Nachdem Jonas Hupp im vorigen Sommer zwei Monate bei einer Gastfamilie in Argentinien verbracht hatte, war sein Gastbruder Lorenzo Metifogo aus dem südamerikanischen Land zu Gast in Mittelfranken. Genauer gesagt in Seenheim. Er fühlte sich sehr wohl in Deutschland, wie er betonte.
Nur das argentinische Rindfleisch und das Meer fehlen ein wenig. Denn bei dem Austausch blieben kulinarische und ganz alltägliche Überraschungen nicht aus, gehörten sogar dazu. Jonas berichtet schmunzelnd von seiner anfänglichen Skepsis gegenüber Mate, dem argentinischen Nationalgetränk, die sich in eine Vorliebe dafür umgekehrt hat. Auch das patagonische Meer möchte Jonas am liebsten nach Seenheim importieren.
Im vergangenen Sommer machte sich Jonas Hupp auf in den Winter nach Argentinien, ohne zu wissen, was ihm dort erwartete. Er wurde nicht enttäuscht und würde es am liebsten sofort wieder tun. Schon damals wollte er den Aufenthalt verlängern.
Nun war Lorenzo Metifogo zum Gegenbesuch in Deutschland. Auch er reiste vom Sommer in den Winter. Und er fand, der Austausch sei in seinem Leben eine tolle Entscheidung gewesen. Hupp, der von der Realschule in Uffenheim an die Fachoberschule wechselte, wollte eigentlich ein Austauschjahr in den USA machen, was aber zu teuer gewesen wäre. Deshalb wandte er sich eher zufällig an den Rotary Club (RC) Uffenheim, als er von einem Youth-Exchange-Programm hörte. Ziel der Rotarier ist es, Brücken zwischen den Kontinenten zu bauen. Der junge Mann nahm mit Daniela Rupsch (sie ist Jugenddienstbeauftragte beim RC) Kontakt auf. Es klappte. Nach ein paar Monaten erfuhr er, dass er für den Austausch ausgewählt worden war, und bekam die Zusage, acht Wochen bei einer Gastfamilie zu leben.
„Mir hat es so gut gefallen und ich wollte unbedingt verlängern, aber es ging wegen der Schule nicht”, bedauerte Hupp. Es war ein Abenteuer, und die Gastfamilie mit noch zwei Söhnen unglaublich nett. Mit der Verständigung haperte es zwar ein wenig. Aber mit Händen und Füßen ging es bestens. Vieles spiele sich in dem lateinamerikanischen Land im Freien ab. Es gibt Laufbahnen, Fußballplätze ohne Ende und den heiß begehrten Strand.
Die Anreise ist allerdings anstrengend. Nach einem 14-Stunden-Flug von Frankfurt/Main nach Buenos Aires hieß für den 17-Jährigen umsteigen in eine Maschine, die weitere knapp vier Stunden nach Rada Tilly flog. Die Kleinstadt liegt im Süden, in Patagonien am Golf San Jorge, und gilt als das weltweit südlichste Seebad. „Der Strand hat einen sehr hohen Stellenwert und dort verbringt man sehr viel Zeit”, berichtete Jonas Hupp.
Mit europäischen Städten könne man es nicht vergleichen, schon wegen der Infrastruktur. Straßen und Gehwege seien weitaus schlechter, als in Deutschland. Und: „Es gibt fast nur Häuschen mit kleinen Vorgärten”, keine großen Wohnblocks oder Hochhäuser, was viel schöner sei.
Hupp begann sogleich, kaum hatte er vom RC den Zuschlag erhalten, Spanisch zu lernen. Und vor dem Aufenthalt nahm er per Videoanruf Kontakt mit der Gastfamilie auf. „Da habe ich sie schon etwas kennengelernt. Ich fühlte mich sofort sehr wohl und als Teil der Familie”, sagte Hupp.
Die Gastmutter ist die Bürgermeisterin der knapp 7000-Einwohner-Stadt. Der Vater arbeitet in einer Ölbohrstation. Mit Gastbruder Lorenzo Metifogo verstand sich Jonas von Anfang an prächtig, sie sind wie Brüder geworden. „Oft müssen wir mit Händen und Füßen reden, aber es funktionierte immer”, sagte Hupp.
An eines musste sich der junge Mann dann aber in Südamerika doch noch gewöhnen: an Unmengen an Rindfleisch. Das ist das Lieblingsessen der Argentinier und steht so gut wie jeden Tag auf dem Speiseplan, ohne viele Beilagen. Auch nimmt man dort vier Mahlzeiten am Tag zu sich. Am Morgen gibt es sowohl Süßes als auch Herzhaftes, je nach Lust und Laune. Am späteren Nachmittag stehen Snacks auf dem Speiseplan, ehe das eigentliche Abendessen so gegen 21.30 Uhr eingenommen wird.
Lorenzo hatte in Franken ebenfalls seine Entdeckungen gemacht: Die deutschen Betten, so sein Urteil, seien den argentinischen überlegen. Und der Schnee – für einen Argentinier längst keine Selbstverständlichkeit mehr – war jüngst ein Höhepunkt seines Deutschlandaufenthaltes. Auch durfte Lorenzo Jonas auf seine Sportcamps begleiten, zu den Fünfkampf-Trainings. Außerdem absolvierte er ein Praktikum bei einer Firma in Burgbernheim und erhielt so einen kleinen Einblick in den deutschen Berufsalltag.
Jonas' Eltern zeigten sich von dem Austausch beeindruckt; für sie war Lorenzo wie ein weiterer Sohn. Der Rotary Club schaffe die Möglichkeit, über Grenzen und Ozeane hinweg außerhalb von Schubladen zu denken, finden sie, das helfe, Vorurteile gegenüber Menschen aus anderen Länder abzubauen. Die Verbindung werde über das Ende des Austausches Bestand haben, sind sie zuversichtlich. Lorenzos Familie plant einen Besuch in Seenheim.
In Rückfluggepäck nach Buenos Aires hatte Lorenzo jedenfalls viele schöne Erinnerungen: Die Natur mit vielen Bäumen, Ausflüge zu Schloss Neuschwanstein, nach Rothenburg oder ins Porsche-Museum nach Stuttgart. Lorenzo liebt schnelle Autos (in Argentinien darf man schon mit 16 Jahren Auto fahren) und – man ahnt es im Land von Diego Maradona und Lionel Messi – natürlich den Fußball.