erschüttert Thailand

Viele Reporterteams belagerten den Unglücksort. (Foto: Carola Frentzen/dpa)
Viele Reporterteams belagerten den Unglücksort. (Foto: Carola Frentzen/dpa)
Viele Reporterteams belagerten den Unglücksort. (Foto: Carola Frentzen/dpa)

Ein beißender, giftiger Gestank wabert durch Bangkoks warme Morgenluft. Der Geruch von verschmortem Plastik und Holz brennt in der Nase. Aus den Fensterrahmen des Pubs Pub Rong Beer Na Ladprao ragen nur noch messerscharfe Glassplitter – durch die Flammen ausgelöste Explosionen haben die Scheiben aus gesprengt.

In der Nacht hat sich hier, im Stadtteil Chatuchak, eine der schwersten Brandkatastrophen in Thailand seit Jahren ereignet. Das Lokal stand gegen Mitternacht plötzlich in Flammen. 27 Menschen sind tot. 71 weitere wurden verletzt, mehr als 20 davon schwer, wie die Zeitung „Bangkok Post“ am Nachmittag unter Berufung auf die Stadtverwaltung schrieb.

Auch der Pub-Besitzer ist demnach unter den Schwerverletzten. Weitere Menschen, die möglicherweise in dem Lokal gewesen sein könnten, würden noch vermisst, hieß es. Einsatzkräfte hatten die Flammen nach einer knappen Dreiviertelstunde unter Kontrolle gebracht.

Auf dem Boden liegen Plastiksandalen, Überreste einer roten Gitarre, ein verkohltes Mischpult und mehrere Feuerlöscher. Sie sind stumme Zeugen der tragischen Ereignisse, die sich nur wenige Stunden zuvor abgespielt haben. Noch in der Nacht waren vor der Eingangstür die Leichen aufgereiht worden, von weißen Tüchern bedeckt. 

Gegend bei Touristen beliebt

Das Viertel ist wegen seines riesigen Wochenendmarktes bei Touristen aus aller Welt beliebt. Eigentlich pulsiert hier das Leben – aber am späten Sonntagabend wichen Livemusik und fröhliches Geplauder plötzlich Schreien, Todesangst und Sirenen. Ob auch ausländische Gäste unter den Opfern sind, ist weiter unklar.

Neben Verbrennungen sollen viele Opfer schwere Rauchvergiftungen erlitten haben, wie Ministerpräsident Anutin Charnvirakul erklärte. Das Feuer habe sich wegen leicht entflammbarer Decken- und Dekorationsmaterialien rasch ausgebreitet, sagte Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt.

Räucherstäbchen statt Blumen

Die Behörden haben den Unglücksort mit rotem Band abgesperrt. Dutzende Reporterteams sind angerückt und belagern die Straße vor dem Pub. Viele Schaulustige und neugierige Blicke gibt es ansonsten nicht – das ist nicht Teil der eher zurückhaltenden Mentalität der Thais. Blumen oder andere Zeichen des Gedenkens wurden bislang ebenfalls nicht niedergelegt. Aber an einem nahe gelegenen Schrein zünden mehrere Frauen Räucherstäbchen an und beten.

Im Innenraum sind derweil ein verkohltes Schlagzeug und Dutzende Flaschen auszumachen, die vom Löschschaum weiß gefärbt sind. Polizisten und Forensiker mit Gesichtsmasken sind im Einsatz, um Spuren zu sichern und zu klären, wie es zu dem Flammeninferno kommen konnte. 

Was löste die Tragödie aus?

„Der Rauchgeruch hängt noch in der Luft, aber eine Gefahr geht davon nicht mehr aus“, sagt der Feuerwehrmann Baf, der mit seinen Kollegen die Ermittler unterstützt. Auf die Frage, ob bereits bekannt sei, warum das Lokal in Flammen aufging, zuckt er nur mit den Schultern. Noch gibt es mehr Fragen als Antworten.

Nach Schilderungen von Musikern, die am Sonntagabend in dem Lokal aufgetreten waren, soll zunächst Rauch aus einem Sicherungskasten nahe der Bühne aufgestiegen sein. Anschließend sei der Strom ausgefallen, kurz darauf habe es eine Explosion gegeben. Der Katastrophenschutz glaubt, dass ein Kurzschluss in einer Klimaanlage an der Decke verantwortlich sein könnte.

Flucht Richtung Toiletten war fatal

Sicher ist, dass sich innerhalb von Sekunden dichter Qualm und Flammen ausbreiteten. Fatalerweise flüchteten die meisten Gäste offenbar desorientiert in den hinteren Teil des Gebäudes, in die Nähe der Toiletten, wo es kein Entkommen gab. Hier wurden später die meisten Opfer gefunden. Auch mindestens ein Mitglied der Live-Band soll in dem Feuer gestorben sein.

Bangkoks Gouverneur zufolge brachen viele Menschen nahe der Toiletten zusammen und versperrten anderen damit die Fluchtwege. Die Polizei prüft aber auch, ob Notausgänge möglicherweise verschlossen waren. Derweil stürmten zahlreiche Gäste schreiend aus der Vordertür, während der Pub schon lichterloh brannte und gewaltige Flammen aus der Eingangstür schlugen.

Erinnerungen an andere Brandkatastrophen

„Dieser Vorfall hat die gesamte thailändische Nation zutiefst erschüttert und dient als schmerzhafte Mahnung, dass solche Tragödien durch Brände in Unterhaltungsstätten niemals wieder vorkommen dürfen“, teilte der Bürgermeister der Touristenstadt Pattaya, Poramet Ngampichet mit. Er ordnete umgehend umfassende Sicherheitsinspektionen aller Unterhaltungsbetriebe in Pattaya an, das zwei Autostunden von Bangkok entfernt liegt.

Das Unglück ruft Erinnerungen unter anderem an die Brandkatastrophe von Crans-Montana in der Schweiz vor rund sechseinhalb Monaten hervor, bei der bei einer Silvesterparty 41 Menschen ums Leben gekommen waren. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, rund 80 davon schwer.

Der Bürgermeister von Pattaya erinnerte an zwei verheerende Brände in Thailand, im Santika-Club in Bangkok 2009 und im Mountain-B-Club in der Provinz Chonburi 2022. 2009 waren während einer Silvesterfeier im Club Santika im Stadtteil Ekkamai 67 Menschen bei einem Feuer ums Leben gekommen. Funken eines Feuerwerks bei einer Bühnenshow hatten damals den Brand ausgelöst. 2022 waren bei einem schweren Brand in einem Nachclub etwa 150 Kilometer südöstlich von Bangkok mehr als 20 Menschen getötet worden. Die Flammen hatten sich durch leicht entflammbaren Schalldämmstoff rasend schnell ausgebreitet.

Das Leben in Chatuchak geht derweil zu Wochenbeginn schon wieder normal weiter. Nur wenige Meter vom Unglücksort haben Garküchen und Streetfood-Stände geöffnet. Gleich neben dem Pub tummeln sich Hunderte Menschen im Einkaufszentrum Union Mall bei Starbucks Coffee und McDonald's. Nur ein paar Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr erinnern an die Tragödie, die sich hier abgespielt hat. Und ein beißender, giftiger Gestank.

© dpa-infocom, dpa:260713-930-374961/5


Von dpa
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