Der Film- und Videoclub Ansbach hat die Renovierung des Retti-Palais über sieben Jahre mit der Kamera begleitet. Entstanden ist ein gut 60-minütiger Dokumentarfilm, der im Juni erstmals öffentlich gezeigt wird. Ein exklusiver Kreis hat bereits einen Einblick erhalten.
Ins Kunsthaus in der Reitbahn hat der Film- und Videoclub Oberbürgermeister Thomas Deffner und Dr. Christian Schoen, Leiter des Museums Retti-Palais, eingeladen. Sie sollten sich ein Bild machen von der langjährigen Arbeit des Vereins. Schon vor der offiziellen Premiere. Am Samstag, 13. Juni, ist die Dokumentation um 18 Uhr in den Kammerspielen erstmals für die Öffentlichkeit zu sehen.
Dass der Aufwand so enorm werden würde, sei für den Club vorher nicht abzusehen gewesen. Das betonte Vorsitzende Anni Bergauer in ihrem Grußwort an den kleinen Kreis von Gästen bei der exklusiven Vorstellung. In den sieben Jahren, die der Verein die Restaurierung begleitet hat, seien über 2700 Videodateien entstanden mit einer Gesamtlaufzeit von rund zehn Stunden.
Das Filmteam hat den gesamten Prozess der Renovierung bis ins kleinste Detail dokumentiert. Die ersten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2017, kurz vor Beginn der Bauarbeiten, informierte Manfred Noel, der federführend den Schnitt übernahm.
Die Dokumentation begleitete Dutzende Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter. Vom Ausbau des Dachstuhls über die Restaurierung des Parketts bis hin zur Erneuerung von Stuck, Ölbildern und textiler Wandbespannung. Kameramann Franz Stich, von dem die meisten Aufnahmen stammen, habe insgesamt rund 700 Stunden auf der Baustelle verbracht, um alle Arbeitsschritte zu dokumentieren.
Eine große Herausforderung sei auch die Nachbearbeitung gewesen. Manfred Noel spricht von weit über tausend Stunden gemeinsamer Arbeit. Für die Erstellung des Sprechertextes habe er sich in Themen wie Sanierungstechniken, Denkmalschutz und die Historie des Gebäudes erst einarbeiten müssen. Den Text für den gesamten Film sprach Ute Noel ein.
„Ein Dokument für nachfolgende Generationen”
Christian Schoen dankte dem Film- und Videoclub für seinen jahrelangen Einsatz und lobte das Ergebnis. Er warf die Idee in den Raum, einzelne Kapitel aus der Dokumentation für die pädagogische Arbeit im Museum zu nutzen. Damit könnte das Videomaterial über die anstehende Premiere hinaus Verwendung finden.
Für Thomas Deffner ist mit der Arbeit ein „Dokument für nachfolgende Generationen” entstanden. Der Oberbürgermeister pflichtete Anni Bergauer bei, die das Retti-Palais als „ein herausragendes Beispiel für erfolgreiche Denkmalpflege” beschrieb. In Bayern wird Deffner zufolge akribisch darauf geachtet, möglichst viele originale Bauteile bei der Renovierung zu verwenden. Deshalb werde aus bayerischer Brille die Denkmalpflege etwa in Baden-Württemberg mit einem Augenzwinkern als „Disneyland-Denkmalschutz” bezeichnet, erzählte der ehemalige Leiter der Bauverwaltung am Landratsamt.
Auch das arbeitet der Film heraus. So ist die Rückkehr des restaurierten Tafelparketts in den Stadtpalast festgehalten. Zu sehen sind einzelne ersetzte und ausgebesserte Bretter. Der Großteil ist der Originalboden, der aus der ersten Bauphase stammt und 1749 eingebaut wurde.
Zuletzt hatte das Retti-Palais samt Museum von Oktober 2025 bis März 2026 unter dem Titel „Ouvertüre: Der Stadtpalast in neuem Glanz” mit Führungen der Öffentlichkeit Einblicke gewährt. Die Vorbereitungen für die offizielle Eröffnung dauern noch an. Laut Webseite möchte das Museum 2026 mit seinem Ausstellungsprogramm eröffnen.