Speerwerferin Jennifer Vogt aus Ansbach: Mit Baby-Bauch zum Weltmeistertitel | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.11.2025 09:11

Speerwerferin Jennifer Vogt aus Ansbach: Mit Baby-Bauch zum Weltmeistertitel

Jennifer Vogt beim Aufbruch zur Deutschen Meisterschaft in Gotha. Im Arm ist Glücksbringer Luk. (Foto: Josef Schaffarzik)
Jennifer Vogt beim Aufbruch zur Deutschen Meisterschaft in Gotha. Im Arm ist Glücksbringer Luk. (Foto: Josef Schaffarzik)
Jennifer Vogt beim Aufbruch zur Deutschen Meisterschaft in Gotha. Im Arm ist Glücksbringer Luk. (Foto: Josef Schaffarzik)

Jennifer Vogt lebt für den Sport. „Ich bin ein profihafter Amateur”, beschreibt sie sich. Die 40-Jährige war schon Weltmeisterin im Duathlon, bayerische Meisterin im Siebenkampf und holte schon einige Titel im Speerwurf – teilweise sogar mit Baby-Bauch. Der Speerwurf ist seit 2016 ihr Steckenpferd, auf das sie sich nun konzentriert.

Beruflich ist sie Lehrerin, aber als sie nach Oberbayern versetzt werden sollte, entschied sich die Ansbacherin für die Heimat, quittierte den Staatsdienst und ließ sich seitdem auf 16 Stunden pro Woche mit Jahresverträgen an einer Schule in Schwabach anstellen. An anderen Schulen füllte sie ihre Stunden auf.

„Du musst machen, was du für richtig hältst”

Wegen ihrer beruflichen Situation verzichtete Vogt bisher auf Familienplanung. „Doch eines Tages sagte eine Kollegin zu mir: ‚Es ist dein Leben. Du musst machen, was du für richtig hältst.‘” Und so entschied sich Vogt dafür, ein Kind zu bekommen.

Der kleine Luk kam am 16. Mai 2025 auf die Welt. Er konnte es kaum abwarten, ganze sechs Wochen zu früh war er dran. Doch Mutter und Kind waren wohlauf. Vogt nahm noch vom 23. bis 30. März an der Leichtathletik WM der Senioren in Florida teil. Obwohl der Baby-Bauch schon deutlich zu erkennen war, holte sie dort mit 37,66 Metern Gold im Speerwurf.

Frauenärztin hat keine Bedenken

Aber wie funktioniert Sport mit der Schwangerschaft? Und ist das überhaupt gesund für Mutter und Kind? „Das Gewicht merkte ich gar nicht so”, sagt Vogt, „mich beeinträchtigte eher eine gewisse Müdigkeit und dass ich weniger Luft bekam.” Auch wenn es anstrengend war, ihre Leistung litt hingegen nicht: „Mein Trainer sagte, ich war technisch so gut wie nie.”

Um Risiken auszuschließen, holte sich Vogt zuvor Rat bei ihrer Frauenärztin. Demnach schade Sport in der Schwangerschaft nicht, solange es keine Kontakt- oder Kampfsportart sei. Durch das jahrelange Training hatte sie ein Gespür für ihre Grenzen: „Ich habe ein gutes Gefühl für meinen Körper. Hätte ich Schmerzen gehabt, hätte ich sofort aufgehört”, sagt Vogt. Außerdem gebe es Beispiele, dass durch den erhöhten Hormonspiegel die Leistungsfähigkeit bei anderen Frauen sogar noch zunahm. Vogt, mit einem Lächeln: „Ich dachte: vielleicht geht ja nochmal was.”

Trotz Schwangerschaft unschlagbar

Beim Wettbewerb in Florida erhielt sie sogar Zuspruch ihrer Kolleginnen: „Die fanden das voll crazy, aber toll.” Besonders ist ihr der Kommentar ihrer Konkurrentin Martina Efraimsson aus Schweden in Erinnerung. In acht Wettbewerben seit 2022 schlug Vogt sie jedes Mal: „Sie sagte, sie dachte, jetzt gewinnt sie endlich einmal gegen mich und dann besiegte ich sie doch wieder.”

Frühchen Luk kam im Mai per Kaiserschnitt auf die Welt. Laut ihren Ärzten lag die Frühgeburt aber nicht am Sport – eher könne Stress ein Auslöser sein. Eigentlich hatte Vogt direkt danach wieder Lust auf Sport: „Aber die Narbe musste erst verheilen.” Sie begann mit Radfahren, dann Krafttraining und nach und nach konnte sie immer mehr machen. Vier Wochen nach der Entbindung hatte sie erstmals einen Speer in der Hand.

Nächstes Ziel: Europameisterschaft in Polen

Anfangs fehlte ihr aber noch die Kraft: „Ich kam gerade mal auf 30 Meter.” Sie steigerte sich nach und nach. Ihr Freund ist ebenfalls Speerwerfer. Sie fuhren mit Sohn Luk gemeinsam zum Training und wechselten sich dann ab. Dennoch für Vogt ungewöhnlich: „Der andere Tagesrhythmus machte schon müde”, aber das nimmt sie gerne in Kauf, „mit Luk ist da nun jemand, den wir haben wollten und um den wir uns kümmern müssen.” Sie ist dankbar für ihren Freund, der sie sehr entlastet.

Im Juli wurde Vogt bei der Bayerischen Meisterschaft Zweite, denselben Platz holte sie bei der Deutschen. Bei der Masters-EM in Madeira gewann sie mit 36,11 Metern kürzlich Bronze in der Altersklasse W40. So soll es für Vogt auch weitergehen: „Im November will ich ins Wintertraining einsteigen.” Ihr nächstes Ziel ist die Europameisterschaft in Polen im März.

Sport und Schwangerschaft war für Vogt gut vereinbar. Anderen Frauen kann sie nur raten, sich in der Schwangerschaft nicht ausschließlich auf die Couch zurückzuziehen: „Wer sich gut fühlt, kann auch Sport machen.” Und auch die Familienplanung ist noch nicht ganz abgeschlossen: „Luk könnte in zwei Jahren auch noch ein Brüderchen oder Schwesterchen bekommen.”

Agnes Düll bei der EM auf Madeira beim Hammerwurf. (Foto: Jochen Düll)
Agnes Düll bei der EM auf Madeira beim Hammerwurf. (Foto: Jochen Düll)

Gute Platzierungen für Agnes Düll und Jennifer Vogt aus Ansbach bei Masters-EM

„Eine Leistung, mit der ich nicht gerechnet habe”: Vogt gewinnt Bronze im Speerwurf. Düll erreicht in verschiedenen Wurfdisziplinen je die Top Ten.
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