Schnelldorf und Heilsbronn begeistert vom neuen Minifußball | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.08.2023 10:29

Schnelldorf und Heilsbronn begeistert vom neuen Minifußball

Die jüngsten unter den Fußballern spielen bald nur noch auf Minitore. (Foto: Alexander Keck)
Die jüngsten unter den Fußballern spielen bald nur noch auf Minitore. (Foto: Alexander Keck)
Die jüngsten unter den Fußballern spielen bald nur noch auf Minitore. (Foto: Alexander Keck)

Minifußball nennt sich das neue Format der beliebtesten Sportart Deutschlands. Für die Saison 2024/25, so hat der DFB-Bundesjugendtag beschlossen, ist die Umsetzung des modernen Kinderfußballs verbindlich. Der TSV Schnelldorf und 1. FC Heilsbronn sammelten die letzten Jahre bereits Erfahrungen mit der neuen Variante.

Mehr Spielspaß und eine nachhaltige Förderung der Jüngsten sind die Ziele des DFB. Gespielt wird die neue Abwandlung auf Kleinstfeldern. Die Anzahl der Kinder auf dem Platz ist variabel und wird mit fortschreitendem Alter, beginnend mit einem 3 gegen 3 in der G-Jugend, aufgestockt. Ähnlich verhält es sich mit der Größe des Feldes und der Tore, die sozusagen mit den Spielern mitwachsen.

Durch die kleinere Platz- und Teamgröße soll ein insgesamt interaktiveres Spielgeschehen entstehen. Auch die Spiele sind kurz. Wer mehr Treffer erzielt hat, rückt ein Feld auf, das andere Team rutscht ein Feld nach unten. Endergebnisse an sich – ähnlich wie in der Fairplay-Liga bei F- und G-Junioren – gibt es aber nicht.

Befürworter verweisen auf die Vorteile für den Nachwuchs

Der TSV Schnelldorf setzt bereits seit drei Jahren auf den Minifußball. Jugendtrainer Kai-Uwe Eller meint: „Das tolle daran ist, dass alle Kinder in Aktion sind. Niemand steht rum und weiß nicht, was zu machen ist.“

Weitere Änderung ist das Wegfallen des klassischen Torhüters. Systematisches rotieren nach jedem Tor erlaubt es den Kindern, sich an jeder Position aufzuhalten und auszuprobieren.

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David Lummer, Jugendcoach des 1. FC Heilsbronn, meint: „Die Kinder haben bisher in den untersten Altersstufen auf der Torwartposition keine wirkliche Funktion, da die Tore viel zu groß für sie sind.“ Einen künftigen Mangel an Keepern sieht der studierte Trainingswissenschaftler nicht. Er verweist auf die Vorteile für Torspieler von morgen, wenn diese zunächst ihre technischen Fähigkeiten am Ball schulen dürfen.

Um den Nachwuchskickern bereits früh in ihrer Laufbahn das Verschieben auf dem Platz beizubringen, wird nun auf vier Tore gespielt. Zusätzlich steigern sich so die Chancen auf einen selbst erzielten Punkt, was sich positiv auf die Langzeitmotivation der Heranwachsenden ausübt.

Fußballfestivals statt klassischer Spieltage

Künftig werden sich gleich mehrere Vereine zu ganzen Minifußball-Festivals an einer gemeinsamen Spielstätte zusammenfinden. Ohne Schiedsrichter, ohne kommandierende Zwischenrufe von Coaches und Eltern sollen die Partien ablaufen. Eller hat bereits eine Vielzahl solcher Festivals als Trainer begleiten dürfen. Besonders positiv steche heraus: „Die Kinder haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsverständnis und klären Entscheidungen wie Einwurf oder Eckball meist selbst.“ Auch die mitgereisten Zuschauenden scheinen sich überwiegend in Zurückhaltung zu üben.

Probleme bereiten könnte die Materialbeschaffung. Für Festivals läuft es nach dem Prinzip: Jeder teilnehmende Verein stellt zwei Minitore zur Verfügung. Im Training gilt es jedoch, eigenständig genügend Tore für gleich mehrere Spielfelder aufzubringen. David Lummer merkt jedoch an: „Hier reichen auch mal Stangen oder Hütchen.“

Kritik: Am falschen Rad gedreht

Doch auch kritische Stimmen ließen jüngst ihr Unverständnis zu den Regeländerungen verlauten, wie der NTV berichtet. Ex-Nationalspieler Thomas Helmer: „Mich wundert mittlerweile alles, was beim DFB so beschlossen und unternommen wird. Ich glaube, die haben viele eigene Probleme. Die sollte man in erster Linie lösen. Aber das finde ich jetzt schon grotesk.“

Dietmar Hamann sagt: „Sinnvolle Schritte kann ich da wenige sehen. Für mich: ohne Ergebnis kein Erlebnis.“ Und auch Trainerfuchs Ralf Rangnick, aktuell Nationalcoach in Österreich, findet: „Da dreht man am völlig falschen Rad.“


Von Uli Wagner
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