Scheinfelds Altstadt wird Großbaustelle: Ist das in einem Jahr zu schaffen? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.06.2025 19:44

Scheinfelds Altstadt wird Großbaustelle: Ist das in einem Jahr zu schaffen?

Noch konzentrieren sich die Altstadtsanierungsarbeiten auf den Torturm; in wenigen Wochen soll dann mit der Straße begonnen werden. (Foto: Andreas Reum)
Noch konzentrieren sich die Altstadtsanierungsarbeiten auf den Torturm; in wenigen Wochen soll dann mit der Straße begonnen werden. (Foto: Andreas Reum)
Noch konzentrieren sich die Altstadtsanierungsarbeiten auf den Torturm; in wenigen Wochen soll dann mit der Straße begonnen werden. (Foto: Andreas Reum)

Die Planer hatten eine gute Nachricht im Gepäck: Die Kosten für die Scheinfelder Altstadtsanierung bleiben knapp unter zwei Millionen Euro und damit unter den Schätzkosten. Besänftigen konnte das die in der Sitzung am Dienstagabend etwas grantigen Räte aber nur bedingt.

Die Stadt ist, so sagte Bürgermeister Claus Seifert, „endlich am Scharnier“ zwischen Planung und Umsetzung angelangt. Soll heißen: Die Bauarbeiten an der Straßenoberfläche können nun beginnen. Der Auftrag dafür wurde einstimmig an ein Gerolzhofener Bauunternehmen vergeben. Es hatte mit 1,97 Millionen Euro das preisgünstigste unter den drei eingegangenen Angeboten abgegeben. Im Rat ging man davon aus, dass am Ende vor dem Komma eine Zwei stehen wird; unter anderem weil die Ausschreibung den Umzug der Lindwurmskulptur nicht beinhaltete.

Bis zum Stadtjubiläum 2026 will man fertig sein

Zum genauen Baubeginn erläuterte Planer Johannes Weimann, dass der 23. Juni angesetzt war. Im Gespräch mit dem Bieter habe dieser Anfang Juli als den für ihn möglichen Starttermin genannt. Die Fertigstellung erfolge bis zum 30. Mai 2026 – und damit kurz vor dem im Juni geplanten großen Stadtjubiläum „1250 Jahre Scheinfeld“.

Das Dettelbacher Ingenieurbüro, das im Frühjahr vorigen Jahres beauftragt worden war, kam mit seinen beiden Geschäftsführern – neben Weimann auch Leonie Gerhard – zur Sitzung. Die Planer freuten sich über das Ausschreibungsergebnis als „vollen Erfolg“ sowohl bezüglich der Summe wie auch bezüglich der Siegerfirma.

Der Preis liege nun 500.000 Euro unter dem, was vormals der erste Planer Dag Schröder veranschlagt hatte und immerhin noch etwa eine 250.000 Euro unter einer aktualisierten eigenen Neukalkulation, erläuterte Weimann. Mit der Gerolzhofener Firma habe man „ein seriöses und gutes Unternehmen“, sagte er: „Wir hätten es nicht besser erwischen können.“ Weimann sprach sogar von einem „Sechser im Lotto“.

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Zweifel am Zieldatum für die Fertigstellung

Dieser Verheißung widersprach im Rat niemand. Die Stadt hat mit der Firma schon andere Projekte abgewickelt und war jeweils zufrieden, ging aus der Debatte hervor.

Bedenken gab es hingegen zum Zeitplan. Die Auskunft, kurz vor knapp zum Stadtjubiläum fertig zu werden, trug offenbar eher zur Besorgnis als zur Beruhigung bei. Weimann relativierte ein wenig: fertig werde auf alle Fälle die Hauptstraße; wenn es Bereiche geben sollte, die länger brauchen, dann beträfe dies die Seitenarme, also etwa das Herzoggässchen.

„Wir haben schon erhebliche Zweifel, dass es fertig wird“, sagte CSU-Sprecher Theo Schell. Am deutlichsten formulierte jedoch die ÜWG ihre Kritik. Der Planer, so sagte deren Sprecher Dr. Gerhard Heim, habe den Baubeginn immer wieder vertagt, aber – bis auf eine Ausnahme – das Bauende stets gleich gelassen. „Da ist viel Vertrauen verloren gegangen“, sagte Heim und hinterfragte, ob das gesetzte Ziel realistisch sei. Unvorhergesehenes, so räumte Weimann ein, könne immer passieren. Doch gebe es derlei zumeist bei Kanal- und Leitungsarbeiten, der Oberflächenbau lasse sich hingegen relativ gut kalkulieren.

Drei Bauphasen sind vorgesehen

Mit den Bauarbeiten, so informierte der Planer ferner, wird am Torturm begonnen. Tim Schmitt (ÜWG) hakte nach, ob sich dies mit den immer noch laufenden Turmarbeiten verträgt. Stadtbaumeister Hans Pongratz ging davon aus, dass sich die beiden Projekte „nicht groß in die Quere kommen“.

Bis zum Scheinfelder Marktplatz samt Anschluss an die Kirch- und die Würzburger Straße sind laut Weimann drei Bauphasen vorgesehen. Die Baustelle werde die Altstadtbewohner und die Geschäfte sicherlich beeinträchtigen. Die Geschäfte, so versicherte Weimann, sind aber während der kompletten Bauzeit zugänglich.

Für wichtig wurde außerdem erachtet, dass diese Zugänglichkeit der Altstadtgeschäfte in der Bevölkerung bewusst gehalten wird. Man solle „immer wieder drum kämpfen, dass die Leute reingehen“, sagte Bürgermeister Seifert im Rat. Er kündigte zudem an, dass der Bauzeitenplan – wie schon während der Kanalbauphase – wieder öffentlich in einem Schaufenster des ehemaligen Haushaltswarengeschäftes ausgehängt wird.

Eine Besprechung mit den Anliegern soll es geben

Weimann stellte noch eine Anliegerbesprechung in Aussicht. Denn: „Wenn man die Leute zusammenbringt, nimmt man schon mal Spannungen heraus.“ Wenn es beim Bau Probleme gebe, könne man auch auf die Firma zugehen. „Wenn die Bürger sehen, dass es endlich los geht, hat jeder Verständnis dafür“, mutmaßte ÜWG-Rätin Martina Kellner.

Sie hatte die Debatte eingeleitet und rüffelte die aus ihrer Sicht „schlechte Abstimmung“ und die „schlechte Kommunikation“. Einen besseren Informationsaustausch forderte auch SPD-Fraktionschef Dominic Treuheit ein. Auch fand Kellner die Bieterfrist von nicht einmal zwei Wochen „sehr knapp“. Dass sechs der neun Firmen, die sich die Ausschreibungsunterlagen geholt hatten, kein Angebot abgaben, sah sie als Indiz für eine zu kurze Bearbeitungszeit für die Firmen. Wäre diese länger gewesen, wäre eventuell ein noch günstigeres Angebot herausgesprungen, erwog Kellner.

Weimann widersprach: Die Frist sei durchaus üblich, und es komme auch immer wieder vor, dass nur wenige Angebote eingehen, obwohl die Interessentenzahl zunächst hoch ist.

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