Stichwahl-Duell mit Deffner und Eff: Wer ist der Richtige für Ansbachs OB-Posten? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.03.2026 06:30

Stichwahl-Duell mit Deffner und Eff: Wer ist der Richtige für Ansbachs OB-Posten?

Oberbürgermeister-Duell: die Debatte zur Stichwahl – so hieß es am Mittwoch im BGU-Fachmarkt Ansbach im Ortsteil Brodswinden. Auf dem Podium präsentierten sich Thomas Deffner (CSU, links) und Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher, rechts). Mathias Neigenfind moderierte das Duell. (Foto: Oliver Herbst)
Oberbürgermeister-Duell: die Debatte zur Stichwahl – so hieß es am Mittwoch im BGU-Fachmarkt Ansbach im Ortsteil Brodswinden. Auf dem Podium präsentierten sich Thomas Deffner (CSU, links) und Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher, rechts). Mathias Neigenfind moderierte das Duell. (Foto: Oliver Herbst)
Oberbürgermeister-Duell: die Debatte zur Stichwahl – so hieß es am Mittwoch im BGU-Fachmarkt Ansbach im Ortsteil Brodswinden. Auf dem Podium präsentierten sich Thomas Deffner (CSU, links) und Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher, rechts). Mathias Neigenfind moderierte das Duell. (Foto: Oliver Herbst)

Am Sonntag wollen sie bei der Stichwahl zum Ansbacher Oberbürgermeister gewählt werden: Amtsinhaber Thomas Deffner (CSU) und Herausforderer Hans-Jürgen Eff (Die Ansbacher) positionierten sich bei einer Podiumsdiskussion kurz vor der Wahl zu den wichtigsten Fragen der Ansbacher Kommunalpolitik – eine Auswahl.

Was während des gesamten Wahlkampfes zu beobachten war, zeigte sich auch an diesem Abend im Gartencenter des BGU-Baumarktes in Brodswinden: Die Ansbacher sind interessiert an der Kommunalpolitik für ihre Stadt. Und so blieb kein einziger der rund 130 Plätze zwischen Orchideen und Gartengeräten unbesetzt.

Ein „paar Entscheidungshilfen für die Wahl am Sonntag” wollte Moderator Mathias Neigenfind den Zuhörenden geben – und FLZ-Redakteur Oliver Herbst umriss in seinem Beitrag zu Beginn, welche Themen die Menschen in der Stadt bewegen und welche Herausforderungen auf den Wahlsieger in den kommenden sechs Jahren zukommen.

„Wir können ganz viele Dinge viel besser machen”

Warum bist Du der richtige Mann für dieses Amt?, fragte der Moderator die beiden Kandidaten. Thomas Deffner verwies darauf, dass die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg die Kommune „in vielerlei Hinsicht” herausfordernd betroffen hätten. „Das zu bewältigen, ist uns gelungen, und das werden wir auch die nächsten sechs Jahre schaffen.” Hans-Jürgen Eff bescheinigte dem Amtsinhaber, „es die letzten sechs Jahre gut gemacht” zu haben. Doch es dürfe kein „Weiter so” geben: „Wir können ganz viele Dinge viel besser machen.” Dafür brauche es frischen Wind im Stadthaus. Andere Kommunen seien besser aus der Pandemie durchgestartet, so Eff.

Mit zehn Gruppierungen im Stadthaus wird die Mehrheitsbildung schwieriger. „Kannst Du moderieren?”, fragte Neigenfind. Hans-Jürgen Eff verwies auf die Zusammenarbeit in einer Fraktion mit den Freien Wählern in den vergangenen sechs Jahren. „Du musst die Menschen im Stadtrat und die Menschen, die dahinterstehen, mitnehmen.” Es gehe darum, Lösungen zu finden und umzusetzen. Thomas Deffner sagte, es sei in den vergangenen sechs Jahren bei vielen Themen herausfordernd gewesen, Mehrheiten zu finden. So habe es zum Beispiel bei der Gestaltung des Rezatparkplatzes ursprünglich acht verschiedene Ansätze im Rat gegeben. Er habe alle Fraktionen zusammengerufen, um einen Kompromiss zu finden, das sei letztlich auch gelungen.

„Natürlich ziehen wir eine Brandmauer zur AfD”

Wie halten es die Kandidaten mit der AfD, die im Mai mit sechs Mandatsträgern in den Stadtrat einziehen wird? Thomas Deffner sagte, die bisherigen drei AfD-Stadträte hätten sich sachorientiert gezeigt. Sollte sich das mit der neuen, stärkeren AfD-Fraktion ändern, müssten die Demokraten dem Paroli bieten. Deffner machte auf Nachfrage klar. „Natürlich ziehen wir eine Brandmauer zur AfD.” Bei Hans-Jürgen Eff klang das anders: „Wir machen keine Bundes- oder Landespolitik.” Im Stadtrat gehe es um Sachthemen, da sei nicht auszuschließen, auch einem Antrag der AfD, zum Beispiel für einen Spielplatz, zuzustimmen. Eff machte klar, die Ansbach seien das „Medium” gewesen, das der AfD Einhalt geboten habe. Deshalb verstehe er nicht, „dass man uns in eine bestimmte Ecke schiebt”. Bundes- und Landespolitik beträfen die Kommune durchaus unmittelbar, setzte Thomas Deffner nach und nannte die Krankenhaus- oder Flüchtlings-Politik.

