Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster sprach im französischen Oradour mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er bekam von beiden viel Anerkennung für die mittelfränkischen Partnerschaften mit Regionen in Frankreich, Polen und Tschechien.
Zu dem Gespräch mit den zwei Staatsoberhäuptern kam es beim Gedenken an eines der schrecklichsten Massaker im Zweiten Weltkrieg vor 80 Jahren, bei dem 643 Kinder, Frauen und Männer erschossen und verbrannt wurden. Nach der offiziellen Zeremonie, unter anderem mit zwei Enkelinnen eines Täters und eines Überlebenden, folgte ein Empfang, zu dem auch der mittelfränkische Bezirkstagspräsident mit seiner kleinen Delegation eingeladen war. Denn Oradour liegt in der französischen Partnerregion Limousin.
„Ich habe mich sehr gefreut, dass ich dabei mit den beiden Präsidenten reden durfte“, berichtete Forster. Das Gespräch war spontan, doch er war vorbereitet. „Ich hatte für jeden eine Flasche Wein von unserem Europa-Weinberg in Ipsheim dabei und unser Buch über die Verbindungen von Gemeinden.“ In dem Buch hatten Sylvie Feja vom Bezirk und Professor Dr. Henri Ménudier aus Paris alle kommunalen Beziehungen zwischen Mittelfranken und der französischen Partnerregion vorgestellt.
Dazu kommt nun ein Freundschaftspakt von Oradour mit Hersbruck im Nürnberger Land. „Der Bundespräsident hatte das schon in seiner Rede erwähnt und auch mir gegenüber noch mal unterstrichen, wie wichtig die persönlichen Begegnungen von Bürgern aus seiner Sicht sind”, so Forster. Sein französischer Amtskollege stimmte zu – auf Deutsch.
„Ich war überrascht, wie gut Emmanuel Macron Deutsch spricht. Er war sehr angetan von unseren vielen Verbindungen. Wir waren uns einig, dass Europa vor allem von den direkten Kontakten zwischen möglichst vielen Menschen getragen wird“, sagte der mittelfränkische Bezirkstagspräsident. „Es war ein wirklich gutes Gespräch.“
Das vorhergehende Gedenken mit den Enkelinnen habe ihn tief berührt, betonte Forster. „Für mich war es einer der bewegendsten Momente meines Lebens.“ Der CSU-Politiker war schon häufig in Oradour. Gerade in der aktuellen politischen Situation in Europa und der Ukraine hält er es für dringend nötig, das menschliche Miteinander zu fördern.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte in seiner Rede die neue Verbindung von Oradour mit dem mittelfränkischen Hersbruck besonders hervorgehoben und gesagt. „Vergessen wir nie das Wunder der Versöhnung, das die Europäische Union erreicht hat! Schützen wir unser vereintes Europa!”
Am Tag vorher hatte Peter Daniel Forster bereits Francois Hollande, den Amtsvorgänger von Emmanuel Macron, in Tulle getroffen. Dort hatten deutsche Soldaten am Tag vor Oradour ebenfalls ein Kriegsverbrechen verübt und 99 Männer an Balkonen und Laternen aufgehängt. Francois Hollande ist mit den gewachsenen Freundschaften nach Mittelfranken bestens vertraut. Bevor er als Präsident in den Elysee-Palast gewählt wurde, war er Bürgermeister in Tulle, das ebenfalls im Limousin liegt.
Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster berichtete der FLZ von seinen Begegnungen am Donnerstag, als in Weihenzell (Landkreis Ansbach) der für die Partnerschaften zuständige Ausschuss des Bezirkstags tagte. Viel Lob bekam Studiendirektor Christian Jechnerer, der in den Pfingstferien eine Radtour des Bezirks durch die französische Region Nouvelle Aquitaine organisiert hatte. Zu dieser Großregion im Südwesten Frankreichs gehört inzwischen auch das Limousin.
Die Bezirksräte bekräftigten die aktuellen Projekte zum europäischen Miteinander. Vom Partnerschaftsbüro des Bezirks gaben Sylvie Feja und Gabriele Blank einen Überblick über das Programm mit der Nouvelle Aquitaine, Pommern und Südmähren. Unter anderem ist eine Bürgerreise nach Danzig geplant. Anlässlich des 85. Jahrestages des Beginns des Zweiten Weltkrieges wird Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster mit einer Delegation an der Gedenkfeier auf der Westerplatte am 1. September teilzunehmen. Hier griff Deutschland 1939 Polen an.
An diesem Wochenende ist Forster mit einer mittelfränkischen Delegation in Südmähren. Anlass ist ein Versöhnungsmarsch von Pohořelice zum Mendl-Platz in Brünn, um der Opfer der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Brünn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu gedenken. Zudem wird eine Partnerschaft zwischen der Gemeinde Arberg (Landkreis Ansbach) und Dolni Dunajovice unterzeichnet. Sie wird die erste kommunale Partnerschaft unter dem Dach der neuen Regionalpartnerschaft von Mittelfranken mit der tschechischen Region Südmähren.
Im Limousin feiert Diespeck (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) im September das 30-jährige Jubiläum seiner Verbindung mit Eymoutiers, Lehrberg (Landkreis Ansbach) das fünfjährige der Freundschaft zu Allassac.
In Oradour töteten deutsche Soldaten 643 Kinder, Frauen und Männer. Die Vernichtung eines ganzen Dorfes am 10. Juni 1944 wurde zum doppelten Symbol. Sie zeigte die unvorstellbare Grausamkeit, im Namen Deutschlands unschuldige Erwachsene und Kinder zu erschießen und bei lebendigem Leib in einer Kirche zu verbrennen. Sie brachte aber auch Menschen auf beiden Seiten des Rheins dazu, nach dem Zweiten Weltkrieg alles für eine Aussöhnung und einen dauerhaften Frieden in Europa zu tun.
Mittelfranken übernahm dabei eine führende Rolle. Oradour liegt im Landkreis Haute-Vienne in der Region Limousin, zu dem der Bezirk seit 1981 eine offizielle Partnerschaft hat. In kleinsten Schritten schafften es Besucher aus Mittelfranken, in Oradour wieder Vertrauen zu Menschen aus Deutschland aufzubauen. Der Bezirk wurde dadurch zu einem Vorreiter der deutsch-französischen Freundschaft auf der Ebene der Bürger.