Die Ankündigung der Horst-Brandstätter-Gruppe, das Playmobil-Stammwerk in Dietenhofen zu schließen, schlägt in der Region hohe Wellen. 350 Mitarbeitende verlieren ihre Jobs, die Gewerkschaft tobt. Besonders mitgenommen zeigt sich auch Bürgermeister Rainer Erdel.
„Der Verlust der Arbeitsplätze ist ein Schlag für die Gemeinde, aber besonders natürlich für die betroffenen Mitarbeiter und ihre Familien“, sagt der Rathauschef von Dietenhofen. Er hoffe auf eine möglichst sozialverträgliche Abwicklung.
Dafür will sich auch die Gewerkschaft IGBCE einsetzen. Sie adressiert drastische Worte an die Playmobil-Geschäftsführung: Die Vorgänge seien „eine Riesensauerei“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Die Verantwortung für jahrelanges Missmanagement soll nun erneut auf die Beschäftigten abgewälzt werden“, lässt sich Maximilian Krippner, Gewerkschaftssekretär der IGBCE in Nürnberg, zitieren.
Die Schließung bedeute nichts anderes als das Ende der Spielwarenproduktion am Standort Dietenhofen und damit das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland. Ein solcher Schritt sei gegenüber der Belegschaft und dem Betriebsrat im Umstrukturierungsprozess eigentlich ausgeschlossen worden. Auf konkrete Nachfragen durch Belegschaftsvertreter zur Standortperspektive habe die Geschäftsleitung seit einem Dreivierteljahr gemauert. Nun hätten sie von den Plänen 20 Minuten vor einer Mitarbeiterversammlung erfahren.
„Das werden wir gemeinsam mit dem Betriebsrat und unserem gewerkschaftlichen Netzwerk nicht ohne Widerstand zulassen“, so Maximilian Krippner, Gewerkschaftssekretär der IGBCE in Nürnberg. Bezugnehmend auf die äußerst kurzfristige Information an den Betriebsrat bemängelte er darüber hinaus: „In der Zusammenarbeit mit der betrieblichen Mitbestimmung wurde erneut ein Tiefpunkt gesetzt und damit das letzte Vertrauen verspielt.“
Die Gewerkschaft erwartet nun, dass der Arbeitgeber seiner gesetzlich vorgeschriebenen Verpflichtung nachkommt und mit Betriebsrat und IGBCE auf Augenhöhe ergebnisoffene Verhandlungen zum Fortbestand der Produktion von Playmobil in Deutschland führt.
Rainer Erdel meint, es sei aus seiner persönlichen Sicht frustrierend, dass er als Bürgermeister aktuell nichts tun könne. Für Dietenhofen und die kommunalpolitischen Entscheidungsträger der vergangenen Jahrzehnte sei der Entschluss der Firmenführung enttäuschend. In der Vergangenheit habe die Gemeinde schließlich bei allen Entscheidungen die Belange der großen Arbeitgeber im Ort immer im Blick gehabt. „2008 haben wir den Gewerbesteuer-Hebesatz von 350 auf 300 reduziert. Davon hat auch Playmobil in einer damals guten wirtschaftlichen Situation sehr profitiert.“
Seit der Pandemie habe der Spielzeughersteller dann als Gewerbesteuerzahler allerdings nicht mehr die Rolle gespielt wie noch vor zehn oder 15 Jahren. Weitere dramatische Einnahmeeinbußen seien mit der Werksschließung für die Gemeinde also immerhin eher nicht verbunden.
2022 und 2023 hatte der Markt Dietenhofen insgesamt um die vier Millionen Euro an bereits geflossenen Gewerbesteuern an Unternehmen zurückzahlen müssen, deren Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren. Ob es wirklich die Brandstätter Gruppe mit den Marken Playmobil und Lechuza war, die Geld zurückerhielt, konnte die Gemeinde aus Gründen des Steuergeheimnisses nicht kommentieren. Im Ort wurde jedoch genau dies gemunkelt.