Stichwort Wohnungsbau: Da habe man in Ansbach große Probleme, „weil einfach zu wenig gebaut worden ist”, sagte Eff. Das liege auch an der Verwaltung, die die Bauträger mit immer neuen Auflagen ausbremse. Als Beispiel nannte er die Sontowski-Gruppe und das geplante Wohngebiet Weinberg-West, dem man immer neue Hürden in den Weg lege. Dem widersprach Thomas Deffner heftig. Seit 2023 sei der Bebauungsplan dafür in Kraft: „Die könnten sofort loslegen.” Das Problem sei, dass Sontowski das geplante Pflegeheim vor Ort in Betreutes Wohnen umwandeln wolle, und dafür gelte ein anderer Stellplatz-Schlüssel: „Das hat der Kollege Eff mitbeschlossen.”

Innenstadt-Belebung zur Chefsache

Thema Innenstadt-Belebung: Eff wollte den städtischen Wirtschaftsförderer nicht kritisieren, aber als OB werde er das Thema zur Chefsache machen. Er sei viel in der Innenstadt unterwegs, „und ich denke, dass ich einen guten Draht zu den Immobilien-Eigentümern habe.” Noch habe man die Chance, die Dinge in die richtige Richtung zu lenken, „wenn alle mitziehen”. Deffner stimmte zu, „dass wir das so angehen müssen”. Die Stadt müsse auch Immobilien selbst erwerben und gestalten. Man sei in einen Dialog mit den Eigentümern eingestiegen, das sei erfolgreich angelaufen. Mit geförderten Machbarkeitsstudien helfe man den Eigentümerinnen und Eigentümern, Konzepte für ihre Immobilie zu entwickeln.

Zur notorisch klammen Stadtkasse sagte Hans-Jürgen Eff, man müsse mehr Unternehmen ansiedeln, die Gewerbesteuer zahlen. Das Problem seien die fehlenden Gewerbegrundstücke: „Wenn du keine Flächen für Unternehmen hast, wie traurig ist das denn?” Dabei zielt Eff weniger auf die große Industrie, die aus seiner Sicht ohnehin keine Gewerbesteuer zahlt: „Wir haben viele Handwerksbetriebe und kleine Unternehmen, die müssen wir besser an die Hand nehmen.” Der OB verwies auf erfolgreiche Ansiedelungen wie Teveo oder Empasa. Er sieht aber auch die Notwendigkeit, „dass wir dringend Gewerbegrundstücke brauchen”. Deffner machte aber auch deutlich, dass günstige Energie vor Ort ein Standortfaktor sei. Da sei man in Ansbach auf einem guten Weg, mit 37 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen belege man den Spitzenplatz unter den Städten der Metropolregion Nürnberg.

„Pop-up-Club” im ehemaligen Schroeder's

Thema Tourismus: Da sei Ansbach ins Hintertreffen geraten, sagte Eff. Andere Städte wie zum Beispiel Gunzenhausen hätten Ansbach den Rang abgelaufen. „Ansbach hat alles, was Du für den Tourismus brauchst, aber diese Attraktivität muss man nach außen tragen.” Der OB gab zu, „wir haben da keine großen Steigerungen”, da müsse man mehr machen: „Wir wollen wieder angreifen.”

Ganz düster sieht es nach Hans-Jürgen Effs Ansicht bei den Treffpunkten für Jugendliche in Ansbach aus, da gebe es viel zu wenig. OB Deffner stimmte zu. Man müsse auch „ans Jugendzentrum ran”, das zwar außen renoviert sei, dessen Innenleben aber umgestaltet werden müsse. Deffner verwies auf die vielen Sportvereine in der Stadt, die eine wertvolle Jugendarbeit leisteten, und er versprach, die gute finanzielle Förderung durch die Stadt werde weiter fließen.

Und dann hatte Deffner noch einen Einfall: Wie wäre es, wenn Hans-Jürgen Eff das ehemalige Schroeder's-Bistro an der Residenzstraße, das ihm gehört, für die Jugend öffne? „Sperr's doch auf, einfach mal machen.” Die Kandidaten verabredeten, einen „Pop-up-Club” im Schroeder's zu veranstalten – egal, wie die Wahl ausgeht.


Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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